Zensurvorwürfe Elon Musk veröffentlicht interne Twitter-Mails

Im US-Wahlkampf 2020 blockierte Twitter vorübergehend eine Enthüllungsgeschichte über Joe Bidens Sohn. Den Vorwurf der politischen Zensur will der neue Chef Elon Musk mit internen Mails belegen – doch er zeigt wenig Neues.
Twitter-Chef Elon Musk: »Das wird großartig«

Twitter-Chef Elon Musk: »Das wird großartig«

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Samuel Corum / AFP

Elon Musk hatte große Hoffnungen darauf gesetzt – die »Twitter Files«, die der neue Chef des sozialen Netzwerks seit Tagen ankündigte, sollten endlich beweisen, was Musk schon lange ahnte: politisch motivierte Zensur? Bei Twitter ganz alltäglich. »Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, was wirklich passiert ist«, schrieb Musk schon vor Tagen und kündigte einen Bericht zur Unterdrückung freier Meinungsäußerung an: »Das wird großartig.«

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In der Nacht auf Samstag wurden die sogenannten Twitter Files schließlich veröffentlicht. Nicht Musk selbst, sondern der freie Journalist Matt Taibbi stellte die wichtigsten Erkenntnisse in einem langen Twitter-Thread vor, komplett mit Screenshots aus internen Mails, Nachrichten von Politikern und Kommentaren des früheren Moderationsteams.

Musk ließ allerdings wenig Zweifel daran, dass er selbst der Urheber des Leaks war. Was all diese Unterlagen zeigen sollen, ist für den Milliardär eindeutig: Twitter habe »auf Anordnung der Regierung die Meinungsfreiheit unterdrückt«. Eine Praxis, die erst mit ihm – Musk – zu Ende gehen soll.

Nur: Stimmt das auch?

Der Skandal-Laptop

Bei den veröffentlichten Dokumenten geht es konkret um einen Vorfall im Oktober 2020. Mitten in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs brachte das konservative Boulevardblatt »New York Post« damals eine Titelstory über Joe Bidens Sohn Hunter und dessen umstrittene Geschäftsbeziehungen in die Ukraine. Hauptquelle war offenbar ein Laptop, den Hunter Biden bei der Reparatur vergessen hatte und der es später über Umwege zur »New York Post« schaffte.

Viele Medien zweifelten daraufhin an der Geschichte vom wundersamen Laptop, vermuteten irrtümlich gar eine russische Desinformationskampagne. Und auch bei Twitter gingen die Alarmglocken an: Was könnte eine möglicherweise erfundene Geschichte über Bidens Verwandtschaft kurz vor der Wahl anrichten? Das soziale Netzwerk sperrte schließlich die Verbreitung des Artikels komplett – eine schon damals kontroverse Entscheidung, für die sich Twitter-Chef Jack Dorsey wenig später öffentlich entschuldigte.

Die Mails verraten wenig Neues

Die E-Mails, die mit Musks Zutun nun öffentlich wurden, stammen aus dieser Zeit. Sie zeigen Manager, die offensichtlich mit der Entscheidung des eigenen Moderationsteams hadern – und die daran zweifeln, ob es richtig war, einen Medienbericht sogar in Privatnachrichten zwischen Nutzern und Nutzerinnen zu unterbinden. Was die Mails nicht zeigen: Meinungsfreiheit, die »auf Anordnung der Regierung« unterdrückt wurde, wie Musk angekündigt hatte.

Zwar gibt es unter der Fülle an Dokumenten offenbar auch Beschwerden und Bitten aus der Demokratischen Partei. »Noch mehr zum Überprüfen, vom Biden-Team«, schreibt ein Manager an einer Stelle, die Mail enthält eine Linkliste zu einzelnen Tweets. Sein Kollege antwortet: »Erledigt«.

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Die Enthüllung hat jedoch Schönheitsfehler: Erstens war das »Team Biden« zum Zeitpunkt der Mails nicht in der Regierung, sondern in der Opposition. Zweitens erhielt und bearbeitete das Twitter-Moderationsteam laut den Dokumenten auch Anfragen von Donald Trumps Umfeld. Zudem enthielten die angesprochenen Links offenbar keine politisch brisanten Inhalte, sondern illegal hochgeladene Nacktfotos, die ebenfalls dem Hunter-Biden-Laptop entstammten.

Selbst Journalist Taibbi, dem Musk die Dokumente augenscheinlich anvertraute, schreibt: »Es gibt keine Beweise – die ich gesehen habe – für eine Verwicklung der Regierung in die Laptop-Geschichte.« Den Twitter-Chef hielt das nicht davon ab, das Gegenteil zu behaupten. Seinen Fans versprach er außerdem eine Fortsetzung: »Schaltet morgen ein für Episode 2 von den Twitter Files!«

rai

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