5G ausprobiert Ein Ausflug in das Mobilfunknetz der Zukunft

Vodafone vermarktet sein neues 5G-Netz schon seit August. Ein Praxistest mit dem Huawei Mate 20 X 5G offenbart ein ganz neues Gefühl der Vernetzung - aber nur an einem speziellen Ort.

Matthias Kremp / SPIEGEL ONLINE

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Endlich geht es los: Nach dem Hickhack bei der 5G-Frequenzauktion wollte ich die neue Mobilfunktechnik 5G im August so schnell wie möglich selbst ausprobieren. Sollte doch möglich sein, schließlich hat die Telekom ihren 5G-Start längst angekündigt, Vodafone ihn sogar vollzogen. Passend dazu haben Samsung und Huawei ihre ersten 5G-Smartphones auf den Markt gebracht. Also wird man 5G doch wohl auch testen können. Oder?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn auch wenn Vodafone schon von einem 5G-Start spricht, ist er eben doch sehr überschaubar. 25 Funkstationen in Deutschland hatte der Konzern mit 5G-Technik ausgerüstet, als ich meinen Test Anfang August begann. Im Laufe des Monats sollen 25 weitere hinzugekommen sein.

Eine Karte der Standorte gibt es nicht. Also fahre ich zur Konzernzentrale in Düsseldorf, wo es zumindest einen 5G-Funkmast gibt.

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Mobilfunk der Zukunft: So wird bei Vodafone 5G gemacht

Ganz offen nimmt mir Vodafone-Technikchef Gerhard Mack dort die Hoffnung, dass es mit 5G bald im großen Stil losgehen könnte: "Meine persönliche Meinung ist: Fünf Jahre wird es brauchen, um eine signifikante 5G-Penetration zu sehen. Im Großkundenbereich wird das wesentlich schneller gehen. Deshalb haben wir mehr Zeit, als wir brauchen, um das Netz auszubauen."

Dabei wolle man auch die Erfahrungen der ersten Kunden nutzen: "Die Early Adopters und Technik-Freaks sind für uns die wertvollsten Testkunden. Die können sehr qualifiziert sagen, was sie gut finden und was sie weniger gut finden. So können wir lernen, was funktioniert und was nicht, woran wir noch arbeiten müssen."

Es fühlt sich anders an

Lernen will man bei Vodafone aber offenbar vor allem vor der eigenen Haustür, mit dem Funkmast auf dem Parkdeck der Firma. Dort gehe auch ich hin, ausgerüstet mit einem Mate 20 X 5G von Huawei, einem der wenigen bereits verfügbaren 5G-Smartphones, und starte meine Tests.

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Huaweis erstes 5G-Smartphone: Das Mate 20 X 5G im Test

Viel habe ich davon nicht erwartet. Doch auf dem Parkdeck fühlt sich das Handy, das ich schon seit ein paar Woche benutze, erstaunlich anders an als sonst. Alles scheint schneller zu gehen, dabei ist es ja nur das Internet, das fixer ist. Die Homepage von SPIEGEL ONLINE öffnet sich ohne jede Verzögerung. Als ich scrolle, sehe ich, dass nicht nur die obersten drei oder vier Artikel geladen wurden, sondern alle.

Binge-Watching im Akkord

Ganz ähnlich ist das bei Downloads, zunächst von zwei jeweils 10 bis 15 Megabyte großen Apps. Vom Herunterladen bekomme ich nichts mit, stattdessen scheint die Installation augenblicklich zu beginnen.

Kleiner ist schneller: 4G- und 5G-Antennen an einem Funkmast
Matthias Kremp / SPIEGEL ONLINE

Kleiner ist schneller: 4G- und 5G-Antennen an einem Funkmast

Ich brauche also größere Dateien, um ein Gefühl für die Downloadgeschwindigkeit zu bekommen. Ich starte Netflix und lade einen Film herunter. Für die rund 650 Megabyte braucht Vodafones Testnetz vier Sekunden. Als Nächstes fordere ich zwei Folgen einer neuen TV-Serie an, zusammen etwa 500 Megabyte. Ich will im Netflix Download-Manager nachschauen, wie schnell diese beiden Videos aufs Handy kommen. Als ich nach zwei Fingertipps endlich dort angekommen bin, ist es schon zu spät: Beide Folgen sind heruntergeladen und stehen zum Ansehen bereit.

Meine Datenautobahn

Ich hätte nicht damit gerechnet, aber das 5G-Netz hat mein Gefühl fürs Internet binnen Minuten vollkommen verändert. Seit Jahren, Jahrzehnten sogar habe ich mich an Wartezeiten gewöhnt. Manchmal sind sie kaum spürbar kurz, manchmal endlos lang, aber doch immer vorhanden. Hier oben, auf Vodafones Parkdeck, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, wirklich mitten drin zu sein. Egal ob ich eine Webseite aufrufe, eine App lade oder Google Maps starte, alles scheint irgendwie schon da zu sein, wenn ich es anfordere.

Speedtest auf dem Vodafone-Parkdeck: Freie Fahrt als einziger Fahrer auf der neuen Datenautobahn
Matthias Kremp / SPIEGEL ONLINE

Speedtest auf dem Vodafone-Parkdeck: Freie Fahrt als einziger Fahrer auf der neuen Datenautobahn

An diesem Rausch der Geschwindigkeit dürfte allerdings auch die Exklusivität ihren Anteil haben. So wie ein Autofahrer auf einer abgesperrten Autobahn bin ich hier gerade der einzige 5G-User. Die hochmoderne Funkzelle mit ihrem Glasfaseranschluss ist nur für mich da.

Ein Umweg ins Gewerbegebiet

Zurück in Hamburg ist vom 5G-Feeling freilich nichts mehr zu spüren. So wie in Düsseldorf besteht Vodafones 5G-Netz hier aus einem einzigen Funkmast, der überdies in einem Gewerbegebiet nahe der A7 steht. Viel Publikumsverkehr ist hier nicht zu erwarten. Um auszuprobieren, wie gut 5G dort funktioniert, nutze ich einen Ausflug am Wochenende, den ich um einen Umweg ins Gewerbegebiet erweitere.

Dort angekommen, fühle ich mich wie ein Planespotter. Nur dass ich statt Flugzeugen einen Funkmast fotografiere und Leistungsmessungen mit eher enttäuschendem Ergebnis (siehe Fotostrecke) durchführe. Ein Funkmast allein macht eben noch kein neues Netz.

Erstmal 4G schaffen, bevor man mit 5G loslegt

Gut, dass Wochenende ist. Was würden die Leute in den Büros drumherum sonst von einem denken, der Selfies mit einem Funkmast macht? Aber vielleicht begründe ich ja auch nur einen neuen Trend: 5G-Spotting. Anders kann man die neue Technik im Moment jedenfalls kaum nutzen: Vorläufig ist 5G eher ein Ausflugsziel als eine praktisch nutzbare Technik, zumindest für normale Anwender.

Darüber ist man sich offenbar auch bei Vodafone im Klaren. "Im Industriebereich werden 5G-Anwendungen deutlich schneller Einzug halten", sagt Technikchef Mack. Für normale Anwender ist ein anderes Thema erstmal wichtiger als die neue Highspeed-Technik: "Ich glaube, es muss klar sein, dass für die nächsten Jahre der Fokus weiterhin auf 4G liegt. Wir als Betreiber hätten tatsächlich einen besseren Job machen können. Beim Thema Abdeckung und unterbrechungsfreies Telefonieren und Surfen, egal wo man ist in Deutschland, ist das immer noch nicht gut genug."

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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
Grzegorz 04.09.2019
1. Die benötigten Glasfaserkabel
liegen einfach nicht. Wenn 5G wirklich nur 500 bis 700 Meter Reichweite hat, dann kann man sich ausrechnen wie viele Glasfaserleitungen verlegt werden müssen um diese Antennen an das Netz anzuschließen. In den meisten Gegenden ist DSL über Kupfer der Standard. Ehe diese Leitungen ausgetauscht sind wird es dort auch kein 5G geben. Ich kann euch da aber beruhigen, automatisch fahrende PKW wird es ohne 5G geben oder auch nicht. Die Glasfaserkabel wird es aber auch in 5 Jahren nicht geben. Die sind laut DoroBär schließlich langweilig. #Flugtaxis
wittchen2000 04.09.2019
2. Datenmüll
Wer braucht G5 eigentlich? Hängen wir nicht schon genug an unseren Handys? Jedes mal wenn man sein Handy aufmacht erneut eine Attacke auf das Bewusstsein mit irgendwelchen Clickbait-Sensationsmeldungen die nichts anderes tun als unsere Gehirnzellen zu verschwenden. In meinem Bekanntenkreis habe ich einen Fall von Knochenschwund und einen Fall von Krebs jeweils genau vor der rechten Gesäßtasche, wo die betreffenden Personen ihr Handy aufbewahrt haben. Aber ganz nebenbei... Wozu noch mehr vom 2x2=5 der Popularisten und Fake News und "Five Minutes Hate" ala Trump, wozu noch mehr von Facebook, Google und Amazon's allgegenwärtiger Überwachung und die Banken mit ihren Kreditwürdigkeits-Systemen. Wer schützt uns davor, dass diese Dinge nicht in Kürze zum totalitaristischen 1984-Szenario zusammengesetzt werden, so wie es derzeit im chinesischen Shenzhen bereits Praxis ist? Wir werden erst aufhören diesem Techno-Hype hinterherzulaufen wenn das letzte Funken Menschlichkeit aus unseren Herzen verraten und verkauft ist.
Bayuware1947 04.09.2019
3. Über 4 oder 5 G wird nur gefaselt.
Im Sommer dieses Jahres stand ich in der Universitätsstadt Tübingen auf einem der zahlreichen Erhebungen und wollte nur telefonieren. Von Internet, schnell oder weniger schnell war da gar keine Rede. Nicht einmal das Telefonieren funktionierte. Eine Rückfrage bei meinem in BW beheimateten Provider, ergab, dass die Sendemasten nur für 2 G ausgelegt seien. Bereits bei 3 G zeigt mein Handy (es soll lt Hersteller bis 4 G können) eine Fehlermeldung an. Ob sich dies in den letzten Wochen geändert hat, kann ich nicht sagen. Ist aber auf alle Fälle blamabel. Und dann wird über 4 oder gar 5 G , der Industrie 4.0 und über autonomes Fahren gefaselt. Aber ich kann mich trösten. Unserem Herrn Wirtschaftsminister geht es ja auch nicht besser, wie er im Fernsehen eingestand. Wenigstens etwas.
Wolfilein 04.09.2019
4. etwas arg blauäugig
Das ist ein Test unter Laborbedingungen der mit der späteren Realität nur wenig gemein haben wird. Wenn ich als einziger Teilnehmer in einer LTE Station eingebucht bin bekomme ich auch sehr hohe Datenraten, in der Praxis teile ich mir den Uplink mit u.U. hunderten von Teilnehmern. Da bleibt dann von dem Durchsatz nicht mehr viel übrig. Heisst ja auch in der Werbung immer "bis zu ". Mit 5G wird das auch nicht anders sein.
naturalbornbot 04.09.2019
5. Hindernis Datenvolumen
Bei der ganzen Diskussion kommt das Thema Festnetz völlig zu kurz. Solange es keine erschwinglichen Mobiltarife ohne Volumenbegrenzung gibt, ist und bleibt das Festnetz am wichtigsten. Und da ist man mit einem 50k Anschluss (was schon Luxus) ist ironischerweise um Längen langsamer, als mit 4G. Armes Deutschland
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