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Parteiische Kurznachrichtenplattform Der »Guardian« verlässt X, die SPD kehrt zurück

Die britische Zeitung »Guardian« schließt ihre X-Accounts. Die Plattform sei nach der Übernahme durch Elon Musk »toxisch«. Deutsche Politiker und Parteien wollen die Plattform im Wahlkampf dagegen nutzen.
Wahlkämpfer Elon Musk: Der Trump-Sieg ändert die Plattform

Wahlkämpfer Elon Musk: Der Trump-Sieg ändert die Plattform

Foto: Jabin Botsford / The Washington Post / Getty Images

Die renommierte britische Zeitung »Guardian« verlässt den Kurznachrichtendienst X, vormals Twitter. In einer Stellungnahme begründet die Redaktion den Schritt mit der Entwicklung der Plattform seit der Übernahme durch den Multimilliardär Elon Musk, rechte Verschwörungstheorien und Rassismus grassierten dort.

»Der US-Präsidentschaftswahlkampf hat nur noch mehr unterstrichen, was wir schon lange vermutet haben: X ist eine toxische Medienplattform und ihr Eigentümer, Elon Musk, hat ihren Einfluss genutzt, um den politischen Diskurs zu beeinflussen«, schreibt der »Guardian« in einer Erklärung . Mittlerweile überwögen bei der Nutzung der einst für Medien wichtigen Plattform die Nachteile. Jedermann könne weiterhin Links auf die Artikel des »Guardian« posten, stellt die Redaktion klar, ebenso könnten Reporter der Zeitung weiterhin auf X tätig sein. Die Zeitung baut derzeit ihre Berichterstattung in den USA aus.

Wichtig für den Wahlkampf

Seit der US-Wahl, bei der Elon Musk einen aggressiven Wahlkampf für Trump geführt hatte, wenden sich zum wiederholten Mal viele Nutzerinnen und Nutzer von der Plattform ab. Die alternative Kurznachrichtenplattform Bluesky etwa vermeldet seither eine Million neuer Accounts.

Doch für deutsche Politiker scheint die Plattform im Wahlkampf schwer verzichtbar zu sein. So ist der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck gleich nach dem finalen Koalitionskrach nach mehr als fünf Jahren zurückgekehrt. Nun folgt auch der Bundesvorstand der SPD, dessen Account bereits im Februar dieses Jahres stillgelegt worden war.

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Das Parteigremium begründet den Schritt damit, dass man Fehlinformationen entgegentreten wolle. »Denn nur, wer seine Stimme einbringt, kann sich auch Gehör verschaffen – wir freuen uns auf eine spannende Zeit«, heißt es in dem Posting. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte seine Nutzung der Plattform nie eingestellt.

Werbekunden kalkulieren neu

Auch in den USA gibt es neue Entwicklungen. Laut einem Bericht der »Financial Times«  erwägen Firmen, wieder Werbung bei der Plattform von Elon Musk zu schalten. Seit der Übernahme hatten immer mehr Großunternehmen wie Disney, IBM und Apple ihre Aktivitäten auf der Plattform reduziert oder eingestellt, da Musk etwa Angestellten kündigte, die für die Moderation und der Bekämpfung von Falschnachrichten zuständig waren. In der Folge sank der Wert des Unternehmens erheblich. Musk beschimpfte daraufhin die Werbekunden und verklagte sogar eine Branchenorganisation wegen eines angeblich illegalen Boykotts.

Da Musk nun jedoch der Regierung von Trump angehören soll und seinen Einfluss bereits spürbar macht, verändert sich laut dem Bericht der Financial Times das Kalkül zumindest einiger Werbekunden. Erste Markenkonzerne überlegten die Rückkehr auf die Plattform, um sich die Gunst der neuen Regierung zu sichern, berichten Insider der Werbebranche.

Obwohl Musk immer wieder neue Rekordzahlen bei der Nutzung gemeldet hatte, hatten die meisten Werbekunden die Plattform ignoriert. Laut einer Erhebung der Zeitung schalteten nur 7 von 200 Unternehmen, die X verlassen hatten, vor der US-Wahl neue Anzeigen. Musk hatte sich vor der Wahl optimistisch gezeigt, dass bei einem Trump-Sieg alle Werbekunden zurückkehren.

tmk