Smartphone-App Irischer Covid-19-Tracker soll Kontakte warnen

Irlands Regierung plant eine Art intelligentes Netzwerk der Covid-19-Gefährdeten. Datenschützer haben Bedenken, erkennen aber auch positives Potenzial.
Irland im Griff von Covid-19: Wenn der Pub schon dicht ist, steht das Leben still

Irland im Griff von Covid-19: Wenn der Pub schon dicht ist, steht das Leben still

Foto: PAUL FAITH/ AFP

Die App, die Irlands Gesundheitsbehörde HSE vorschwebt, geht deutlich über das hinaus, was anderenorts bisher in Planung ist: Bereits in den nächsten zehn Tagen will die Regierung der Republik Irland eine Smartphone-App anbieten, die weit mehr kann, als nur Ansteckungsverläufe nachzuverfolgen. Per Bluetooth soll die App dafür sorgen, dass sich die Smartphones aller App-Nutzer miteinander verbinden. Und sollte einer von ihnen an Covid-19 erkranken, würde die App direkt alle Kontaktpersonen warnen. Was der HSE vorschwebt, ist also die freiwillige Vernetzung aller Iren in einem sozialen Netzwerk der ansteckungsgefährdeten Kontakte.

Klingt cool, wirft für Datenschützer aber auch Fragen auf. Wie weit die Kaskade der Benachrichtungen geht, ist nur eine davon: Streng genommen müsste so eine App ja nicht nur Menschen warnen, die direkten Kontakt mit einem Erkrankten hatten. Sondern zumindest im Zeitfenster der Inkubationszeit auch die Kontakte dieser Kontaktpersonen - nur, wie weit sollte so etwas gehen?

Datenschützer haben Fragen

Denn das Leistungsspektrum einer solchen App, sagte Daragh O Brien, Kopf des IT-Sicherheitsunternehmens Castlebridge, der "Irish Times" , gehe ja eindeutig über reines Kontakt-Tracking hinaus. Erfasst würden hier Patientendaten, und die würden auch noch in Form von Push-Nachrichten weitergegeben. Nur in welcher Form: mit Klarnamen oder anonymisiert? Auch andere Datenschützer interessiert da, wo und wie diese Daten vorgehalten werden, und wer alles Zugriff darauf habe. Eine ähnlich weitgehende App zur Beobachtung der Covid-Verbreitung entwickelt zurzeit nur Singapur - und dort hat man umgehend klargemacht, dass die erfassten Daten nur temporär erfasst und dann gelöscht würden.

Trotzdem blieb nach der Vorstellung der Pläne ein Aufschrei von Öffentlichkeit oder Datenschützern aus. Daragh O Brien versteht die geplante App als gute Möglichkeit, die Verbreitung der Krankheit nach einer Aufhebung der erst in der letzten Woche verhängten Kontaktverbote einzudämmen. Ähnlich wie in Deutschland läuft auch in der Republik bereits die Diskussion darüber, wie man den Lockdown lockern und das Wirtschaftsleben am Laufen halten könne.

Zugleich herrscht auf der Insel eine erhebliche Angst vor der anstehenden Welle. Die HSE erwartet den Höhepunkt der Covid-19-Infektionen erst Mitte, Ende April. Darauf, dass das notorisch kostspielige, aber trotzdem permanent klamme irische Gesundheitswesen der Belastung gewachsen sein wird, vertrauen wohl nur wenige. Obwohl die Ausstattung der Krankenhäuser mit Intensivbetten in den letzten Wochen massiv ausgebaut wurde, gibt es aktuellen Schätzungen zufolge nur 700 bis 800 davon. Laut HSE verfügt die Republik über 1000 Beatmungsgeräte, man hoffe, pro Woche nun 100 weitere erwerben zu können.

Bisher sind die totalen Zahlen von Erkrankten in Nord- wie Südirland vergleichsweise niedrig. Auffällig ist jedoch, dass dem eine relativ hohe Zahl von Todesfällen gegenübersteht. Die Übergangsregierung von Noch-Premierminister Leo Varadkar agiert wohl auch deshalb entschlossen und genießt dabei zunehmende Unterstützung: Varadkar ist selbst Mediziner.

pat