Medienbericht Buffalo-Tatverdächtiger teilte Anschlagspläne offenbar im Netz

Der 18-Jährige, der im Bundesstaat New York zehn Menschen erschossen haben soll, lud kurz vor seiner Tat Gleichgesinnte in einen Chat-Kanal ein. Dort nannte er wohl Details zu seinem Vorhaben.
Tatort in Buffalo: Die rassistische Hetze im Netz sorgte nicht dafür, dass die Polizei benachrichtigt wurde

Tatort in Buffalo: Die rassistische Hetze im Netz sorgte nicht dafür, dass die Polizei benachrichtigt wurde

Foto: Brendan McDermid / REUTERS

Ein 18-jähriger Mann erschoss am Samstag in Buffalo mutmaßlich zehn Schwarze. Unmittelbar vor dem Massaker hat der verdächtigte Schütze offenbar im Netz seine Pläne und Details seiner rechtsextremistischen Ideologie geteilt. 30 Minuten vor der Tat verbreitete er im Netz Einladungen zu seinem von ihm betriebenen Forum auf der Chat-Plattform Discord an Gleichgesinnte, wie die »New York Times« berichtet . Offenbar benachrichtigte niemand die Behörden, und der Anschlag konnte weitgehend wie geplant ausgeführt werden.

Laut dem Medienbericht führte der 18-Jährige in seinem Discord-Kanal seit vielen Monaten eine Art Tagebuch. Dabei posierte er mit der Waffe, die er laut Ermittlern später bei dem Amoklauf benutzt haben soll, und veröffentlichte handgezeichnete Pläne des Supermarkts, der am Samstag zum Schauplatz des Anschlags wurde. Offen soll er angekündigt haben, den Supermarkt angreifen zu wollen. Seinen Amoklauf übertrug er live über die Videoplattform Twitch, die zum Amazon-Konzern gehört. Der Attentäter von Halle nutzte diese Plattform ebenfalls.

»Eine kleine Gruppe von Personen auf den Server eingeladen«

Discord bestätigte der »New York Times«, dass eine »eine kleine Gruppe von Personen auf den Server eingeladen« wurde und diesem beigetreten sei. Die Plattform Discord ist ursprünglich als Gaming-Plattform gestartet, konkurriert aber mittlerweile mit einer Nutzerschaft von über 300 Millionen registrierten Usern auch mit Videokonferenz-Programmen wie Zoom und wird teilweise auch in Schulen eingesetzt. (Lesen Sie hier mehr über die Plattform.)

Zuvor habe nur der 18-jährige Beschuldigte auf sein Discord-Forum zugreifen können, hieß es demnach von einer Unternehmenssprecherin. Kurz vor dem Angriff soll er versucht haben, Aufmerksamkeit auf sein Discord-Forum zu lenken, wie die Agentur Bloomberg berichtet. Demnach soll er auf der Plattform über mehrere Monate immer wieder rassistische und antisemitische Ausdrücke benutzt und sich wiederholt auf den Täter des rechtsextremistischen Anschlags von Christchurch bezogen haben. Rund 200-mal habe er das Wort »Waffe« in seinen Beiträgen benutzt, das Wort »schießen« 119-mal, berichtete die Agentur.

Der Mann war offenbar Anhänger des Verschwörungsmythos vom Bevölkerungsaustausch, der in rechtsextremistischen Kreisen weit verbreitet ist. Die Anhänger des sogenannten Replacement-Kults glauben im Kern, dass es eine gezielte Kampagne einer globalen Elite gebe, die darauf abziele, Weiße in den USA systematisch durch Einwanderer mit anderer Hautfarbe und anderen Religionen zu ersetzen. (Lesen Sie hier mehr über die Hintergründe.) Präsident Joe Biden hat das Massaker als »Terrorismus« verurteilt.

Die Tech-Plattformen stehen immer wieder in der Kritik, nicht genug gegen die Verbreitung von terroristischen Inhalten zu tun. Allerdings hatte Twitch den Livestream im aktuellen Fall bereits nach zwei Minuten gelöscht. Viele Tech-Unternehmen haben sich inzwischen in der Non-Profit-Organisation Global Internet Forum to Counter Terrorism (GIFCT) zusammengeschlossen, um schneller bei terroristischen Inhalten reagieren zu können, und im Vergleich zum Umgang mit früheren live im Netz übertragenen Anschlägen durchaus Fortschritte erzielt.

Allerdings konnte nach dem Anschlag von Buffalo dennoch nicht verhindert werden, dass sich ein rechtsextremistisches Pamphlet des Schützen und das Video nach der Tat im Netz verbreiteten. Laut einer Social-Media-Analyse der Firma Memetica wurde ein Link zu einem Google-Drive-Ordner mit dem Manifest über tausendmal auf Twitter verbreitet, wie Bloomberg berichtet. Eine andere Social-Media-Analyse zeigte, dass ein Facebook-Link zum Anschlagsvideo über 40.000-mal geteilt, kommentiert und gelikt wurde.

hpp/reuters