Neue Mobilfunknetze Was Sie jetzt über 5G wissen müssen

Die Versteigerung der 5G-Frequenzen ist mit einem unerwartet hohen Ergebnis zu Ende gegangen. Wer zählt jetzt zu den Gewinnern, wann sind die neuen Mobilfunknetze fertig und wie gefährlich sind sie für die Gesundheit?

In Deutschland gibt es 5G bisher nur in Form von Schriftzügen und Pilotprojekten.
EMILIO NARANJO/EPA-EFE/REX

In Deutschland gibt es 5G bisher nur in Form von Schriftzügen und Pilotprojekten.

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Welches Ergebnis hat die Frequenzversteigerung gebracht?

Die Deutsche Telekom hat rund 2,17 Milliarden Euro für 13 der 41 versteigerten Frequenzblöcke ausgegeben. Vodafone zahlt 1,88 Milliarden Euro für zwölf Blöcke und Telefónica 1,42 Milliarden Euro für neun Blöcke. 1&1 Drillisch hat sieben Blöcke für insgesamt 1,07 Milliarden Euro ersteigert. Die Tochterfirma von United Internet hat bisher kein eigenes Netz.

Versteigert wurden Blöcke im 2-Gigahertz- und im 3,6-Gigahertz-Frequenzbereich. Die 2-Gigahertz-Blöcke waren deutlich teurer, da man in diesem Frequenzbereich höhere Reichweiten erzielen kann. Diese Blöcke sind allerdings erst ab 2021 oder sogar erst ab 2026 nutzbar.

Gibt es Sieger und Verlierer?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) darf sich als Gewinner fühlen. Mit rund 6,55 Milliarden Euro bekommt er deutlich mehr Geld aus den Auktionserlösen als ursprünglich erhofft. Das Geld soll in ein Sondervermögen des Bundes namens "Digitale Infrastruktur" fließen. Mit 70 Prozent dieses Vermögens soll der Festnetzbreitbandausbau gefördert werden, mit dem Rest sollen Deutschlands Schulen technisch modernisiert werden.

Verbraucherschützer sehen auch die Endkunden auf der Gewinnerseite, weil sich der Wettbewerb durch den Markteintritt von 1&1 verschärfen werde, was zu niedrigeren Preisen führe.

Die Provider hingegen sehen - ohne es direkt zu sagen - die Verbraucher als Verlierer. Denn das viele Geld, das sie für die Frequenzen ausgegeben haben, fehle nun beim Netzausbau. Die Folge: Privatnutzer müssen entsprechend länger auf 5G warten. Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter sprach sogar von einem "Desaster für Deutschland".

Die Mobilfunkanbieter selbst werden trotzdem erst einmal als Gewinner gefeiert - von ihren Anteilseignern: Die Aktien von 1&1 Drillisch schnellten zeitweise mehr als 16 Prozent nach oben und waren damit mit Abstand Spitzenreiter im MDax. Die Titel der Muttergesellschaft United Internet schafften ein Plus von bis zu 9,2 Prozent. Die Papiere von Telefónica Deutschland legten bis zu 4,2 Prozent zu, die Aktien der Deutschen Telekom knapp ein Prozent, die Vodafone-Titel 1,3 Prozent.

Wie lange dauert es jetzt noch, bis ich ein 5G-Netz nutzen kann?

Das hängt davon ab, ob Sie ein Endverbraucher oder ein Unternehmer sind. "Wir wollen bis Ende 2021 bis zu 20 Millionen Menschen in Deutschland mit 5G erreichen", sagt Ametsreiter.

Das klingt spät angesichts der Tatsache, dass 5G unter anderem in Südkorea und in mehreren Städten in Großbritannien und in den USA bereits verfügbar ist und vor allem für die deutsche Industrie wichtig wird. Doch große Unternehmen, die auf die geringe Latenz und die hohe Datenrate von 5G angewiesen sind, bauen sich eigene Netze auf ihren Werksgeländen. Die dafür nötigen Frequenzen verschenkt die Bundesnetzagentur. Dagegen sowie gegen weitere Bedingungen der Auktion klagt unter anderem Telefónica.

Welche Auswirkungen hat der 5G-Aufbau für die 4G-Versorgung?

Telekom und Vodafone haben in den vergangenen Monaten Hunderte neue LTE-Antennen errichtet. Schließlich werde 4G "auf viele Jahre hinaus die Grundlage für die weitere Entwicklung des Mobilfunknetzes bleiben", wie Walter Goldenits, Geschäftsführer Technik bei Telekom Deutschland, Ende Mai mitteilte. Dennoch ist die Bundesnetzagentur unzufrieden und hat die beiden Unternehmen sowie auch Telefónica für den 24. Juni zum Rapport bestellt, wie die "Rheinische Post" berichtete.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer fordert einen gezielten Einsatz der Auktionseinnahmen zugunsten der Mobilfunkversorgung: Mit dem Geld solle der Bund nun ein Förderprogramm in den Mobilfunkausbau im ländlichen Raum auflegen, "sonst bleibt Deutschland eine Funkloch-Nation".

Auch Ametsreiter schlägt ein "Reinvestitionsprogramm" vor, in dem die Lizenzerlöse direkt in den Mobilfunkausbau - und nicht den bisher vorgesehenen Festnetzbreitbandausbau - zurückfließen sollen. Sprich: Er will sein Geld zurück.

Gibt es überhaupt schon 5G-taugliche Smartphones?

In Deutschland soll noch im Juni das erste und bisher einzige 5G-fähige Smartphone auf den Markt kommen, das Samsung Galaxy S10 5G. International sind es ein paar mehr, doch die Hersteller dürften es nicht eilig haben, ihre Geräte auch hier anzubieten. OnePlus-CEO Pete Lau zum Beispiel sagte dem SPIEGEL: "OnePlus ist in technischer Hinsicht für das Angebot eines 5G-Smartphones bereit, was das Unternehmen bereits in Großbritannien und Finnland unter Beweis stellt. Momentan bleibt allerdings abzuwarten, wie der Netzausbau in Deutschland konkret vorangeht".

Wird 5G mich krank machen?

Eine eindeutige Antwort darauf gibt es noch nicht. Zwar warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND angesichts der absehbar vielen neuen Mobilfunkanlagen: "Es ist zu erwarten, dass 5G zu einer massiven Zunahme der Zwangsexposition durch Funkstrahlung führt".

Aber das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) schränkt ein, dass die 5G-Anlagen eine geringere Sendeleistung hätten als bisherige Anlagen. Allerdings dürften sie näher an Orten betrieben werden, an denen sich tatsächlich Menschen aufhalten. Fazit des BfS dazu: "Wie sich das dann auswirkt, wie hoch die Strahlung sein wird, der jeder Einzelne ausgesetzt ist, ist im Moment schwierig abzusehen."

Wie schädlich diese Strahlung für den Menschen sein wird, ist laut BfS nur teilweise erforscht, nämlich für jene Frequenzbereiche, die nun versteigert worden sind. So lange die bisher schon geltenden Grenzwerte eingehalten werden, seien "keine nachteiligen Gesundheitswirkungen zu erwarten". Zu den höheren Frequenzbereichen, die perspektivisch für 5G genutzt werden können, gebe es hingegen noch nicht genug wissenschaftliche Studien.

Lesetipp aus dem Archiv

mit Material von Reuters und dpa



insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
mullertomas989 13.06.2019
1. Aber hebelt das nicht das Vorsorgeprinzip aus?
Es gilt doch in Deutschland das Vorsorgeprinzip: Wenn die Unbedenklichkeit einer neuen Technologie nicht sicher ist, lässt das Land die Finger davon. Wieso wird das hier anders gehandhabt?? Immerhin bin ich froh über eine - offenbar - ehrliche Einschätzung (Wir wissen nicht, ob 5G gefährlich ist.). Ach so: Ich bin übrigens seeehr technologiefreundlich, ABER man muss immer die Risiken kennen und ehrlich bewerten, mit allen Konsequenzen!
lupe149 13.06.2019
2. 6,55 Milliarden Euro Erlös vor Steuern
Die überall genannten 6,55 Milliarden Euro Erlös sind ein Bruttoerlös. Die vier Frequenzersteigerer können die Kosten von der Steuer absetzen. Recherchieren Sie, wieviel Geld dem Staat übrig bleibt, möglicherweise nur 58 Prozent. Ich meine, das gehört zu dem dazu, von dem Sie behaupten, ich müsse es wissen.
www-professor 13.06.2019
3. Man kann über diese Regierung nur begeistert sein!
Das war eine tolle Leistung! Und wieder ein paar Milliarden eingesackt, weil Herr Eichel seinerzeit die Luft zum Eigentum des Staates erklärte. Toll. Infrastruktur wird meistbietend verscherbelt. Klingt gut. Ist aber nichts anderes als komplettes Versagen! Man stelle sich vor, der Staat würde auch Schienen und Straßen auf diese Weise verscherbeln. Jeder Autobahnprovider müsste sich seine Straßen ersteigern. Und Scheuer würde dann auch noch 5 oder 6 Provider ins Boot holen. Der Autofahrer müsste bei jedem Autobahnprovider buchen ... natürlich pauschel, so wie es derzeit im Telefonnetz funktioniert. Nein, diese Art des Regierens ist nur geeignet, den Planet an die Wand zu fahren. Macht so weiter, CSDUSPD ... macht das ABER nicht mehr lange! Bitte!!
huelsebus 13.06.2019
4. Wer zahlt ..
Die Kosten werden weiterhin auf den Endkunden umgelegt. Also bleiben Handy Verträge in Deutschland weiterhin teurer als im Ausland. Mithin holen sich die Telkos das Geld zurück. Es kann also beim Netzausbau nicht fehlen, sie haben es dann ja. Dennoch ist ein Netzausbau ("bis 2026") nur für die Ballungsgebiete gedacht ("20 Millionen erreichen"), da nämlich, wo sich der Ausbau für die Telkos finanziell lohnt?
triptychon5zehn 13.06.2019
5.
Die ersten Smartphones mit 5G sind bereits im deutschsprachigen Raum (Schweiz) offiziell erhältlich und heißen mi mix3 5G und Huawei Mate 20 X 5G. mit 750 bzw. 850€ sind die beiden Geräte sogar weitaus günstiger als man gedacht hätte (über ein 2000€ Iphone 5G wurde bereits spekuliert). Die Chinesen haben, leider wie immer, die Nase vorn - nur weil samsung und apple bekannter sind sollte man bereits erhältliche Telefone nicht verschweigen. 5G ist zudem in der Schweiz bereits nutzbar. Was mir im Artikel auch fehlt ist der Verweis darauf, dass 1-4G weiterhin das Telefonnetz stützt und 5G ausschließlich Daten sendet. Die Frage ist auch wofür 5G überhaupt genutzt werden wird. Ich persönlich sehe da eher Unternehmen, die Daten zwischen "Smart"-Geräten nutzen wollen, weniger die neuste 4k Serie in 1 Sekunde auf dem Smartphone parat zu haben (das kommt vielleicht 2025?!)
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