3D ohne Brille Der Kampf ums Holodeck hat begonnen

Was eben noch Science-Fiction war, könnte schon bald Realität werden. Gerade erst hat sich Apple eine Technik für 3D ohne Brille patentieren lassen, da will Toshiba schon entsprechende Geräte auf den Markt bringen. Doch das ist nur der Anfang: Schon bald sollen die Hologramm-Handys kommen.

USPTO

Von


Manchmal dauert es ganz schön lange, bis ein Patent endlich anerkannt wird. Mehr als vier Jahre musste Apple warten, bis der Patentantrag mit der Nummer 7.843.449, gerade noch rechtzeitig zur Adventszeit, am 30. November endlich vom US-Patentamt durchgewunken wurde. Das mag auch an der Komplexität des Antrags liegen. Nichts anderes als eine Technik, die räumliche Bilder und sogar Hologramme im Auge des Betrachters erzeugen kann, ohne dass der dafür eine Spezialbrille aufsetzen muss, hat sich das Unternehmen da patentieren lassen.

Damit hat sich der US-Konzern kurz vor dem Jahresende noch einmal Schlagzeilen gesichert, beispielsweise im britischen " Telegraph", der das Patent ausführlich beschreibt. Demnach ist das Herausragende an Apples Patent nicht etwa die Tatsache, dass die skizzierte Technik ohne 3-D-Brille funktionieren soll, sondern, dass das Display genau beobachtet, wie sich der Betrachter im Raum bewegt.

Durch diese Ergänzung könnte Apples 3-D-System nicht nur räumlich wirkende Fotos anzeigen und 3-D-Filme wie "Avatar" zeigen. Zusätzlich könnte ein solches 3-D-Display sogenannte Hologramme darstellen, räumlich wirkende Repräsentationen von Objekten also, um die man als Zuschauer quasi herumgehen kann. Indem das System die Bewegungen des Betrachters verfolgt, würde es ihm aus jedem Blickwinkel das passende 3-D-Bild projizieren, so dass ein Hologrammeffekt entsteht.

Sind 3-D-Brillen nur eine Zwischenlösung?

Damit unterscheidet sich das von Apple patentierte System deutlich von den bisher genutzten 3-D-Technologien. Am weitesten verbreitet ist derzeit die in Kinosälen verwendete Technik. Dabei werden die Bilder für das linke und rechte Auge unterschiedlich polarisiert auf die Leinwand projiziert, das heißt, dass die Lichtwellen in unterschiedliche Richtungen schwingen. Einfache Polarisationbrillen sorgen dann dafür, dass dem Auge nur die für links und rechts benötigten Teilbilder sichtbar werden. Erst im Gehirn wird daraus ein räumliches Bild.

3-D-Fernseher für zu Hause bedienen sich dagegen einer anderen Technik, bei der Spezialbrillen synchron zum TV-Bild abwechselnd das linke und rechte Auge abdecken. Diese Variante hat gleich mehrere Nachteile. So sind die Brillen wegen der integrierten Elektronik relativ groß und schwer, benötigen regelmäßig neue Batterien oder müssen aufgeladen werden und sind zudem teuer. Rund 100 Euro werden pro Brille fällig. Wer also mit der ganzen Familie oder gemeinsam mit Freunden 3D gucken will, muss noch mal das Portemonnaie zücken.

Zu klein und zu teuer

Kein Wunder also, dass so ziemlich jeder Unterhaltungs- oder Computerelektronikkonzern an alternativen 3-D-Techniken arbeitet, bei denen man auf die nervige und teure Brille verzichten kann. Der Philips-Konzern etwa zeigt schon seit einigen Jahren immer wieder Prototypen solcher brillenloser 3-D-TVs auf Messen. Und so kann man davon ausgehen, dass Philips auch auf der weltweit größten Messe für Unterhaltungselektronik, der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas, die in der ersten Januarwoche beginnt, wieder ein solches Gerät vorführen wird. Ein Serienprodukt ist daraus bisher nicht geworden.

Das will nun Toshiba ändern und hat angekündigt, auf der CES das erste großformatige, brillenlose 3-D-TV vorzustellen. Dass der Konzern es mit seiner sogenannten autostereoskopischen 3-D-Technik ernst meint, hat er bereits auf der Ceatec-Messe in Japan klargestellt, als er derartige 3-D-Fernseher vorstellte. Mit Bilddiagonalen von 12 und 20 Zoll sind die allerdings noch viel zu klein und mit Preisen von 1400 und 2800 Dollar viel zu teuer für den Massenmarkt.

40 Zoll, mindestens

Doch das soll sich 2011 ändern, verspricht Masaaki Oosumi, der Chef von Toshibas Digital-Media-Sparte. Mindestens 40 Zoll Diagonale seien nach seiner Ansicht nötig, um Toshibas autostereoskopische Fernseher international an den Mann bringen zu können. Vor allem in den USA können TV-Geräte kaum groß genug sein. Darüber, was ein solches Gerät dann kosten wird, hat Oosumi allerdings noch kein Wort verloren, vielleicht aus gutem Grund. Vor allem aber bleibt abzuwarten, ob Toshibas 3-D-Technik den modernen Ansprüchen an Bildqualität, Farbintensität und Schärfe gerecht werden kann.

Wohl auch deshalb begnügen sich andere Unternehmen derzeit damit, brillenloses 3D lieber in kleinen Formaten voranzutreiben. Die 3-D-Mobilkonsole Nintendo 3DS war offenbar nur der bescheidene Anfang. Längst arbeiten auch Intel und Nokia gemeinsam an 3-D-Bildschirmen für Mobiltelefone. Dass die ohne Brille funktionieren müssen, ist naheliegend. Wer will sich schon erst ein Nasenfahrrad aufsetzen, nur um sehen zu können, wer da gerade anruft.

Dass diese Entwicklungen von Erfolg gekrönt sein werden, da sind sich die Forscher von IBM absolut sicher. Eines der Ergebnisse einer Umfrage unter 3000 Forschern und Entwicklern des Computerkonzerns ist, dass Smartphones schon in wenigen Jahren echte Hologramme werden projizieren können. Das Ergebnis davon dürfte ähnlich aussehen wie jenes Hologramm von Prinzessin Leia, das der kleine Roboter R2D2 im ersten Film der "Star Wars"-Reihe (Teil IV) dem Jedi Obi Wan Kenobi zeigte.

So schnell kann aus Science-Fiction Realität werden - wenn nichts dazwischenkommt.



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Seska Larafey 27.12.2010
1. meine idee
Warum macht man sich die Mühe ein 3D Bild auf dem Fernseher zu werfen, oder Projektion Leinwand, wenn man es sowiso nur mit einer 3D Brille sehen kann? Warum, nicht die 3D Brille als ne Art "Fenster" arbeiten lassen? Beispiel: 3D Fernseher geht in 3D Modus. Sichtbar mit ne Meldung "3D Modus aktiv. Bitte nutzen Sie die Brille!" Benutzer setzt die 3D Briller auf, und schaut aber zum Fernseher. Und Voila, durch die Brille sieht er das Bild. Vorgehensweise: Ein bisschen Sensorbar ala Wii (Abstand) in der Brille Mikro-sensoren ala Wii Motion Plus (oder noch feiner, und schneller) So hat man Z und x und Y Achse der Brille. Und dann noch ein Sender der die Bilder aufs Rechte und Linke Augenglas projektiert.. Ich weiss hört sich SiFi an. Aber ist das nicht einer bessere Ausbeute als ein 3D Fernseher laufen zu lassen, wo der 3D Brillenträger nur ein vernünftiges Bild sieht?
norbertdocht 27.12.2010
2. Holodeck gerne...
aber wer zum Teufel braucht 3D Fernseher? Is ja mal ganz nett sich 1, 2 mal so nen Film im Kino anzusehen. Aber wer aufpasst merkt ganz schnell: Wenn man nicht darauf achtet fällt es einem sowieso nicht auf. Das liegt ganz einfach daran, dass unser Gehirn aus den herkömmlichen 2D Fernsehbildern schon 3D Bilder macht. Wir sehen die FIlme schon immer in 3D! Also lasst euch nicht von der Industrie vormachen ihr müsst schon wieder einen neuen Ferni kaufen! Wartet aufs Holodeck!
Seska Larafey 27.12.2010
3. nachtrag
Ich finde Edit nirgendwo. oder wer 3D sehen will und Brille nutzt, können andere die 2D sehen wollen, einfach das 2D Bild auf dem Fernseher betrachten. Und je nach Rechner Power. können Sich mehre Leute eine 3D Brille aufsetzten. Ist doch ein leichtes dann, für jede 3D Brille (mit passenden Position Daten) ein 3D Effekt zu erzeugen. wenn man das linke und rechte Bild einfach auf die Brillengläser produziert. So stört auch nicht, wenn jemand vor einen steht.
tetaro 27.12.2010
4. ..
Zitat von sysopWas eben noch Science Fiction war, könnte schon bald Realität werden. Gerade erst hat sich Apple eine Technik für 3D ohne Brille patentieren lassen, da will Toshiba schon*entsprechende Geräte auf den Markt bringen. Doch das ist*nur der Anfang: Schon bald sollen die Hologramm-Handys kommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,736643,00.html
Jetzt schon? Es hat doch noch gar nicht jeder ein TV MIT Brille gekauft? Eigentlich war ich von einem besseren Timing ausgegangen.
Katzenfreund, 27.12.2010
5. Ich
Zitat von norbertdochtaber wer zum Teufel braucht 3D Fernseher? Is ja mal ganz nett sich 1, 2 mal so nen Film im Kino anzusehen. Aber wer aufpasst merkt ganz schnell: Wenn man nicht darauf achtet fällt es einem sowieso nicht auf. Das liegt ganz einfach daran, dass unser Gehirn aus den herkömmlichen 2D Fernsehbildern schon 3D Bilder macht. Wir sehen die FIlme schon immer in 3D! Also lasst euch nicht von der Industrie vormachen ihr müsst schon wieder einen neuen Ferni kaufen! Wartet aufs Holodeck!
Ich wollte so ein 3-D Fernseher und bin zufieden damit. Und ich werde mir in 3-5 Jahren so ein Teil zulegen solltes es bis dahin so ein Teil geben. Da es im Augenblick noch wenig Inhalte gibt habe ich mir eine 3-D Kamera gekauft und drehe meine Filme selbst. Und alle die das bisher gesehen haben waren total begeistert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.