Versuche mit Schweinen Elon Musk präsentiert Gehirn-Computer-Schnittstelle

Ein Chip im Kopf soll Nervenschäden überbrücken und Gedanken zum Smartphone übertragen. Bislang ist das Gerät ein Prototyp für Schweine. Doch Elon Musk hofft auf einen baldigen Durchbruch - doch Experten sind skeptisch.
Musk bei Vorstellung des Gehirnchips

Musk bei Vorstellung des Gehirnchips

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Susan Walsh / dpa

Techmilliardär Elon Musk hat den Prototyp eines Geräts seiner Firma Neuralink präsentiert. Es soll Informationen zwischen Neuronen und einem Smartphone übermitteln. Die Einheit ist rund, hat einen Durchmesser von 23 Millimetern und ist 8 Millimeter dick. Sie soll im Schädel positioniert werden.

Musk und Neuralink sehen potenzielle Anwendungsbereiche für die Technologie beim Menschen zum Beispiel bei der Behandlung von Schmerzen, Sehstörungen, Hörverlust, Schlaflosigkeit oder Gehirnschäden sowie bei Rückenmarksverletzungen.

In der Zukunft wäre es denkbar, verletztes Nervengewebe mithilfe der Technologie zu überbrücken, etwa damit Menschen wieder laufen könnten, sagte Musk. Ihm zufolge hat die Firma gerade die behördliche Genehmigung für weitere Tests erhalten. Wann er seinen Chip Menschen einpflanzen will, sagte er nicht. Vergangenes Jahr sprach Musk noch von 2020.

Der Chip soll zunächst zur Behandlung neurologischer Erkrankungen eingesetzt werden oder bei Rückenmarksverletzungen die Beweglichkeit wiederherstellen.

Experten sind skeptisch

Langfristig stellt sich Musk aber vor, dass sein Gerät jedem, der es möchte, in einem einfachen Eingriff in den Schädel implantiert werden kann. Dann könnten die Menschen miteinander Gedanken teilen, ohne sie aussprechen zu müssen - "Telepathie", wie Musk sagte - und noch mehr: "Ihr werdet eure Erinnerungen speichern und sie möglicherweise auch in einen anderen Körper oder einen Roboter herunterladen können", sagte er. "Die Zukunft wird seltsam sein."

Musk, der unter anderem den Elektroautobauer Tesla und das Raumfahrtunternehmen SpaceX gegründet hat, sieht gleichzeitig eine große Gefahr in der technologischen Entwicklung: Ähnlich wie in der Serie "Black Mirror" könnte die Menschheit von künstlicher Intelligenz beherrscht und zu deren "Hauskatze" werden, behauptete er. Die Neuralink-Technologie solle hingegen eine "Symbiose" mit künstlicher Intelligenz ermöglichen.

Forscher sind allerdings skeptisch, was Musks Versprechungen angeht. Hirn-Computer-Schnittstellen seien schon oft gebaut worden. Es sei schwer zu sagen, wie erfolgreich das Neuralink-Projekt sein werde, sagte Christopher James, Professor für Biomedizintechnik an der britischen Universität Warwick. Zwar habe sich die Technologie zum Lesen neurologischer Signale verbessert - das Senden von Befehlen und das Verarbeiten vieler verschiedener Informationen gleichzeitig sei aber sehr komplex.

Batterie hält etwa einen Tag

Der aktuelle Neuralink-Prototyp ist unter anderem mit Temperatur-, Druck- und Bewegungssensoren ausgestattet. "Das Gerät könnte also die Gesundheit überwachen und zum Beispiel bei Gefahr von Herzinfarkt oder Schlaganfall warnen", sagte Musk. Der Mini-Computer im Kopf soll per Bluetooth-Funk mit einer App auf dem Smartphone kommunizieren. Die Batterie hält etwa einen Tag - aufgeladen wird drahtlos.

Neuralink implantiert die Geräte bereits bei Schweinen. Musk zeigte im Firmenhauptquartier im kalifornischen Fremont eines der Tiere, bei dem Impulse vom Rüssel übermittelt wurden. Jedes Mal, wenn das Schwein damit etwas berührte, waren auf einem Bildschirm elektrische Signale zu sehen. Bei einem Schwein auf dem Laufband konnte mit Informationen aus dem Gerät per Software ziemlich genau vorhergesagt werden, wann welches Gelenk aktiviert wird.

Versuchsschwein und Signale aus seinem Gehirn

Versuchsschwein und Signale aus seinem Gehirn

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Zur Implantation in das Gehirn entwickelte Neuralink einen Roboter. Die Maschine verbindet die feinen Leitungen des Mini-Computers mit dem menschlichen Gewebe. Außer einer kleinen Narbe unter den Haaren blieben keine Spuren, sagte Musk.

Die ersten Neuralink-Geräte werden laut Musk noch sehr teuer sein. Er gehe aber davon aus, mit der Zeit die Kosten inklusive Operation auf einige Tausend Dollar senken zu können. Wann es so weit sein soll, sagte Musk nicht. Neuralink hat aktuell rund hundert Mitarbeiter.

hda/dpa/AFP
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