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Programmiersprache Alb: Code auf Arabisch

Foto: Ramsey Nasser

Programmierprojekt Codesprache Arabisch

Wie abhängig sind Programmierer von der englischen Sprache? Sehr, hat Ramsey Nasser herausgefunden. Deswegen hat er eine neue Programmiersprache geschaffen - auf Arabisch.
Von Hakan Tanriverdi

"Hallo Welt!" - dieser Satz steht meist am Beginn  des Programmierens in einer neuen Sprache. Zwei einfache Worte, eigentlich ein guter Einstieg. Trotzdem hat Ramsey Nasser knapp sechs Monate gebraucht, bis sein Computer ihm die zwei Wörter samt Ausrufezeichen korrekt anzeigte. Nasser, der 25 Jahre alt ist und in Tennessee lebt, hat den Code komplett auf Arabisch geschrieben, in einer Programmiersprache, die er selbst entwickelt hat.

Seine Sprache nennt er Alb, übersetzt heißt das Herz. Sie ist ein Kunstprojekt, das aber voll funktionstüchtig ist. Allerdings ist sie inkompatibel zu anderen Programmiersprachen, da diese Englisch als Hauptsprache nutzen. "Für Entwickler ist die Primärsprache Englisch", sagt Nasser. Codes auf Arabisch zu schreiben, in den gängigen Programmiersprachen oder Texteditoren, sei grundsätzlich problematisch: Mal hängen sich die Programme auf, mal reagieren sie überhaupt nicht. Nasser will mit seinem Projekt zeigen, wie abhängig Programmierer vom lateinischen Alphabet sind. "Das ist weder gut noch schlecht", sagt er, "es ist einfach so."

Das Programmieren hat sechs Monate gedauert. Dann stand "Merhaba ya Aalam" auf dem Bildschirm - die Übersetzung von "Hallo Welt", natürlich in arabischen Schriftzeichen. Nasser studiert am New Yorker Technologiezentrum Eyebeam, Alb ist seine Jahresarbeit , drei Programme hat er insgesamt geschrieben.

"Der hässliche amerikanische Programmierer"

Was auf den ersten Blick wie eine Lappalie klingt, ist in Wahrheit ein größeres Problem. Chinesisch, Hebräisch, Arabisch; für Menschen in Ländern, die keine lateinischen Schriftzeichen benutzen, lesen sich Programmiersprachen bloß wie aneinander gereihte Symbolketten. "Wer lernen will, zu programmieren, für den ist es einfacher, wenn er gleich Englisch lernt", so Nasser. Auch wenn es Python   und andere Programmiersprachen auf Chinesisch gibt: Anleitungen und Beispiele im Internet sind meist auf Englisch.

So sieht Code in Alb aus: Nasser zeigt, wie es sich anfühlt, nur Muster zu erkennen

So sieht Code in Alb aus: Nasser zeigt, wie es sich anfühlt, nur Muster zu erkennen

Die These, dass alle Englisch lernen sollen, wenn sie coden wollen, nennt Jeff Atwood "Der hässliche amerikanische Programmierer". Atwood, der selbst Programmierer ist, spielt damit auf den Roman "Der hässliche Amerikaner" an. Er spielt in den fünfziger Jahren in Südostasien, wo Amerikaner den kommunistischen Einfluss zurückdrängen wollen. Sie scheitern, weil sie sich überwiegend arrogant verhalten und gegenüber der vorherrschenden Kultur respektlos sind und deswegen von der Bevölkerung abgelehnt werden. Beim Programmieren sei das grundsätzlich ähnlich. Zu verlangen, dass alle erst Englisch lernen sollen, sei inakzeptabel. Eigentlich.

Denn es gehe auch ums große Ganze, argumentierte Atwood 2009 in seinem Blog : Programmierer seien Bürger des Internets. Menschen, die keiner Fahne ihre Treue schwören, sondern Computerprogrammen, wie er es pathetisch formuliert: "Es geht darum, dass die Hacker kollektiv realisieren, dass es Sinn macht, technische Diskussionen auf Englisch zu führen. Dadurch vereinfacht man es, Dinge durchzuziehen." Mit kultureller Dominanz habe das nichts zu tun. Wenn Globalisierung eine gute Seite habe, dann diese: universales Verständnis per Code.

Alles ist kulturell aufgeladen

Dieses Argument lässt Nasser nicht gelten. Computerprogramme seien per se kulturell aufgeladen. Das beginne schon bei der Namenswahl: "Programmiersprachen benutzen oft rekursive Akronyme", sagt er: "Die sind ein Insiderwitz unter Programmierern." Ein rekursives Akronym ist eine Abkürzung, bei der die Erklärung auf die Abkürzung selbst verweist. Ein beliebtes Beispiel ist PHP, was für "Hypertext Preprocessor" steht - HPP also. Da aber auch etwas vor dem Hypertext passiert, also Prä-Hypertext, steht ein P vor dem H. Alb ist ebenfalls ein rekursives Akronym. Übersetzt heißt es Herz der Programmiersprache. "Jemand, der die Sprache spricht, weiß natürlich, warum die einzelnen Funktionen das tun, was sie tun, er versteht sie schließlich", sagt Nasser.

Mit Alb will Nasser den Menschen, die mit dem lateinischen Alphabet aufgewachsen sind, zeigen, wie es sich anfühlt, keine Befehle zu lesen, sondern nur Muster zu erkennen. Er gibt mittlerweile Workshops.

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