Brettspiel-Turnier Software schlägt Go-Genie mit 4 zu 1

Die Entscheidung ist klar: Go-Profi Lee Sedol hat auch die fünfte und letzte Partie gegen die Google-Software AlphaGo verloren. Der Sieg der Künstlichen Intelligenz markiert einen historischen Wendepunkt.
Go-Profi Lee Sedol

Go-Profi Lee Sedol

Foto: Lee Jin-man/ AP

Das Duell ist entschieden, und es ging genau andersherum aus, als der menschliche Go-Champion Lee Sedol das prognostiziert hatte. Er werde fünf Spiele gewinnen, hoffte Lee vor dem Turnier gegen die Deepmind-Software AlphaGo, allerhöchstens werde die Partei Mensch gegen Computer 4 zu 1 ausgehen. Das Ergebnis stimmt, nur mit umgekehrten Vorzeichen: In der fünften und letzten Partie am Dienstag hat AlphaGo Lee Sedol erneut geschlagen. Der 33-jährige Lee gab am Dienstag nach 280 Zügen auf.

Die vierte Partie hatte das Go-Genie Lee, einer der besten Spieler der Welt, für sich entscheiden können. Die Spielweise der Software hatte Profis und Go-Fans rund um die Welt verblüfft: AlphaGo mache "Züge, die ein Mensch nie machen würde", sagte Profi-Spielerin Young Sun Yoon SPIEGEL ONLINE.

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Das Ergebnis des Turniers überraschte Go-Kenner, nicht aber die Protagonisten der wiedererstarkten Forschung im Bereich künstliche Intelligenz. Der Grund: AlphaGo beruht zum Teil auf lernenden neuronalen Netzwerken (siehe Kasten unten). Solche Netzwerke werden zunächst mit großen Datenmengen - hier historische Go-Partien - gefüttert und anschließend weiter trainiert. AlphaGo hat viele Monate lang immer wieder gegen sich selbst gespielt und dabei augenscheinlich Go-Taktiken entwickelt, gegen die der menschliche Profi Lee Sedol machtlos war.

Im Falle eines Sieges hätte Lee ein Preisgeld von einer Million Dollar gewinkt, nun geht das Geld an die Google-Tochter Deepmind - das Unternehmen hatte bereits im Vorfeld erklärt, man werde das Geld für gute Zwecke spenden, wenn AlphaGo gewinnen sollte.

Der Turniersieg markiert einen Wendepunkt nicht nur in Sachen Computer-Go: Die Tatsache, dass lernende, künstliche neuronale Netze offenbar in der Lage sind, selbständig zu Problemlösungen zu kommen, auf die Menschen nicht gekommen sind, dürfte viele Lebensbereiche verändern, nicht zuletzt die Art und Weise, wie künftig wissenschaftliche Erkenntnisse zustandekommen.

cis