Neue Mobilfunknetze Liebe Leserin, lieber Leser,

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eine deutsche Tageszeitung titelte vergangene Woche: "Die Ersten können mit 5G telefonieren." Angesichts der Vorstellung der ersten 5G-Tarife durch die Telekom mag das ein naheliegender Gedanke sein. Er ist nur leider falsch. Genau wie so manche andere Annahme, die im Dunstkreis des 5G-Starts umgeht. Zeit für einen Reality Check.

Zum einen: Nein, über 5G kann noch kein normaler Kunde in Deutschland telefonieren. Zwar hat die Telekom ihre 5G-Tarife angekündigt und verkauft diese auch, wenn jemand danach fragt. Doch ein öffentliches 5G-Netz hat das Unternehmen noch nicht am Start. Das wird erst später kommen, denn bisher hat die Bundesnetzagentur den Providern noch gar nicht die Freigabe zur Nutzung der für 5G nötigen Frequenzen erteilt. Das kann nicht mehr lange dauern, ein paar Wochen Geduld braucht man aber noch.

Telefonieren über 5G? Das wird so schnell nicht passieren.

Zum anderen: Selbst wenn die ersten 5G-Netze laufen, wird man über 5G nicht telefonieren können. Zumindest noch nicht. Das war bei der Einführung von 4G, also LTE, genauso. Die Übertragung von Sprache über 5G ist einfach noch nicht genormt worden. Solange das nicht geschehen ist, ist 5G ein reines Datennetz. 5G-Nutzer werden also vorläufig noch über das LTE-Netz telefonieren, auch mit 5G-Smartphones.

Und damit kommen wir zum nächsten großen Irrtum: Auch als Datennetz wird 5G beim Start keine echte Alternative zu LTE sein. Klar, da wo es 5G geben wird, wird 5G rocken. Es kann viel mehr Daten in viel kürzerer Zeit übertragen als LTE, reagiert irre schnell und kommt mit viel mehr gleichzeitigen Nutzern pro Funkzelle klar als LTE.

Lesetipp aus dem Archiv

Aber solche Funkzellen wird es anfangs nur punktuell geben. Die Telekom verspricht bis zum Jahresende 300 5G-Antennen an mehr als hundert Standorten in sechs Städten. Zum Ausprobieren reicht das, für viel mehr nicht. Deshalb werden auch 5G-Kunden auf absehbare Zeit noch sehr oft LTE nutzen müssen, vor allem außerhalb jener sechs Städte.

Die 5G-Tarife der Telekom haben vor allem einen Vorteil: Sie bieten ein unbegrenztes Datenvolumen, also eine echte Flatrate. So etwas bieten die Telekom und ihre Mitbewerber allerdings auch schon für ihre LTE-Netze an - für ein paar Euro weniger als die neuen 5G-Tarife kosten. Solange 5G nicht im großen Stil verfügbar ist, fährt man damit besser.

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Seltsame Digitalwelt: Schnell mal digital parken?

Vergangene Woche habe ich meine Tochter zum Busbahnhof gebracht. Weil sie zum Studium ins Ausland umzog, hatte sie Unmengen an Gepäck dabei, also parkte ich den Wagen nahe der Busstation. Aber wie das in der Innenstadt so ist: Parken kostet Geld. Kleingeld hatte ich nicht dabei, also fotografierte ich die Nummer der Parkzone und lud mir eine der auf der Parksäule genannten Apps fürs Handyparken auf das Smartphone. Das kannte ich aus dem Urlaub in Schweden, wo es problemlos geklappt hatte.

Während wir also auf den Bus warteten, registrierte ich mich bei jener App, zahlte die Parkgebühr für eine halbe Stunde - und bekam zum Schluss den Hinweis, ich solle bitte nicht vergessen, den ausgedruckten Zettel mit dem Hinweis, dass ich die Gebühr per App bezahlt habe, unter die Frontscheibe zu legen. Tja, blöd, dass ich keinen Drucker dabei hatte. In meinem Urlaubsland hatte es eine solche Regel nicht gegeben, hierzulande scheint man fürs Handyparken jedoch für jede App einen solchen Zettel zu benötigen. Als ich bis zu dieser Erkenntnis gelangt war, hatte freilich schon ein Angestellter der Stadt einen ganz anderen - und für mich wohl auch teureren - Zettel von außen an die Windschutzscheibe geheftet.

App der Woche: "Rooms - Die Villa des Spielzeugmachers"
getestet von Tobias Kirchner

"Rooms - Die Villa des Spielzeugmachers" verbindet ein Puzzle- und ein Geschicklichkeitsspiel miteinander. Das kleine Mädchen Anne landet in einem mysteriösen Gebäude, in dem 144 Rätsel stecken. Besser gesagt handelt es sich dabei um Räume, die verschiedene Hindernisse haben, die wie in einem klassischen Verschieberätsel aus dem Weg geräumt werden müssen.

Wenn es besonders knifflig wird, müssen im richtigen Moment verschiedene Gegenstände eingesetzt werden, die Anne beispielsweise in einen anderen Bereich des Raums teleportieren. Stilistisch erinnert das Spiel an die skurrilen Filme von Tim Burton, was Annes Abenteuer zu einem besonderen Rätselspiel macht.

Für 5,49 Euro, von HandMade Game: iOS, Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Now Some Families Are Hiring Coaches to Help Them Raise Phone-Free Children", (Englisch, sechs Leseminuten).
    Viele Eltern haben offenbar schon vergessen, womit sie sich als Kind beschäftigt haben. Jetzt suchen sie professionelle Hilfe dabei, ihre Sprösslinge vom Bildschirm zu locken. Offenbar ein lukratives Geschäft für eine neue Generation von Beratern in den USA.
  • "So schützen Sie Ihre Daten an der Grenze" (zehn Leseminuten).
    Bei den Grenzkontrollen in den USA, China und Neuseeland müssen Einreisende mit Kontrollen ihrer Laptops und Handys rechnen. "Zeit Online" gibt Tipps, wie man sich und seine Daten dabei absichern kann.
  • "FBI, ICE find state driver's license photos are a gold mine for facial-recognition searches", (Englisch, zehn Leseminuten).
    Beamte des FBI und der amerikanischen Grenzkontrollbehörde Immigration and Customs Enforcement nutzen die Fotodatenbanken der US-Führerscheinstellen offenbar schon seit Jahren als Grundlage für Fahndungen per Gesichtserkennung - ohne Wissen der Betroffenen und ohne deren Zustimmung, berichtet die "Washington Post".

Ich wünsche Ihnen Woche ohne Funklöcher,

Matthias Kremp

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insgesamt 35 Beiträge
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noalk 08.07.2019
1. Das Netz wird schneller
Das wurden die Computer in der Vergangenheit auch. Mit der Folge, dass Standard-Software immer weiter aufgeblasen wurde mit Funktionen, die kaum jemand braucht, die aber den Geschwindigkeitsvorteil zum Teil wieder zunichte machen. Die Kommunikation - besser gesagt: das Kommunikationsverhalten - wird sich ähnlich entwickeln. Schon jetzt ist zu beobachten, dass noch mehr überflüssige Kommunikation die Kapazitäten belasten wird.
Onkel Drops 08.07.2019
2. eine Woche ohne Funklöcher haha
extra nach Rumänien fahren,dafür aber besseres Netz und Preis? hier schaltet man 3g ab und darf zwischen E und 4g springen, da möchte man Herrn Scheuer glatt unsanft mit dem Fahrrad Helm streicheln bis er es toll findet... OWL/NRW gesendet via Rauchzeichen
p.fac 08.07.2019
3. Handy-Parken geht auch ohne Drucker
In Berlin hatte ich dasselbe Problem mit dem Handy-Parken. Das kannte ich aus meiner Heimat Kassel und anderen deutschen Städten so nicht. Allerdings traf ich just in diesem Moment zwei freundliche Damen vom Ordnungsamt, die mir erklärten, dass es wohl an der veralteten Technik läge, mit denen Parkscheine in Berlin kontrolliert werden. Ein handgeschriebener Zettel hinter der Windschutzscheibe sollte jedoch genügen.
besim 08.07.2019
4. Telefoniert wird in Deutschland häufig noch mit 3G
... und zwar auch dann, wenn das Mobiltelefon 4G könnte, aber der Gerätehersteller/SIM-Karte das so genannte "VoLTE", also "Voice over LTE" nicht unterstützt, was für die Sprachtelefonie von LTE zwingend notwendig ist. Dann schaltet das Mobiltelefon bei einem Anruf Ruckzuck zu 3G oder gar 2G zurück.
epsilon 08.07.2019
5. Risiken
Wann klären die Medien endlich mal über die Risiken und bisher nicht veröffentlichten Studien bzgl. möglichen gesundheitlichen Gefährdungen auf? Wenn es die ÖR schon nicht schaffen, dann wenigstens private? - - - - - - Nun, wir machen das nicht täglich, aber wer suchet, der findet: https://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/5g-auktion-was-sie-jetzt-ueber-die-neuen-mobilfunknetze-wissen-muessen-a-1272199.html; mfG Redaktion Forum
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