Abschaltung alter Mobilfunknetze In sechs Monaten ist Schluss mit 3G

Manche nutzen bis heute die 20 Jahre alten 3G-Netze für das mobile Internet. Telekom und Vodafone schalten diese Ende Juni ab, Telefónica etwas später. Was bedeutet das für Handynutzer?
Mobilfunkmast in der Nähe von Sternenfels: Bald sind die 3G-Netze Geschichte

Mobilfunkmast in der Nähe von Sternenfels: Bald sind die 3G-Netze Geschichte

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Sie nutzen für den Internetzugang auf dem Smartphone immer noch regelmäßig das 3G-Mobilfunknetz? Dann gehören Sie mittlerweile zu einer Minderheit der Handynutzer. Denn immer weniger Menschen nutzen die in die Jahre gekommenen 3G-Mobilfunknetze, zeigen aktuelle Zahlen.

Vodafone teilte am Dienstag mit, dass 3G in seinem Netz nur noch 2,5 Prozent des mobilen Datenverkehrs ausmacht. Im Mai lag der Wert noch bei fünf Prozent. Der Anteil der Kunden, die das Netz noch nutzen und keinen Zugriff auf 4G haben, sank im selben Zeitraum von drei auf zwei Prozent.

Die Telekom macht zum 3G-Anteil keine Angaben, der Trend ist aber vergleichbar. »Der veraltete 3G-Standard wird nur noch von einem sehr kleinen Anteil unserer Kunden genutzt«, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

Beide Mobilfunkanbieter wollen ihre 3G-Netze zum 30. Juni abschalten, Telefónica plant diesen Schritt bis zum Jahresende 2021. Das frei werdende Frequenzspektrum wird für 4G/LTE oder 5G genutzt.

Viel Geld und hohe Erwartungen

3G, auch als UMTS bekannt, war gewissermaßen der Auftakt für den Mobilfunk als Massenmarkt. Mit der einst hochmodernen Technologie waren große Hoffnungen verbunden: Im Jahr 2000 verpflichteten sich sechs Firmen bei einer staatlichen Lizenz-Auktion zur Zahlung von knapp 100 Milliarden D-Mark, also gut 50 Milliarden Euro.

Doch die Hoffnung auf hochprofitable Geschäfte mit Internet auf dem Handy erwies sich als Luftschloss, die Zahlungsverpflichtungen waren zu hoch. Zwei Firmen kamen beim Ausbau nicht voran und mussten ihre Lizenzen zurückgeben. Es blieben vier Netzbetreiber, deren Namen sich mittlerweile geändert haben: T-Mobile wurde zu Telekom Deutschland, Mannesmann zu Vodafone, und aus Viag Interkom und E-Plus leitete sich das heutige O2-Netz ab.

Bis heute sind die umgerechnet gut 50 Milliarden Euro mit großem Abstand der Rekord bei einer Mobilfunk-Auktion in Deutschland. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 legten vier Firmen für den ebenfalls mit großen Hoffnungen verbundenen Übertragungsstandard 5G rund 6,5 Milliarden Euro auf den Tisch.

Die Zeit von 3G ist vorbei

Der Stand der Dinge im Mobilfunkmarkt lässt sich 2020 vereinfacht gesagt so darstellen: Die Zukunft heißt 5G, die Gegenwart 4G und 2021 wird 3G endgültig zur Vergangenheit. Ende Juni werde 3G »in den wohlverdienten Ruhestand« gehen, heißt es von Vodafone. »Tschüss, altes 3G-Netz, und vielen Dank für alles!«

Der Chef von Telefónica Deutschland, Markus Haas, sagt: »3G war wichtig für den Durchbruch der mobilen Datenkommunikation in Deutschland. Aber nach 20 Jahren sind die Tage dieser Technologie gezählt.« Alle drei Netzbetreiber betonen, dass 4G und 5G viel mehr für die Kunden bieten und dass der Stromverbrauch pro Byte deutlich geringer ist.

Im Verhältnis betrachtet dürfte die Zahl der Kunden, für die die 3G-Abschaltung ärgerlich ist, gering sein. Denn die allermeisten Verträge am Markt haben längst 4G/LTE-Empfang inklusive – halbwegs moderne Handys mit entsprechenden Verträgen verbinden sich ohnehin schon mit dem schnelleren Netz.

Problematisch wird es vor allem, wenn alte Handys gar nicht 4G-kompatibel sind und trotzdem bis heute genutzt werden: In diese Kategorie fallen tendenziell Geräte, die bis circa 2011 auf den Markt kamen. Diese Handys dienen in den meisten Fällen aber wohl nur als Ersatzhandy, häufig mit Prepaid-Karte.

Was die Abschaltung praktisch bedeutet

Wer so ein altes Telefon für einen Notfall-Anruf im Auto oder in der Schublade liegen hat, für den wird es auch nicht gänzlich unbrauchbar: Die Handys sind weiterhin fürs Telefonieren und für SMS nutzbar, dies dann über das nach der 3G-Abschaltung weiterhin verfügbare Telefonie-Netz 2G (auch GSM oder Edge genannt). Der Zugriff aufs mobile Internet über 3G entfällt jedoch.

Sehr langsames Mobilinternet gibt es zwar theoretisch auch über das 2G-Netz, heißt es auf einer Infoseite der Telekom . Das Unternehmen stellt dazu aber auch klar , dass sich so nur noch Datendienste und Apps nutzen lassen, »welche sehr geringe Ansprüche an die Geschwindigkeit der Datenübertragung haben«. »Der Versand reiner Textnachrichten ist noch möglich«, heißt es, »nicht jedoch zum Beispiel der problemlose Empfang oder der Versand von vielen Bildern oder Videos.« Ob das eigene Gerät 4G/LTE- und damit zukunftsfähig ist, können Telekom-Kunden mit der hier verlinkten Anleitung prüfen .

Telefónica schreibt auf seiner Website, das Unternehmen werde Kunden, deren mobile Datennutzung auf das 3G-Netz begrenzt sei, proaktiv informieren: »O2 wird seinen Kunden einen kostenlosen SIM-Karten-Tausch sowie bei Bedarf Hardware-Optionen anbieten.«

Vodafone hat hier eine Übersicht von Fragen und Antworten zum Thema 3G-Abschaltung  ins Netz gestellt. Darin heißt es zur Frage, was passiert, wenn man ein Handy ohne 4G/LTE-Fähigkeit weiternutzen will: »Ihr Mobiltelefon wird dann ab Juli 2021 nur noch auf das 2G-Netz zugreifen. Telefonieren, Simsen sowie Surfen im WLAN funktionieren weiterhin wie gewohnt. Wenn Ihr Gerät nicht 4G-fähig ist, können Sie aber das mobile Internet in Ihrem Mobilfunknetz nicht mehr nutzen.«

mbö/dpa
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