Update für AirTags Apple will besser vor Stalking schützen

Per Update will Apple die Sicherheit seiner Finde-Gadgets verbessern. Das Unternehmen reagiert damit auf sich häufende Meldungen, dass die Geräte für kriminelle Aktivitäten verwendet werden.
Ding zum Dingefinden: Apple AirTag

Ding zum Dingefinden: Apple AirTag

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Eigentlich sollen Apples AirTags Menschen helfen, verlorene oder vergessene Dinge schnell und einfach wiederzufinden. In den vergangenen Monaten häuften sich jedoch Berichte, wonach die kleinen Dinge-Finder immer wieder benutzt wurden, um Menschen oder hochwertige Fahrzeuge heimlich zu verfolgen. Nun hat Apple eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die den Missbrauch der Geräte verhindern oder zumindest erschweren sollen.

Erst vor wenigen Tagen berichtete der US-TV-Sender NBC von einem Fall in der Stadt Naugatuck in Connecticut . Nach einem Streit unter Eheleuten hatten Polizisten im Wagen der Frau einen versteckten AirTag gefunden, mit dessen Hilfe ihr Mann sie offenbar verfolgt haben soll. Im Januar meldete das Bademode-Model Brooks Nader, jemand habe unbemerkt einen AirTag in eine Tasche ihres Mantels gelegt  und sie damit möglicherweise stundenlang verfolgt. In anderen Fällen berichten Menschen von AirTags, die verdeckt an ihren Autos befestigt wurden . Kriminelle nutzen die Gadgets demnach, um die Position teurer Fahrzeuge zu verfolgen, um sie in einem günstigen Augenblick stehlen zu können.

Apple wusste um die Gefahr

Stalker und Diebe machen sich dabei die Kernfunktion der AirTags zunutze: Die Geräte können weltweit extrem genau geortet werden. Apple nutzt hierfür im Grunde Crowdsourcing: Jedes Gerät, auf dem Apples »Wo ist?«-App installiert ist, dient im Hintergrund und anonym als Ortungs- und Verbindungsstelle für andere Geräte, auf denen diese App läuft – und auch für die AirTags. Laut Apple sind weltweit rund eine Milliarde iPhones, iPads, iPods und Macs Teil dieses »Wo ist?«-Netzwerks. Sie alle helfen verlorene Geräte zu lokalisieren. Mithilfe der AirTags lassen sich auch Schlüssel, Rucksäcke und fast beliebige andere Gegenstände in das System einbinden.

Dass dieses System missbräuchlich genutzt werden könnte, war Apple von Anfang an klar. Bemerkt ein Apple-Gerät, dass man den AirTag eines anderen Nutzers, der nicht in der Nähe ist, bei sich trägt, schlägt die »Wo ist?«-App Alarm und lässt den fremden AirTag einen Ton abspielen. So kann man ihn finden – und bekommt Anweisungen, wie er zu deaktivieren ist. Genau das ist in den oben geschilderten Fällen auch geschehen, andernfalls wäre den Betroffenen nicht aufgefallen, dass sie einen fremden AirTag bei sich tragen.

Lauter piepen, leichter finden

In einem Newsroom-Post vom Donnerstagabend  geht Apple nun erstmals auf das Problem ein. Man verurteile »jede bösartige Verwendung unserer Produkte auf das Schärfste« und »unerwünschtes Tracking« sei »seit Langem ein gesellschaftliches Problem«, heißt es darin. Das Unternehmen habe mit Sicherheitsgruppen und Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet, um Möglichkeiten zu entwickeln, Menschen besser vor unerwünschtem Tracking zu schützen.

Zunächst wolle man nun Kriminelle bei der Inbetriebnahme von AirTags mit einem Hinweis abschrecken, »dass die Verwendung von AirTag zum Tracken von Personen ohne Zustimmung in vielen Regionen der Welt eine Straftat ist«. Apple weist darauf hin, dass jeder AirTag eine einmalige Seriennummer hat und mit einer Apple-ID gekoppelt ist, deren Accountdaten das Unternehmen »als Reaktion auf eine Vorladung oder eine rechtsgültige Anfrage von Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung« stelle.

Zudem sollen die Sicherheitshinweise, die iPhones ausgeben, verbessert werden. Denn die melden derzeit auch fremde AirPods und Zubehör von Drittanbietern mit dem Hinweis »Unbekanntes Zubehör erkannt«. Stattdessen soll diese Meldung künftig konkret auf AirPods hinweisen. Zudem wurde der Support-Text zum Thema überarbeitet, derzeit allerdings nur in der US-Version .

Man prüfe zudem eine Reihe weiterer Updates, die man im Laufe des Jahres einführen wolle. So sei es geplant, Nutzerinnen und Nutzern, die von »Wo ist?« auf einen fremden AirTag hingewiesen werden, die Möglichkeit zu geben, jenen AirTag einen besonders lauten Ton abspielen zu lassen, um ihn leichter zu finden. Allerdings werden laut »The Register«  im Internet auch manipulierte AirTags verkauft, die keine Töne mehr von sich geben können.

Mit iPhones der Serien 11, 12 und 13 soll es zudem möglich werden, fremde AirTags über die Sensoren der Geräte schneller zu finden. Darüber hinaus soll die Logik des Systems verfeinert werden, sodass Nutzerinnen und Nutzer schneller benachrichtigt werden, wenn sich ein fremder AirTag in ihrer Nähe befindet.

Android-Nutzerinnen und -Nutzer bleiben bei diesen Verbesserungen allerdings weitgehend außen vor, ab Werk verfügen nur Apple-Produkte über die nötige Technologie, um das »Wo ist?«-Netzwerk zu nutzen und AirTags zu erkennen. Apple selbst bietet für Android-User zwar die App Tracker Detect  an, mit der Android-Smartphones fremde AirTags erkennen können, doch die wurde bisher erst von einer sechsstelligen Zahl von Nutzerinnen und Nutzern heruntergeladen. Dasselbe gilt für die AirGuard-App , die im Rahmen einer Doktorarbeit an der TU Darmstadt entstanden ist. Laut Google wurden im Sommer 2021 drei Milliarden Android-Geräte aktiv genutzt .

Anders als in den USA scheint Stalking per AirTag in deutschen Behörden bislang kein bekanntes Problem zu sein. Einem Bericht der »Wirtschaftswoche « zufolge haben Bundeskriminalamt und mehrere Landeskriminalämter auf Anfrage erklärt, »dass das Thema bei ihnen bisher noch keine Rolle spielt«.

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