Sorge um sensible Daten Chauffeurdienst der Bundeswehr gehackt

Bei einem Hackerangriff auf eine Tochterfirma der Bundeswehr könnten Daten von Militärs und Abgeordneten entwendet worden sein. Bundestagsvize Oppermann spricht von einer gravierenden Sicherheitslücke.
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Foto: Oliver Berg/ DPA

Die Bundestagsverwaltung hat die Parlamentarier wegen eines möglicherweise brisanten Hackerangriffs auf den Fahrdienst der Bundeswehr gewarnt. In dem Schreiben an die Fraktionen des Bundestags heißt es, die BwFuhrpark habe gemeldet, "Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein". Bisher seien Ziel, Art und Umfang des Angriffs "noch unbekannt", es werde aber unter Hochdruck an der Aufklärung gearbeitet. Das Schreiben liegt dem SPIEGEL vor.

Die Hackerattacke könnte durchaus heikel sein. Die BwFurhpark, die von der Bundeswehr und der Bahn betrieben wird, organisiert seit einigen Jahren den Fahrdienst für den Bundestag. Über die Fahrtanmeldung verfügt die Firma über viele Privatadressen von Abgeordneten. Ebenso könnte man über die Daten des Rechenzentrums der BwFurhpark Bewegungsmuster und Treffen von einzelnen Abgeordneten recht exakt nachvollziehen.

Laut dem Schreiben an die Abgeordneten ist noch unklar, "ob Daten manipuliert worden oder abgeflossen sind". In Sicherheitskreisen heißt es allerdings, dass man externe Experten eingeschaltet habe, um den Vorgang aufzuklären. Spitzenpolitiker wie Fraktionschefs oder Minister sind von dem Hack nicht betroffen, da sie vom Bundeskriminalamt (BKA) geschützt und gefahren werden. Allerdings transportiert die BwFuhrpark auch viele Topmilitärs.

Zuerst hatte die "Bild am Sonntag" über den Vorgang berichtet. Die Zeitung zitiert den Bundestagsvizepräsidenten Thomas Oppermann mit den Worten, es handele sich um "eine Sicherheitslücke, die gravierend ist". In Sicherheitskreisen indes hieß es, die Brisanz des Angriffs sei noch nicht einzuschätzen. Es müsse aber auf jeden Fall geklärt werden, wie gut die BwFuhrpark die Fahrtdaten des Bundestags schütze und ob die Systeme weiter gehärtet werden müssten.

Bisher gibt es keine Hinweise, wer hinter dem Hackerangriff steckt. Insider bei den Behörden sagten jedoch, dass es nicht zwingend um die Privatadressen der Politiker gehen müsse. Demnach könnten die Angreifer mit den Fahrtdaten auch einzelne Politiker, die den Fahrdienst besonders häufig nutzen, extravagante Sonderwünsche äußern oder sich spät nachts von privaten Veranstaltungen abholen lassen, öffentlich an den Pranger stellen.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, man habe der Geschäftsführung umgehend seine Unterstützung angeboten. Ein Team des "Cyber Emergency Response Teams" (CERT) sei vor Ort im Einsatz.

Grundsätzlich können alle Bundestagsabgeordneten den Fahrdienst des Parlaments recht frei nutzen. Allein im Jahr 2019 kamen so mehr als 100.000 Fahrten zusammen. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Diskussionen, ob die Parlamentarier statt mit einem eigenen Fahrdienst mit dem Taxi fahren sollten. Der Bundestag aber war bei dieser Frage über alle Fraktionen hinweg anderer Meinung.

mgb/ssu/AFP
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