Neue Hardware Amazon präsentiert Überwachungsdrohne für die Wohnung

Eine fliegende Kamera von der Tochterfirma Ring, kugelige Echo-Lautsprecher und eine menschlicher klingende Alexa: Amazon will mit Überwachungsgeräten seine Position im Smarthome stärken und nun auch im Auto.
Indoor-Drohne von Amazons Tochter Ring

Indoor-Drohne von Amazons Tochter Ring

Foto: Ring / Amazon

Mit fliegenden Kameras, einer Autoalarmanlage, kugelförmigen Lautsprechern, einer Spiele-Flatrate und einer erwachseneren Alexa will Amazon noch präsenter in den Haushalten seiner Kundschaft werden.

Die Sprachassistentin solle zum einen mehr wie ein Mensch klingen, sagte Amazon-Manager Rohit Prasad am Donnerstag im Rahmen der Produktvorstellung. Zum anderen soll Alexa in einfache Gespräche im Haushalt eingebunden werden können. Als Beispiel demonstrierte Amazon die Situation, in der eine Pizza ausgewählt und bestellt wird - Alexa listete die Optionen auf und reagierte auf Entscheidungen der Nutzer.

"Wir werden vermutlich den Großteil des kommenden Jahres brauchen, um erste Funktionen damit herauszubringen", sagte Amazons Gerätechef Dave Limp. Sie könnten auch gleich in zwei oder drei Sprachen verfügbar sein - möglicherweise auch Deutsch, aber darüber sei noch nicht entschieden worden. "Es ist ein Durchbruch, aber wir haben noch Arbeit vor uns."

Die "Echo"-Lautsprecher sind rundlicher geworden

Die "Echo"-Lautsprecher sind rundlicher geworden

Foto: Amazon

Amazon stellte in einer Onlinepräsentation auch neue Modelle seiner vernetzten "Echo"-Lautsprecher vor, die zwischen knapp 70 und knapp 100 Euro kosten und im Laufe des Jahres ausgeliefert werden. Die gesamte Modellreihe ist jetzt rund wie eine Kugel. Bisher hatten die meisten "Echo"-Modelle seit der ersten Generation die Form eines Zylinders. Die Idee kugelförmiger Lautsprecher sei gut bei Verbrauchern angekommen, sagte Limp. Außerdem könne Amazon damit besseren Sound umsetzen.

Die Drohne fliegt zunächst nur in den USA

Das Display des Modells "Echo Show" (243,69 Euro) kann sich jetzt drehen, damit der Nutzer es im Blick behalten kann, auch wenn er sich im Raum bewegt. Dafür erkenne die Kamera die Form eines Menschen, aber es gebe keine Gesichtserkennung zur Identifizierung einer Person, betonte Limp. Amazon habe dabei besonderen Wert auf einen lautlosen Motor gelegt. Durch die Drehfunktion könne man den "Echo Show" von unterwegs jetzt auch besser als Sicherheitskamera nutzen.

Das Ungewöhnlichste unter den am Donnerstag vorgestellten neuen Geräten ist eine Sicherheitskamera der Tochterfirma Ring namens Always Home, die als Mini-Drohne durch den Haushalt fliegen kann, um verschiedene Räume abzudecken. Sie ist laut Limp etwa für Kunden gedacht, die nicht mehrere Kameras in verschiedenen Räumen platzieren wollen oder können.

Die Drohnen-Kamera kann entweder einer vom Besitzer vorgegebenen Route folgen - oder auf Informationen anderer Sensoren reagieren und dort hinfliegen, wo zum Beispiel ein Fenster geöffnet wurde oder einer der "Echo"-Lautsprecher das Geräusch von zerbrechendem Glas gehört hat. Sollte die Drohne bei Nutzern in den USA populär werden, soll sie auch nach Deutschland kommen, sagte Limp. Was sie kosten wird, teilte Amazon noch nicht mit.

Alarmanlage fürs Auto von Ring

Eine Ring-Kamera soll künftig auch den Auto-Innenraum schützen

Eine Ring-Kamera soll künftig auch den Auto-Innenraum schützen

Foto: HANDOUT / AFP

Mit Ring will Amazon auch stärker ins Auto vorstoßen. Als Nachrüstgerät gibt es eine Ring-Autoalarmanlage mit Sensoren und Sirene. Eine Kamera soll den Auto-Innenraum schützen. Außerdem bietet Amazon aber auch eine Schnittstelle für Autohersteller an, damit sie Ring-Sicherheitsfunktionen direkt integrieren können. Tesla ist der erste Autokonzern, dessen Wagen mit dem Autoalarm kompatibel sein sollen.

Seit der Übernahme des Überwachungskamera-Start-ups Ring vor zwei Jahren für eine Milliarde Dollar baut Amazon sein Sicherheitsportfolio unter anderem mit Überwachungskameras aus, was Bürgerrechtler kritisieren. "Amazon und andere Unternehmen bieten Technik an, mit der Menschen in kürzester Zeit entscheiden, wer in ihre Nachbarschaft gehört und wer nicht, und über die sie die Polizei herbeirufen können, damit die diese Personen konfrontiert", hieß es etwa von der Electronic Frontier Foundation (EFF) im Sommer.

Ring-Chefin Leila Rouhi sagte in einem Interview, das Unternehmen werde niemals von sich aus Videos mit Strafverfolgern teilen, das würden die Nutzerinnen und Nutzer entscheiden. Rings Ziel sei es, Seelenfrieden zu verschaffen.

"Alexa, lösche alles, was ich jemals gesagt habe"

Nach Konkurrenten wie Google und Microsoft startet auch Amazon ein Online-Angebot von Videospielen. Die Games laufen dabei auf den Servern des Konzerns und nicht auf den Geräten des Nutzers und werden über eine schnelle Internetverbindung auf seinen Bildschirm gestreamt. Amazons Geschäftsidee für den Dienst mit dem Namen Luna sind dabei Kanäle verschiedener Spieleanbieter, die Kunden abonnieren können. Luna startet zunächst in den USA, für sechs Dollar im Monat.

Amazon macht es Alexa-Nutzern auch einfacher, ihre Daten zu löschen. Beispielsweise wird man der Sprachassistentin befehlen können: "Alexa, lösche alles, was ich jemals gesagt habe." Vorgesehen sei auch eine Einstellung, mit der frische Sprachaufnahmen gleich gelöscht werden. Amazon war - wie auch andere Anbieter von Sprachassistenten - im vergangenen Jahr in die Kritik geraten, weil anonymisierte Fragmente von Mitschnitten zum Teil von Mitarbeitern angehört wurden, um die Spracherkennung zu verbessern.

Den Stromverbrauch seiner Echo-Geräte will Amazon künftig - auf Basis von Schätzungen - mit erneuerbaren Energien ausgleichen. Die Geräte sollen zudem einen Modus mit niedrigerem Energieverbrauch bekommen.

pbe/dpa/Reuters
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