Digitale Medizin Liebe Leserin, lieber Leser,

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über digitale Medizin wird viel geredet, doch bei näherer Betrachtung verändert derzeit kaum eine App, Web-Sprechstunde, vernetzte Patientenakte oder Smartphone-Erweiterung wirklich so grundumstürzend unser Gesundheitssystem, wie es begnadete Verkaufstalente werbetrompeten.

Trotzdem verstecken sich zwischen den Buzzwords "Algorithmus", "Arztabschaffung" oder "Big Data" immer wieder spannende Ideen, etwa die der amerikanischen Firma AliveCore. Die bastelt allen Ernstes an einem quasi digitalen "blutlosen Bluttest". Die Idee klingt verrückt; die US-Zulassungsbehörde FDA erteilte AliveCor jedoch eine eingeschränkte Versuchszulassung. In einem EKG kann man Zeichen finden, die es möglich machen, den Kaliumgehalt im Blut zu berechnen. In der Medizin ist seit Langem bekannt, dass eine hohe T-Welle im EKG auf einen hohen Kaliumwert hindeutet. Je höher dieser Wert ist, desto größer ist das Risiko, Herzrhythmusstörungen zu entwickeln und im Extremfall einen plötzlichen Herztod zu erleiden.

Sieht so der Bluttest der Zukunft aus?

Für das menschliche Auge sind kleinere Veränderungen in der T-Welle schwerer zu erkennen als für eine Maschine. AliveCor wertete 2,8 Millionen 12-Kanal-EKGs und 4,28 Millionen dazugehörige Kalium-Bluttests aus. Herausgekommen ist ein offenbar ziemlich korrekt arbeitender Algorithmus.

Kommt die endgültige Genehmigung schnell, könnten Smartwatches oder andere tragbare Geräte, die EKG aufzeichnen, tatsächlich warnen, wenn der Kaliumwert entgleist. Da zum Beispiel die Apple Watch aber nur ein 1-Kanal-EKG aufzeichnet, müsste der Algorithmus vermutlich noch einmal anders dafür trainiert werden, was aber nicht ausgeschlossen ist. Herzspezialisten, die von der Idee gehört haben, sind jedenfalls beeindruckt.

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Seltsame Digitalwelt: Lieferdienst für Selbstabholer

Amazon-Pakete

Ich erwartete eine Bestellung, die ich dringend benötigte. Dummerweise verschickte Amazon das Paket mit dem hauseigenen Lieferdienst Amazon Logistics. Zwar kann man dort die Echtzeit-Position des Lieferwagens tracken, doch das half mir nur bedingt. Immer wenn sich der GPS-Punkt auf der Karte näherte und es hieß, die eigene Adresse sei die nächste Station, bog der Fahrer doch noch irgendwo ab und lieferte zunächst woanders aus. Drei Stunden beobachtete ich das. Als der Mitarbeiter dann endlich klingelte, machte er fürs nächste Mal einen Vorschlag: "Sie sehen ja, wo ich bin. Sie können auch gern vorbeikommen am Fahrzeug und Ihr Paket holen."


App der Woche: "Triode"
getestet von Tobias Kirchner

Wer gern mal internationale Radiosender hört, bekommt mit Triode eine gute App. So liefert die Radio-App die Möglichkeit, viele Internetsender zu hören, die entweder über die aufgeräumten Menüs aufgespürt oder via Link zu den Favoriten hinzugefügt werden können. Die Auswahl ist groß und die Navigation schnell verstanden. Triode orientiert sich am amerikanischen Markt, jedoch ist es auch möglich, Sender aus anderen Ländern über die App zu hören. Außerdem gibt es eine Unterstützung für Apple TV und CarPlay. Wer weitere Zusatzfunktionen, wie die Synchronisierung der Favoriten via iCloud, nutzen möchte, muss ein Abo abschließen. Ansonsten ist die Radio-App kostenlos.

Gratis, monatliches Abo für 0,99 Euro: iOS


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Wie halten wir in der KI den Anschluss, Herr Krüger?" (Podcast, 51 Minuten): Antonio Krüger leitet das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Im Interview erklärt er, was die Bundesregierung falsch macht und wie abgehängt Deutschland wirklich ist.

Ich wünsche Ihnen eine fröhliche Woche ohne stressige Weihnachtseinkäufe,

Ihr Martin U. Müller


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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 02.12.2019
1. dieser satz ist toll
Da zum Beispiel die Apple Watch aber nur ein 1-Kanal-EKG aufzeichnet, müsste der Algorithmus vermutlich noch einmal anders dafür trainiert werden, Oder man kauft sich eine Smartwatch die das kann...;-) Trozdem wuerde ich keiner Smartwatch meine gesundheit anvertrauen....ich sehe schon horden von Fittnes freaks vor mir beim Arzt....meine watch sagt ich hab Herzfehler......lol...sagt der Arzt...nein Sie haben Hirnfehler.....
iluxos 02.12.2019
2. Tolles Produkt oder Flop?
Abwarten bis dieser geniale Algorithmus den Nobel Preis in Mathematik erhält. Minister Spahn kann bis dahin quasi im Selbsttest mit seinen persönlichen K-Wert-Ergebnissen dazu beitragen und die Uhr als Kassenleistung festlegen.
benutzer1000 02.12.2019
3. @Nonvaio01
Bitte lesen Sie nochmals den Artikel. Es steht da nur, dass 12–Kanal Ekgs ausgewertet wurden, für die Blutwerte vorhanden waren. Nach solchen Kommentaren wundert es mich nicht, dass Deutschland überall den Anschluss verliert, wenn technologische Ansätze von selbsternannten Spezialisten gekonnt in die Tonne getreten werden.
StefanXX 02.12.2019
4. Nichts Neues
Zitat von benutzer1000Bitte lesen Sie nochmals den Artikel. Es steht da nur, dass 12–Kanal Ekgs ausgewertet wurden, für die Blutwerte vorhanden waren. Nach solchen Kommentaren wundert es mich nicht, dass Deutschland überall den Anschluss verliert, wenn technologische Ansätze von selbsternannten Spezialisten gekonnt in die Tonne getreten werden.
Das ist doch nichts Neues, grade bei Forenbeiträgen zu wissenschaftlichen Artikeln weiß man manchmal nicht ob man weinen oder lachen soll. Wenn dann die Laien aus Ihren Löchern kommen und glauben mit Ihrem bestenfalls etwas angelesenem Halbwissen und 3 Sekunden Nachdenken über den gerade gelesenen Artikel wären sie schlauer als ganze Teams von Wissenschaftlern, die das studiert haben und sich hauptberuflich 50 Stunden pro Woche damit beschäftigen. Wie oft lese ich, dass diese an Selbstüberschätzunf leidenden Laien dann glauben "gute Ratschläge" geben zu können.
mimas101 03.12.2019
5. tststs
Wie gut das ich weder Handy noch eine Trekkeruhr mein Eigen nenne . Und ich schaffe mir so einen überflüssigen und ressourcenvergeudenden Müll auch nicht an. Mein Geld spare ich und gebe es für wichtigeres aus wie z.B. ein extra Eisbällchen oder eine Tüte Gummibärchen pro Monat, so lange man sich das noch leisten kann. Muß halt der Arzt wieder zu Stift und Papier greifen und seine Akten so führen. Außerdem, liest man den Artikel genauer, handelt es sich um die Auswertung von Krankendaten und eine darauf hin erstellte Berechnungsmethode die die Wahrscheinlichkeit von Herzanfällen ermitteln könnte. In der Realität, also beim Einbau des Dreisatzes in Kluguhren, scheitert aber diese statistische Berechnung weil die Asiaten bereits die Grenzen von Klugpiepsern und C0 nach Strich und Faden vorführen: Um in den Genuß von Krankenkassenrabatten, gute Punktzahlen für Kredite und sonstwas zu kommen schnallt man seine Klugwatschen einfach einer gelben länglich gebogene Frucht oder einer Rolle Klopapier um. Das erzeugt dann die Daten die auf ein gesundes Herz-Kreislaufsystem hindeuten, einen sportlichen gesunden Lebenswandel vermelden oder gar das Abschwören von Liebe, Tabak oder Alkohol ähem "beweisen". Insofern ist diese Rechenfirma eher dem Hokus-Pokus oder der Branche Marketinggeschwätz zuzuordnern.
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