Russland unter Verdacht Cyberattacke auf Ukraine – Microsoft fürchtet größere Schäden

Der digitale Angriff auf die Infrastruktur der Ukraine war möglicherweise wirkungsvoller als zunächst angenommen. Aus Sicht der Regierung in Kiew ist die Beweislage eindeutig.
Demonstration eines Hackerangriffs: Den Angreifern ging es um Zerstörung

Demonstration eines Hackerangriffs: Den Angreifern ging es um Zerstörung

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Die massive Cyberattacke auf Internetseiten der ukrainischen Regierung könnte nach Ansicht des US-Konzerns Microsoft größere Schäden angerichtet haben und mehr Organisationen betreffen als zunächst angenommen. »Unsere Untersuchungsteams haben die Schadsoftware auf Dutzenden von betroffenen Systemen identifiziert, und diese Zahl könnte sich im Laufe unserer Untersuchung noch erhöhen«, erklärte ein Unternehmenssprecher am Sonntag. Die Analyse der Schadsoftware sei noch nicht abgeschlossen. Es sei den Angreifern aber vermutlich darum gegangen, die digitale Infrastruktur der Regierung unbrauchbar zu machen.

Die Schadsoftware ähnele einer sogenannten Ransomware, mit der Hacker die Computersysteme ihrer Opfer blockieren und erst gegen Lösegeld wieder freigeben. Die Software, die bei dem Angriff auf die ukrainische Regierung zum Einsatz gekommen sei, enthalte jedoch »keinen Mechanismus zur Eintreibung von Lösegeld«. Sie sei stattdessen darauf ausgelegt, Schaden anzurichten und »die Zielgeräte funktionsunfähig zu machen«, erklärte Microsoft.

Kiew hat nach Angaben vom Sonntag inzwischen »Beweise« für eine Beteiligung Russlands an dem Angriff. »Alles deutet darauf hin, dass Russland hinter dem Cyberangriff steckt«, erklärte das ukrainische Ministerium für digitale Transformation.

Zuvor hatte Kiew erklärt, es gebe »Hinweise« auf eine mögliche Verwicklung russischer Geheimdienste. Moskau hatte die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen. »Die Ukrainer schieben alles auf Russland, sogar das schlechte Wetter in ihrem Land«, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow dem Sender CNN.

Der Cyberangriff in der Nacht zum Freitag erfolgte vor dem Hintergrund der verschärften Spannungen zwischen Russland und dem Westen im Ukrainekonflikt. Angesichts eines massiven russischen Truppenaufmarschs an der Grenze zur Ukraine gibt es Befürchtungen, Moskau könnte das Nachbarland angreifen. Mehrere diplomatische Krisengespräche in den vergangenen Tagen sollten die Spannungen verringern, brachten jedoch keinen Fortschritt.

mik/AFP