Amazons Tablets und Kindle im Test Gute Unterhaltung, klobig verpackt

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft bringt Amazon neue Versionen seiner Fire-Tablets und Kindle-E-Reader auf den Markt. Wir haben drei besonders günstige Modelle ausprobiert.

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Mit zwei neuen Mini-Tablets und einem technisch verbesserten Kindle-E-Reader rüstet sich Amazon für die Geschenkesaison. Mit Preisen ab 99 Euro sollen die Geräte Billigmodellen anderer Hersteller Konkurrenz machen. Der neue Einstiegs-Kindle bietet für 59 Euro jetzt auch einen Touchscreen. Zugleich ändert Amazon die Namensgebung der Geräte: Farb-Tablets heißen künftig nur noch Fire, die Bezeichnung Kindle bleibt den E-Readern vorbehalten. Alle drei neuen Geräte eignen sich, um Bücher zu lesen, die aus der neuen E-Book-Flatrate Kindle Unlimited stammen.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die neuen Fire-HD-Tablets aus dem Rahmen fallen. Während viele Konkurrenten sich bemühen, neue Tablets immer schlanker und schöner zu machen, sind Amazons neue Flachrechner klobigen Plastikboxen. Schön ist daran nichts. Bestenfalls könnte man es praktisch nennen, dass sie aufgrund der groben Kunststoffschale sehr robust sind.

Knapp elf Millimeter sind sie dick, so wie der neue Blackberry Passport. Doch während Blackberrys Smartphone seine Klobigkeit unter geschwungenen Linien und edlen Materialien geschickt verbirgt, wirken die Fire-Tablets nur zweckmäßig. Beim Fire HD 6 ist das durchaus gewollt, denn dieses Modell sieht Amazon als Flachrechner für Kinder an, mit dem man auch mal etwas rauer umgehen können soll.

Technische Daten

Hersteller Amazon Amazon Amazon
Bezeichnung Fire HD 6 Fire HD 7 Kindle (7. Gen.)
Betriebssystem Fire OS 4 Fire OS 4 k.A.
Prozessor 1,5 GHz Quadcore 1,5 GHz Quadcore k.A.
Arbeitsspeicher 1 GB 1 GB k.A.
Massenspeicher 8 / 16 GB 8 / 16 GB 4 GB
Displaygröße 6 Zoll 7 Zoll 6 Zoll
Displayauflösung 1280 x 800 1280 x 800 167 ppi
W-Lan 802.11 b/g/n 802.11 b/g/n 802.11 b/g/n
Bluetooth Ja Ja Nein
NFC Nein Nein Nein
HDMI Via opt. Slimport-Adapter Via opt. Slimport-Adapter Nein
Mobilfunk Nein Nein Nein
Speicherkartensteckplatz Nein Nein Nein
Webcam VGA VGA Nein
Digitalkamera 2 Mpx 2 Mpx Nein
Gewicht 290 Gramm 337 Gramm 191 Gramm
Abmessungen (mm) 169 x 103 x 10,7 191 x 128 x 10,6 169 x 119 x 10,2
Preis mit W-Lan ab 99 Euro ab 119 Euro ab 59 Euro

Alle Daten sind Herstellerangaben

Ein wenig kaschieren lässt sich das klotzige Design, wenn man sich beim Kauf nicht für das Schwarz unserer Testgeräte entscheidet und stattdessen ein Gehäuse in Weiß, Blau, Magenta oder Gelb bestellt. Wer das Gerät zusätzlich schützen möchte, kann bei Amazon für 30 Euro eine stabile Schutzhülle in einer von sechs Farben dazubestellen. Die kann man auch als Standfuß benutzen, sie macht das Tablet aber noch dicker.

Direkt betrachtet sehr knackig

Technisch sind beide Tablets bis auf die Bildschirme identisch aufgebaut: Im Fire HD 6 steckt ein 6-Zoll-Display, im Fire HD 7 eines mit 7 Zoll. Beide zeigen jedoch dieselbe Auflösung von 1280 mal 800 Bildpunkten an. Höhere Auflösungen sind bei Amazon den teureren Fire-HDX-Modellen vorbehalten.

Trotzdem liefern beide Bildschirme ein sehr gutes Bild, solange man möglichst senkrecht daraufschaut. Aus schrägen Blickpositionen stören Reflexionen im dicken Deckglas und die Farben wirken blass. Die Helligkeit reicht allerdings aus, um auch in gut beleuchteten Umgebungen noch etwas erkennen zu können. Zum Lesen sollte man die Bildschirmbeleuchtung etwas herunterregeln.

Reichlich Rechenleistung, knapper Speicher

Die Rechenleistung des 1,5 GHz schnellen Quadcore-Prozessors reichte im Test mühelos aus, um Filme, Apps und Spiele ruckelfrei darzustellen. Unbefriedigend waren dagegen die Resultate der eingebauten Zwei-Megapixel-Kameras: Schnappschüsse damit wirkten oft blass und unscharf.

Von den acht Gigabyte Speicherplatz wiesen unsere Testgeräte nach dem ersten Start nur knapp fünf Gigabyte als verfügbar aus - mit ein paar Apps und einem heruntergeladenen Film waren sie schnell gefüllt. Eine Erweiterungsmöglichkeit ist nicht vorgesehen. Dafür bekommt man mit dem Kauf unbegrenzten Cloud-Speicherplatz für Amazon-Inhalte und für die Fotos, die man mit den Geräten macht.

Optimierter Zugang zum Konsum

Praktisch ergibt es also am ehesten Sinn, die Fire-Tablets als Streaming-Maschinen zu nutzen, die nur online ihr volles Potenzial ausschöpfen. Um ins Netz zu kommen, ist allerdings ein W-Lan-Netzwerk notwendig, denn UMTS- oder LTE-Varianten gibt es nicht.

Vorteile und Nachteile der Fire HD-Tablets

Günstiger Preis

Mehr als ausreichende Leistung

Gute Bildschirme

Gute Anbindung an Amazons Online-Angebote

Wenig Speicherplatz

Klobige Gehäuse

Als Betriebssystem ist Amazons Fire OS 4 installiert, eine maßgeschneiderte Variante von Android 4.4, mit einer eigenen, sehr intuitiv nutzbaren Oberfläche. Apps lassen sich nur aus Amazon App Store, nicht aus dem Google Play Store beziehen. Das System ist in jeder Hinsicht auf den Kauf und Konsum von Amazon-Inhalten hin optimiert.

Ein Kindle zum Betatschen

Dasselbe gilt, in verschärfter Form, für den neuen Kindle der siebten Generation. Sein einziger Zweck ist es, E-Books aus Amazons Kindle-Angebot lesbar zu machen. Die 20 Prozent zusätzliche Leistung, die der Prozessor des neuen Modells bietet, sind dafür weder wichtig noch spürbar. Ähnliches gilt für den auf vier Gigabyte vergrößerten Speicher.

Der Touchscreen hingegen ist eine deutlich spürbare Erleichterung. Wer ohnehin an die Nutzung von Tablets und Smartphones gewöhnt ist, wird damit viel besser klarkommen als mit den Blätter-Taster der Vorgänger. Auch Textanmerkungen und Markierungen lassen sich damit wesentlich schneller und intuitiver anbringen. Das E-Ink-Display erfüllt seinen Zweck perfekt: Es bildet Text gestochen scharf ab und funktioniert am besten bei hellem Licht.

Vorteile und Nachteile des Kindle (7. Generation)

Günstiger Preis

Viel Speicherplatz

Schnell reagierender Touchscreen

Gute Anbindung an Amazons Kindle-Shop

Klobiges Gehäuse

Schade ist allerdings, dass auch der neue Kindle in einem ähnlichen klobigen Gehäuse steckt wie die Fire-HD-Tablets. Gegenüber dem Vorgängermodell hat er ein wenig zugelegt, wirkt weniger handlich, weniger elegant. Der Unterschied zum Kindle Paperwhite und dem kommenden Kindle Voyage ist überdeutlich.

Fazit

Die neuen Fire-HD-Tablets und der neue Touchscreen-Kindle sind sinnvolle Updates für Amazons Hardware-Angebot. Sie bieten Leistung im Überfluss, gute Bildschirme, ein ausgereiftes Betriebssystem und einen mühelosen Zugang zu Amazons riesigem Film- Musik- und Bücherangebot. Leider wirkt das Äußere der Gerät eher billig.

Amazon Fire HD 6, Fire HD 7 und Kindle

Neue Amazon-Hardware: Die neuen Tablets mit sechs- und sieben-Zoll-Bildschirmen sowie der neuen Kindle bedienen das untere Preissegment.

Einheits-Outfit: Das Design der neuen Tablets und des E-Readers ist einheitlich. Sie stecken alle in klobigen Plastikgehäusen. Anders als unsere Testgeräte gibt es die Tablets auch in anderen Farben als Schwarz.

Dicke Dinger: Die drei neuen Amazon-Geräte im direkten Vergleich mit einem iPhone 6.

Schön anzuschauen: Der Bildschirm des Fire HD 6 weist gute Kontraste und ein scharfes Schriftbild auf, wenn man direkt darauf schaut.

Großes Kino: Filme wie Quentin Tarantinos "Django Unchained" auf dem kleinen 6-Zoll-Bildschirm anzuschauen, macht wegen der guten Bildqualität durchaus Spaß.

Schnell im Netz: Amazon installiert seinen eigenen Webbrowser Silk auf den Geräten. Weil der einen Teil der Rechenarbeit in die Cloud auslagert, ist er manchmal sehr schnell.

Zu wenig: In der Grundausstattung werden Amazons Tablets mit acht Gigabyte Speicher geliefert, von denen fünf Gigabyte frei sind. mit ein paar Apps und einem Film ist der Platz schnell ausgeschöpft.

Shopping-Spezialist: So günstig wie Amazon sie anbietet sind die Fire-Tablets nur, weil der Konzern sie einzig als Konsum-Plattform ansieht, mit dem Verkauf von Inhalten und nicht mit dem von Geräten Geld verdienen will.

Der neue Kindle: Der Prozessor ist schneller worden, der Speicher doppelt so groß wie bisher. Beide Veränderungen sind im Alltag eist belanglos.

Viel wichtiger als die zusätzliche Leistung ist der Touchscreen: Zum Umblättern muss man keine Tasten mehr drücken, es reicht auf das Display zu tippen.

X-Ray: Bücher lassen sich auf einem Kindle anders lesen als auf Papier. Die X-Ray-Funktion etwa liefert einen schnellen Überblick über wichtige Ereignisse, Personen, Orte oder den Handlungsstrang.

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
herkurius 08.10.2014
1. Nachteile des Kindle
Es fehlt wohl der entscheidende Nachteil: dass der Kindle nur Amazon-Ebooks lesen kann. Jeder nicht-Amazon-Ereader mit Android kann dagegen sowohl das Epub-Format (das ausserhalb von Amazon längst zur Norm geworden ist) als auch Kindle-Bücher lesen.
rstockm 08.10.2014
2. Gestochen scharf mit 167ppi? Nun ja.
Mir ist (auch als Besitzer) nicht ganz klar, wie ein eInk Reader mit 167ppi "gestochen scharfen" Text darstellen soll. Nun ja, die deutlich sichtbaren Pixel sind natürlich gestochen scharf... Selbst mein Paperwhite mit 212ppi ist in Bezug auf Lesequalität Größenordnungen hinter einem vernünftigen Papierdruck anzusiedeln. Das wird sich erst mit den 300ppi des Voyage ändern, den sollte sich der Autor mal im Vergleich ansehen. Es ärgert mich seit Jahren, dass die eBook-Tests auf SPON komplett merkbefreit sind. Der Screenshot etwa zeigt ein komplett unbrauchbares Schriftbild auf dem Kindl, mit Leerstellen zwischen den Wörtern die ebenso breit sind wie die Wörter selber. So will man kein Buch lesen. Von der seit Jahren eingeforderten, noch immer fehlenden Silbentrennung, um überhaupt mal ein annehmbares Schriftbild zu erhalten, ganz zu schweigen. Der Print-SPIEGEL kümmert sich seit ca. 15 Jahren recht aufmerksam um sein Layout/Typo, da könnte die Online-Redaktion mal um Rat fragen...
zeichenkette 08.10.2014
3. Naja
Das mit dem fehlenden Epub-Support kann man umgehen, durch Konvertieren z.B. mit Calibre oder einer anderen Software. Eine Google-Suche nach "Kindle" und "epub" liefert nun wirklich genug Ergebnisse. Aber der Kindle ist nunmal ein Lesegerät für das, was Amazon verkauft und kein generischer Ebook-Reader. Pragmatisch muß man leider die Tatsache anerkennen, dass es einfacher ist, einen Kindle mit beliebigen Epub-Büchern zu füttern als irgendwelche anderen Reader mit Büchern, die man bei Amazon gekauft hat (wenn man sowas vor hat).
peter86167 08.10.2014
4.
Ein Forist meint "Das mit dem fehlenden Epub-Support kann man umgehen, durch Konvertieren z.B. mit Calibre oder einer anderen Software." Das ist leider illegal, wenn das ebook (wie die meisten aktuellen) "eigentlich" kopiergeschützt, wenngleich natürlich technisch möglich.
mannichkannsnichtmehrsehe 09.10.2014
5. konvertierung illegal?
@peter86167 was ist daran illegal wenn ich ein ebook im epub Format geliehen bekomme und dieses zu mobi konvertierte und auf meinem kindle lese?! nichts!!
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