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3-D-Computer So wird Ihr Rechner zur Raum-Station

3-D-Effekte kann man jetzt auch zu Hause erleben: Spezielle Monitore, Beamer und Brillen sollen dem Computer eine neue Dimension verleihen, Games einen neuen Kick bekommen. Aber lohnt es sich, das Arbeitszimmer zur Spielhölle auszubauen - und braucht man wirklich diese Brillen? SPIEGEL ONLINE hat es getestet.

Zugegeben - was 3D angeht, bin ich ein Skeptiker. Mir im Dunkel eines Kinosaals eine Polarisationsbrille aufzusetzen, finde ich in Ordnung. Das macht Spaß und lässt Filme wie "Ice Age 3" und "Avatar" trotz dürftiger Handlungsstränge zu aufregenden Achterbahnfahrten werden.

Aber ob ich mir zu Hause auch so eine Brille aufsetzen würde?

Ein Selbstversuch soll das klären. Ich hole mir einen 3-D-Monitor, einen 3-D-Beamer und eine passende 3-D-Brille ins Arbeitszimmer.

Grafik: So funktionieren 3-D-Projektionen

Grafik: So funktionieren 3-D-Projektionen

Ins Arbeits- und nicht ins Wohnzimmer, weil die 3-D-Technik für Fernseher zwar schon in den Startlöchern steht, passende Filme auf Blu-ray oder gar Fernsehsendungen vorläufig aber noch Zukunftsmusik sind. 3-D-Spiele dagegen gibt es zu Hunderten.

Ob Klassiker wie Microsofts Flight Simulator X oder relativ aktuelle Games wie das Batman-Spiel Arkham Asylum: Viele Spiele sind ohne Update oder Neuinstallation auch in 3D spielbar. Möglich macht's die Technik "3D Vision" von Grafikkartenhersteller nVidia. Anders als im Kino, wo man simple Polarisationsbrillen benutzt, um den räumlichen Effekt zu erzeugen (siehe Grafik), basiert nVidias Technik auf einem fein abgestimmten Zusammenspiel von Software, Monitor oder Beamer, Grafikkarte und 3-D-Shutterbrille.

Gerade Letztere ist ein Stück Hightech, kann sie ihre Brillengläser doch auf elektronischem Wege verdunkeln - und das gleich 60-mal pro Sekunde und Brillenglas. Wie das funktioniert, erklärt die Fotostrecke:

Fotostrecke

nVidia 3D Vision: So funktioniert die 3-D-Brille

Foto: Matthias Kremp

Eine solche 3-D-Brille kostet im Online-Handel rund 130 Euro. Eine kompatible Grafikkarte dürften viele Gamer schon in ihrem Rechner stecken haben. In meinem Test muss eine schon etwas betagte Grafikkarte vom Typ GeForce 8800 GTS die Pixelschieberei erledigen. Eine Aufgabe, die sie mit Bravour erledigt, obwohl sie in nVidias Rangfolge kompatibler Karten  nur den vorletzten Platz belegt.

Um die 3-D-Bilder betrachten zu können, probiere ich sowohl einen 3-D-Monitor als auch einen entsprechenden Beamer aus. Dabei zeigt sich der gewählte Acer-Monitor GD245HQ als williger Spielpartner. Mit 23,6-Zoll-Diagonale, DVI- VGA- und HDMI-Anschluss sowie der Full-HD-Auflösung 1920 x 1080 ist er nebenbei auch prächtig fürs kleine Heimkino geeignet. Dabei spielt vor allem seine hohe Bildwiederholfrequenz von 120 Hertz eine Rolle: Sie wird gebraucht, um aus je 60 Bildern pro Sekunde für das linke und rechte Auge ruckelfreie räumliche Bilder zu erzeugen.

Als Beamer kommt Acers H5360 zum Einsatz. Mit einem Listenpreis von 599 Euro und der HD-Ready-Auflösung 720p (1280 x 720 Pixel) bietet er sich fürs günstige Heimkino an, kann im Zusammenspiel mit einem PC aber auch als 3-D-Projektor für PC-Spiele genutzt werden. Mit theoretisch bis zu 7,62 Metern Bilddiagonale verspricht das imposante Erlebnisse. In meiner eher bescheidenen Hütte muss ich mich freilich auf kleinere Diagonalen beschränken.

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Raumeffekte für PC und Heimkino: 3-D-Bildschirm und -Beamer

Foto: Matthias Kremp

Beeindruckend ist das, was sich dann auf Leinwand beziehungsweise Bildschirm abspielt, trotzdem. Sowohl Projektor als auch Bildschirm brauchen nur wenige Minuten, um mich von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Anders als bei früheren 3-D-Experimenten etwa mit den berühmten Rot-Blau-Brillen strahlen Filme und Spiele knackscharf und mit kräftigen Farben durch das elektronisch geregelte Brillenglas.

Der Effekt ist wirklich überzeugend und wirkt nur selten aufgesetzt. 3-D-Spiele haben die nötige Räumlichkeit ja per definitionem schon eingebaut - sie wurden bisher eben nur auf 2-D-Monitoren dargestellt.

Im direkten Vergleich muss sich der Beamer dem Bildschirm allerdings knapp geschlagen geben. Was einen einfachen Grund hat: Jedes Mal, wenn der 3-D-Modus aktiviert wird, wird das durch die Brille betrachtete Bild ein wenig dunkler, weil das Brillenglas 60-mal pro Sekunde opak geschaltet wird. Beim Testen habe ich dabei jedes Mal den Eindruck, die Welt würde sich verdunkeln.

Am Monitor ist das kein Problem - der strahlt hell genug, um die Verdunklung zu kompensieren. In Kombination mit dem Acer-Beamer jedoch sollte man schon darauf achten, dass nicht all zu viel Licht aus der Umgebung auf die Projektionsfläche fällt. Vorhänge zu, Jalousien runter, Rollos abrollen.

Etwas störrisch gibt sich das System nur bei der Installation der notwendigen 3-D-Treibersoftware. Allerdings wegen eines typischen Bedienerfehlers - statt wie in der Kurzanleitung geraten zuerst den alten Treiber der Grafikkarte zu entfernen, habe ich gleich den neuen 3-D-Treiber darüber gebügelt. Das ist ebenso forsch wie falsch, denn von 3D ist danach nichts zu sehen. Erst nachdem ich alle Treiberprogramme mit der Windows-Systemsteuerung entfernt, den Rechner ein paar Mal neu gestartet und schließlich die Software korrekt installiert habe, funktioniert alles problemlos und automatisch.

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Das ist 3D: So sehen 3-D-Spiele und -Filme am PC aus

Foto: Matthias Kremp

Schade nur, dass es neben den vielen Spielen - nVidia listet mehr als 400 Games als 3-D-kompatibel auf  - kaum Filme oder Fotos gibt, die sich räumlich anzuschauen lohnen würden. Da hilft vorläufig nur warten.

Oder man macht die Bilder selber. Die Fujifilm-Digitalkamera FinePix Real 3D W1 ist mit zwei Objektiven ausgestattet, schießt Bilder, die sich mit der 3-D-Vision-Technik am PC räumlich betrachten lassen - kostet aber auch 450 Euro.

Die Ausrüstung, um überhaupt am PC in 3D spielen zu können, ist dagegen billiger zu haben. Für einen Monitor wie den getesteten Acer GD245HQ zahlt man rund 350 Euro. Angesichts seiner Ausstattung ist das ein Aufpreis von 100 bis 150 Euro gegenüber vergleichbaren Displays, die nur 2D können. Und es gibt günstigere Alternativen, zum Beispiel den SyncMaster 2233RZ von Samsung. Er kostet nur rund 260 Euro - hat aber beispielsweise keine Full-HD-Auflösung. Dasselbe gilt für den getesteten Acer Beamer H5360, der mit 599 Euro kaum teurer ist als sein Vorgänger, den ich vor eineinhalb Jahren getestet habe.

Den Gesamtaufpreis für die getestete Kombination aus 3-D-Display oder Beamer und 3-D-Brille kann man also mit maximal 300 Euro beziffern. Schnäppchenjäger kommen billiger davon, wenn sie bei Online-Versendern nach Bündelangeboten suchen. Ein Komplettpaket aus Samsung-Display und nVidia-Brille zum Beispiel kann man bei Alternate  derzeit für 379 Euro bestellen.

Diese Preise liegen nicht nur deutlich niedriger als für die ersten 3-D-Fernseher - sondern vor allem auch in einem Bereich, den Gamer für ihre Ausstattung sowieso üblicherweise zu zahlen bereit sind. Zumal wenn sie damit ihre Lieblingsspiele weiterspielen können.

Kurz: Bis die 3-D-Revolution im Wohnzimmer in die Gänge kommt, mag es noch eine Weile dauern. Im PC-Spielzimmer kann sie sofort beginnen.