Smartspeaker von Amazon und Google Dumm und Dümmer

Musik, Licht, Wetter – die Smartspeaker von Amazon und Google können nützlich sein und ihre Nutzerinnen und Nutzer trotzdem verzweifeln lassen. Hier ist der Beweis.
Google Home und Echo Dot von Amazon in der Küche: Hat die Zukunft schon begonnen?

Google Home und Echo Dot von Amazon in der Küche: Hat die Zukunft schon begonnen?

Foto: Ole Reißmann/ DER SPIEGEL

In meiner Küche stehen zwei Smartspeaker, einer von Amazon, einer von Google. Die digitalen Assistenten sollen mir alle möglichen Aufgaben abnehmen oder zumindest erleichtern, mit künstlicher Intelligenz. Weil die beiden Witze erzählen können, aber auch schnell an ihre Grenzen stoßen, nenne ich sie liebevoll Dumm und Dümmer.

Wie glücklich man mit einem Smartspeaker wird, hängt von der eigenen Erwartung ab: Sollen die Kids Hörbücher vorgelesen bekommen, will man hin und wieder ein Pupsgeräusch abfeuern?

Oder folgt man der Werbung und erwartet einen digitalen Assistenten, der mindestens an den Bordcomputer in "Star Trek" herankommt? 33 Jahre nach Serienstart könnte es schließlich an der Zeit sein.

"Alexa, hat die Zukunft angefangen?"
"Das weiß ich leider nicht."

Finden wir es heraus.

Alle Lichter an

Was gar nicht blöd ist: Ich kann mit teigverklebten Händen auf Zuruf einen Timer stellen (läuft), während des Geschirrspülens einen Podcast starten ("Kau und Schluck ") oder mir den Wetterbericht geben lassen (drei Grad, Regen).

Wenn ich "Alexa, Licht an" oder "Hey Google, Licht aus" sage, gehen alle smarten Lichter in der Küche an. Oder aus. (Meine sind von Philips Hue, mit Ikeas Trådfri soll es genauso funktionieren.)

Was wirklich Spaß macht: Musik. Die muss irgendwo herkommen, Alexa möchte Amazon Music Unlimited für 4 Euro im Monat abonnieren, Google Play Musik kostet 10 Euro, das ebenfalls zu Google gehörende YouTube Premium 12 Euro. Ich zahle aber schon für Spotify.

Kein Problem: In den Apps, die man zum Einrichten der Echo- und Home-Geräte braucht, lässt sich Spotify anschließen. Passwort eingeben, Freigabe erteilen, fertig. Wenn etwas reibungslos funktioniert, dann das "Mitnehmen" von Musik, die gerade noch auf dem Smartspeaker lief, aufs Handy oder einen Computer und wieder zurück.

Einstiegsdroge Musik

Ein Problem ist für die Smartspeaker der Mix von Sprachen. Namen können kompliziert sein, aber auch aus einem einfachen englischen Songtitel wie "Familiar" wird schnell "Familie". Manchmal sind die Verwechslungen lustig. Manchmal führen sie zu Skihütten-Schlagern.

Dabei ist Musik die Funktion, die laut Umfragen  am meisten genutzt wird und die prominent in der Werbung der Hersteller auftaucht. Das Killer-Feature. Die Einstiegsdroge, die uns daran gewöhnt, dass Mikrofone rund um die Uhr zuhören.

Die Smartspeaker müssen immer lauschen. Meinen sie, "Alexa" oder "Hey, Google" zu hören, zeichnen sie auf und versuchen, Sprache zu verstehen. Solche Aufnahmen lassen die Hersteller zum Teil nachträglich von Menschen abhören, um ihre Produkte zu verbessern.

Weil die Geräte manchmal aufhorchen, ohne dass jemand es beabsichtigt hätte, sind Intimitäten darunter.

Neulich übernachtete eine befreundete Reporterin aus dem Silicon Valley in meiner Wohnung. Sie beschäftigt sich mit Virtual Reality und immersivem Storytelling, mit "cutting-edge"-Technologie also. Als erstes stöpselte sie die Smartspeaker aus.

Ungehörtes "W"

Mindestens zweimal hat Amazon in den USA Alexa-Aufnahmen herausgerückt. Beide Male ging es um mutmaßlichen Mord, Richter hatten die Übergabe angeordnet. Die Ermittler hofften, dass die Geräte aktiviert worden waren, etwas aufgezeichnet hatten.

"Hey Google, sprichst du mit der Polizei?"
"Ich geb' mein Bestes."

Lieber zurück zur Musik. Ich will Radio hören.

Radio kommt bei beiden Smartspeakern über das Internet, ein Anbieter namens TuneIn aus Kalifornien hilft dabei. TuneIn ist eine mit Venture Capital gefütterte Firma, die weltweit Sender einsammelt und überträgt, darunter auch das Freie Sender Kombinat aus Hamburg, Radio Blau aus Leipzig und Citizens' Radio aus Hongkong.

Natürlich auch Radiosender aus den USA, nur verstehen die Assistenten hartnäckig "B", wenn ich "W" buchstabiere.

"Hey Google, WTMX FM abspielen!"
"Ich habe nach BTMX FM gesucht. Es ist momentan nicht verfügbar oder kann nicht wiedergegeben werden."

Weh. Wäh. Wee. Wü. Dabbelyou. Nach sechs Versuchen gebe ich auf. Die diversen mit W beginnenden Stationen  bleiben ungehört.

Abgesehen von dieser Macke bin ich fasziniert, wie gut mich die Smartspeaker hören, wenn gleichzeitig Musik läuft, eine Pfanne brutzelt und die Gastherme schnauft. Oder ich nur auf dem Flur flüstere.

Wahlmanipulation

Hören ist das eine, Verstehen das andere.

Ich frage, in wie vielen Tagen in Hamburg gewählt wird. Alexa weiß, dass der Hamburger SV gegen Karlsruhe gewonnen hat. Google kann mir nicht helfen. Vielleicht mit einer anderen Formulierung:

"Alexa, wann wird in Hamburg gewählt?"
"Der nächste Wahltermin von Hamburg wird 3. März 2020 sein."

"Hey Google, wann wird in Hamburg gewählt?"
"Laut Wikipedia: Die nächste Bürgerschaftswahl in Hamburg wird die Wahl zur 22. Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg sein. Sie findet am 23. Februar 2020 statt."

Alexa sagt nicht, woher die Info kommt. Sie ist falsch. Google zitiert ungelenk die Wikipedia. Dafür ist der Termin richtig.

"Alexa, kann ich mich auf deine Infos verlassen?"
"Das weiß ich leider nicht."

Nun ja.

Kein Anschluss

Nicht so dramatisch, aber ebenso enttäuschend verläuft mein Versuch, eine Pizza zu ordern. Alexa will den Skill von Domino's Pizza installieren. Damit das am Ende zur Pizza führt, braucht man bei dem Anbieter ein Nutzerkonto.

Über Skills können Firmen ihre Apps an die Sprachsteuerung anschließen. Es gibt Tausende solcher Skills, man kann sie über das Web einrichten oder per Sprache aktivieren. Bei Google funktioniert es ähnlich.

Domino's wäre nicht meine erste Wahl, ich nenne meinen bevorzugten Lieferdienst, der nicht "Pizza, Pizza" heißt. Alexa legt mir den Film "Pizza, Pizza - Ein Stück vom Himmel" von 1988 mit Julia Roberts auf Blu-ray in den Einkaufswagen.

Aber ich habe Hunger! Google sucht mir ein paar Kontakte heraus, Pizza bestellen muss ich selbst. Dabei hatte der Konzern schon 2018 gezeigt, wie ein digitaler Assistent so einen Anruf übernehmen kann.

Mit Anrufen oder auch nur SMS haben es beide Assistenten nicht. Alexa kann andere Echo-Geräte anrufen und mit Skype telefonieren. Google Home kann versuchen, Hangouts zu starten. Hilft mir nicht.

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Sauerkraut einlegen

Das Füllen von Einkaufslisten, die man dann auf dem Handy dabei hat, funktioniert hingegen. Auch das schrittweise Abarbeiten von Rezepten, die von den Assistenten aus dem Internet gezogen werden. Alexa schaltet bei der Suche den Chefkoch-Skill ein:

"Alexa, wie backe ich ein Sauerteigbrot?"
"Nix zu finden. Aber vielleicht gefällt dir ja eins der Rezepte, die ich herausgesucht habe. Volltreffer, Du hast die Wahl. Wähle zwischen Rezept 1, Sauerkraut einlegen und Rezept 2, Spaghetti in Avocado-Feta-Sauce."

Das mag für einige Menschen nützlich sein, ich klebe an Zetteln, da kann ich schneller vor- und zurückspringen.

Was praktisch ist: Routinen. Ich sage "Moin" und die Smartspeaker schalten das Licht ein, sagen den Wetterbericht und spielen das SPIEGEL Update, unsere Nachrichten. Auch bei Sonnenauf- oder -untergang lassen sich Aktionen auslösen. Oder wenn Bewegungssensoren jemanden entdecken. Oder, in Verbindung mit den Apps auf dem Smartphone, wenn man das Haus betritt oder verlässt.

Die Smartspeaker können mir bei einigen Dingen tatsächlich helfen. Oder besser gesagt: Die digitalen Assistenten, Alexa und Google Assistant, mit denen mich die Plastikboxen vernetzen. Die können auch ständig dazulernen und neue Funktionen bekommen. Die Hardware könnte also eine ganze Weile halten.

Apples vergleichsweise teurer Smartspeaker, über den Siri spricht, schien mir für meine Küche zu edel. Im Prinzip will Apple dasselbe, mein Kollege Matthias Kremp hat einen HomePod ausprobiert. Wer besseren Klang sucht, zum Beispiel fürs Wohnzimmer, kann auch Geräte von Sonos mit Alexa oder Google steuern.

Ich nehme mir vor, mich noch weiter hineinzufuchsen in Skills, Routinen und Apps. Damit die Smartspeaker noch ein bisschen mehr zu tun bekommen. Wenn Sie einen oder mehrere Smartspeaker haben – welche Funktionen nutzen Sie? Haben Sie noch Tipps für mich? Schreiben Sie sie in die Kommentare!

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