Amazon Echo, Nest Audio, Braun LE-03 So gut – und so schlecht – sind die neuen Smartspeaker

Zum Weihnachtsgeschäft haben Amazon und Google neue smarte Lautsprecher vorgestellt. Wir haben sie getestet und mit der Neuauflage einer Designlegende von Braun verglichen.
Smartspeaker Nest Audio, Braun LE-03, Echo dot und Echo

Smartspeaker Nest Audio, Braun LE-03, Echo dot und Echo

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der neue Amazon Echo

Jetzt geht's rund, zumindest beim neuen Echo. Die vierte Generation von Amazons Smartspeaker ist geformt wie ein Ball, dem ein wenig die Luft ausgegangen ist, sodass sich an seiner Unterseite eine ebene Fläche gebildet hat. Sonst würde er wohl wegrollen. Die neue Form soll die akustischen Eigenschaften der Box verbessern, dem Basslautsprecher sozusagen mehr Raum zum Atmen geben, argumentiert das Unternehmen.

Den so geschaffenen Raum teilen sich drei Lautsprecher: Ein Basslautsprecher, der leicht angewinkelt nach oben abstrahlt, und zwei Mittelhochtöner, die leicht nach links und rechts abstrahlen. Damit unterscheidet sich der neue Echo deutlich von seinem Vorgänger und beispielsweise Apples HomePod, die durch senkrecht nach oben abstrahlende Basslautsprecher und rundum ausgerichtete Breitbandlautsprecher versuchen, in alle Richtungen ein gleichmäßiges Klangbild zu produzieren.

Der Echo hingegen strahlt den Sound nur in eine Richtung ab, wobei die beiden Mittelhochtöner einen Stereoeffekt erzielen sollen. Den zu hören, ist mir allerdings auch aus der empfohlenen Hörentfernung von 1,8 bis drei Metern schwergefallen. Für überzeugenden Stereoklang wird man schon zwei Echos zusammenschalten müssen, was mit Amazons Alexa-App problemlos möglich ist.

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Amazon Echo 4 und Echo Dot

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Aber auch einzeln klingt der Echo 4 viel besser, als man es einer Lautsprecherbox für knapp 100 Euro zutrauen würde. Die Bässe sind so prägnant, dass sie das Parkett in Vibrationen versetzen, ohne dabei zu dröhnen. Mitten und Höhen werden ebenso sauber wiedergegeben. In Mark Knopflers "Speedway At Nazareth" etwa ist die fette Bassdrum ebenso gut zu hören wie das Knopfler-typische Gitarrensolo. In "Rich Woman" von Robert Plant und Alison Krauss schweben die Stimmen regelrecht über der Tremolo-Gitarre. Bemerkenswert ist, dass das auf einem Stahlschrank ebenso gut klappt wie auf einer Holzkommode oder dem Fußboden, weil das Gerät über seine Mikrofone mithört, wie er an der jeweiligen Position klingt und so den Sound ständig an die Umgebung anpasst.

Abgesehen vom für diese Preisklasse hervorragenden Sound steckt im Echo auch viel Smart-Home-Technik. Zum einen natürlich der Zugang zu Alexa, deren Spracherkennung auch dann noch gut funktioniert, wenn man Musik in mittlerer Lautstärke abspielt und leise spricht. So kann man die üblichen Fragen nach dem Wetter oder den Nachrichten stellen, Smart-Home-Geräte steuern und über sogenannte Skills neue Funktionen nachrüsten.

Eine Besonderheit ist der eingebaute Zigbee-Hub, über den man kompatibles Zubehör, wie etwa Philips-Hue-Lampen ins Smart-Home einbinden kann, ohne dafür ein weiteres Gerät im Netzwerk installieren zu müssen. Eine weitere Besonderheit ist, dass Amazons Echos eine Buchse haben, über die man externe Klangquellen anstöpseln kann. So könnte man sogar den alten Walkman noch mal benutzen, um die Mixtapes aus den Achtzigern anzuhören.

Amazon Echo 4. Generation

👍🏻 Sehr guter Klang

👍🏻 Umfangreiche Smart-Home-Funktionen

👍🏻 Gute Spracherkennung

👍🏻 Zigbee-Hub

👎 Gewöhnungsbedürftiges Design

Preis: 97,47 Euro

Amazon Echo Dot

Parallel zum Echo der vierten Generation hat Amazon auch dessen kleines Gegenstück, den Echo Dot, im selben Kugeldesign neu herausgebracht. Während der Echo etwa so groß ist wie ein Handball, wirkt der Dot eher wie ein aufgeblasener Tennisball. Weil er kleiner ist, passt auch weniger Technik hinein. So muss man auf einen Zigbee-Hub ebenso verzichten wie auf die Ausstattung mit drei Lautsprechern, hier muss einer genügen. Dafür kann man das Gerät für zehn Euro Aufpreis mit einem LC-Display bestellen, das allerdings nur Zahlen anzeigen kann, also etwa die Uhrzeit, die Außentemperatur oder einen Timer.

Links der Echo Dot, rechts der Echo Dot mit Display
Links der Echo Dot, rechts der Echo Dot mit Display

Links der Echo Dot, rechts der Echo Dot mit Display

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL / Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Funktionell bietet der kleine Echo aber fast alles, was der große kann: Seine Spracherkennung per Alexa funktioniert gut und schnell, seine Fähigkeiten können über Skills erweitert werden, viele Smart-Home-Geräte lassen sich mit ihm per Sprache fernsteuern. Auch die kleine Klinkenbuchse zum Anschluss externer Geräte findet man hier wieder, beim Dot funktioniert sie aber nur als Ausgang, Plattenspieler oder Walkman kann man nicht anschließen.

Denselben vollen Sound wie beim Echo 4 kann der Echo Dot mit seinem 4,1 Zentimeter großen Lautsprecherchen freilich nicht entfalten. Echten Tiefgang und Wärme kann das kleine Ding allen Optimierungen der Software zum Trotz nicht produzieren. Zwei davon als Stereopaar gekoppelt taugen aber zumindest auf dem Schreibtisch als brauchbare Musikkulisse im Homeoffice. Besser eignen sich Amazons Klangkugeln aber einzeln im Haus verteilt als Basisstationen zur Sprachsteuerung eines Smart Home. Und zur Kommunikation innerhalb der Familie, denn über die sogenannte Drop-in-Funktion kann man sich von Lautsprecher zu Lautsprecher unterhalten oder Sprachmitteilungen senden: "Kinder, das Essen ist fertig!"

Amazon Echo Dot

👍🏻 Gute Spracherkennung

👍🏻 Brauchare Klangqualtät

👎 Gewöhnungsbedürftiges Design

Preis: 58,48 Euro, mit Display 68,22 Euro

Google Nest Audio

Nach den Kugeln von Amazon sieht der Nest Audio von Google einer Lautsprecherbox erfreulich ähnlich, wenngleich mich sein Design auch ein wenig an ein Reisekopfkissen erinnert. Anders als ein Kopfkissen kann man ihn allerdings nur aufrecht hinstellen. Hinter seinem Stoffbezug stecken ein Lautsprecher für Bässe und Mitten sowie ein Hochtöner. Außerdem sind oben auf der Vorderseite Touchsensoren hinter dem Stoff verborgen, über die sich die Lautstärke regeln und die Musik manuell stoppen und starten lässt.

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Nest Audio

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die braucht man in der Regel aber nicht, weil sich der Nest Audio komplett per Sprache steuern lässt. Das funktioniert hier ebenso gut wie bei den Echos von Amazon, nur dass man hier eben mit dem Google Assistant spricht. Die drei Mikrofone des Nest Audio haben meine Fragen und Befehle während des Tests fast immer so verstanden, wie ich sie gemeint habe. Man muss sich aber schon um eine klare Aussprache bemühen, vor allem, wenn man etwa bei der Musikauswahl in einem Satz Deutsch und Englisch mischt – sonst gibt es Überraschungen.

Der Sound ist, ähnlich wie beim Echo der vierten Generation, erstaunlich rund und fett. Der Synthesizerbass in "Black Coffee" von den All Saints etwa, drückt richtig schön von tief unten. Hosenbeine bringt man damit nicht zum Flattern, aber für eine kleine Küchenparty reicht das allemal. Im direkten Vergleich wirkt der Sound der Nest-Box etwas komprimierter und leicht mittiger als der des Echo. Wie bei den Echos lassen sich zwei dieser Lautsprecher als Stereopaar betreiben.

Auch verfügt der Nest Audio ebenfalls über eine Funktion, die den Sound automatisch an die Umgebung und die abgespielten Inhalte anpasst. Hört man einen Podcast, klingt die Box deshalb anders als bei Songs von Sia. Und wenn der Nachbar die Bohrmaschine anwirft, während man gerade Musik hört, versucht die Software Klang und Lautstärke auch daran anzupassen.

Google Nest Audio

👍🏻 Sehr guter Klang

👍🏻 Umfangreiche Smart-Home-Funktionen

👍🏻 Sehr gute Spracherkennung

👎 Bei hohe Lautstärke komprimiert wirkender Sound

Preis: 97,47 Euro

Braun LE-03

Als auf der Ifa 2019 neue Braun-Lautsprecher ausgestellt wurden, war die Überraschung groß. Schließlich war Brauns damals erfolglose Audiosparte seit 1990 eingestellt. Und doch standen da plötzlich Lautsprecherboxen im Design des LE 1, eines Braun-Lautsprechers aus den Fünfzigerjahren, der auch deshalb zur Legende wurde, weil das Unternehmen damals nur 500 Stück davon herstellen durfte. Denn der LE 1 basierte auf der Technik der britischen Firma Quad. Und von der hatte das Unternehmen nur 500 Lizenzen erworben.

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Braun LE-03

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Was nun auf der Ifa gezeigt und einige Monate lang exklusiv im New Yorker Museum of Modern Art verkauft wurde, hat mit dem Original von damals wenig zu tun, nur das Design ist irgendwie ähnlich. Und das ist sehr gut, denn der LE-03, das kleinste Exemplar der neuen Lautsprecherserie, sieht einfach großartig aus. Ein bisschen wie eine Mischung aus einem Braun-Wecker, einem Taschenrechner und Apples iPod-Hifi.

Leider hält der Sound nicht mit dem Look mit. Anders als die Konkurrenz passt der LE-03 seinen Klang nicht automatisch an die Umgebung an. Stattdessen muss man ihm per App sagen, ob er in einer Ecke steht, auf einem Ständer oder in einem Regal, damit er seinen Equalizer entsprechend anpassen kann.

Das Resultat ist ein recht sauberer und aufgeräumter Sound, dem es im Vergleich mit dem Nest Audio und vor allem dem Echo 4 untenrum an Durchsetzungskraft fehlt. In "Step up to the Plate" von Doctorfunk kommt der Funkbass noch ziemlich gut zur Wirkung, die Bassdrum aber kaum. Besonders auffällig wird das in "Angel" von Massive Attack, dessen tief unten rumwummernde Bassdrum von der Braun-Box zu einem mageren Plopp verarbeitet wird. Von einer Box, die dreimal mehr kostet als ihre ärgsten Konkurrenten, hätte ich mehr erwartet.

Erwartbar ist hingegen, was der LE-03 als Smartspeaker leistet, denn da setzt er ganz auf den Google Assistant. Mit seinen zwei Mikrofonen schnappt er Anweisungen zwar nicht ganz so akkurat auf wie der Nest Audio, aber immer noch so gut, dass ich mich im Test nie wiederholen musste. Googles Assistant ist eben universell einsetzbar – egal, ob er auf Google Hardware läuft oder auf der eines anderen Herstellers.

Braun LE-03

👍🏻 Tolles Design

👍🏻 Gute Spracherkennung

👎 Nur durchschnittlich guter Klang

👎 Sehr hoher Preis

Preis: 379 Euro

Auch sonst hat der Braun LE-03 abgesehen von seinem Namen nicht viel mit der Firma Braun zu tun. Design und Herstellung der neuen Braun-Lautsprecher werden mit Unterstützung des Design-Teams von Braun von der britischen Firma Pure erledigt, die sich dafür eine Lizenz zur Nutzung des alten Markennamens von Procter & Gamble gesichert hat. Der US-Konzern hatte 2005 den Gillette-Konzern übernommen, der seinerseits 1967 Braun übernommen hatte, wegen der guten Elektrorasierer.

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