Bestellknöpfe Dash Buttons - Amazon stoppt Verkauf weltweit

Amazon verabschiedet sich von seinen Dash Buttons: Die physische Variante der Bestellknöpfe verschwindet aus dem Sortiment.

Dash Button
SPIEGEL ONLINE

Dash Button


Amazon stellt den Verkauf seiner Bestellknöpfe fürs schnelle Nachordern von Alltagsartikeln weltweit ein. Statt auf die sogenannten Dash Buttons wolle sich der Onlinehändler künftig auf verwandte digitale Dienste konzentrieren, heißt es. Dazu gehören virtuelle Varianten der Dash Buttons, die man sich auf der Amazon-Website oder in der App einrichten kann. In der Nacht zum Freitag verschwanden die Knöpfe aus den Amazon-Sortimenten.

Die Dash Buttons waren in sieben Ländern im Angebot: USA, Deutschland, Japan, Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich. "Der amerikanische Markt für den Dash-Button ist ungleich größer als der deutsche", sagte Amazon-Manager Tim Freystedt. In den USA hatte Amazon die Knöpfe im Frühjahr 2015 eingeführt, in Deutschland erst 2016.

Die Batterie der Geräte hält nach Angaben von Amazon fünf bis zehn Jahre - und bereits verkaufte Buttons sollen sich weiter einsetzen lassen. "Wenn man jetzt einen Dash-Button zu Hause hat, bleibt er natürlich funktionsfähig", heißt es von Amazon-Manager Freystedt.

Zu wenig Informationen

In Deutschland waren die Dash Buttons auch wegen ihrer Einfachheit umstritten. Amazon hatte im Januar in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht München einen Rechtsstreit mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen um die Knöpfe verloren. Die Richter entschieden, dass Amazon gegen Gesetze zum Onlinehandel verstoße, weil beim Einkauf klare Informationen zu Inhalt, Preis und der Hinweis auf eine zahlungspflichtige Bestellung fehlten.

Die Buttons, die an eine Türklingel erinnern, bestehen nur aus dem Logo des Anbieters eines Produkts und dem Knopf, der eine Bestellung auslöst.

Das weltweite Aus für den Dash Button sei keine Folge der Niederlage in München, betont Amazon nun. "Die Entscheidung des Oberlandesgerichtes München steht in keinerlei Zusammenhang mit der Entscheidung, den Dash Button weltweit nicht weiter anzubieten", so Tim Freystedt. Grund sei, dass Kunden zunehmend die anderen Angebote zum Nachordern nutzten.

Dash Buttons
SPIEGEL ONLINE

Dash Buttons

Andere Bestellvarianten

Amazon bietet in den USA mittlerweile auch den "Dash Replenishment Service" an, bei dem vernetzte Hausgeräte automatisch nötige Verbrauchsmittel nachbestellen. Außerdem können Amazon-Kunden per Sprachbefehl an die Alexa-Assistentin zum Beispiel in Echo-Lautsprechern Artikel nachordern.

Den juristischen Streit um die Knöpfe in Deutschland will Amazon trotz des Verkaufsstopps durchfechten. "Wir werden nach wie vor gegen die Entscheidung des OLG Rechtsmittel einlegen, weil wir sie für innovationsfeindlich und falsch halten", sagte Freystedt. Positives Feedback der Kunden bestärke Amazon darin.

Die Knöpfe wurden bis zuletzt weiter in Deutschland angeboten. Zur Auswahl standen rund 70 Varianten für diverse Artikel wie Waschmittel, Windeln, Kondome, Kaffee oder Kosmetik. Bei der Bestellung eines Knopfs zahlt der Kunde 4,99 Euro - die dann aber beim ersten Knopfdruck gutgeschrieben werden.

Bastler funktionierten die Knöpfe zum Teil auch um, sodass sie damit zum Beispiel vernetzte Lampen im smarten Zuhause steuern konnten. Die speziell für solche Anwendungsfälle gedachte Version des Knopfs für Entwickler wird weiter angeboten.

mbö/dpa



insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Abel Frühstück 01.03.2019
1.
Allein der Elektroschrott, der mit solchen Dingern produziert wird. Alles Sondermüll. Dabei haben doch eh alle permanent ein Smartphone in der Hand, mit dem man bequem bestellen kann.
erzengel1987 01.03.2019
2. Frage zur Funktion
haben die Knöpfe die Waren nicht erst in den Warenkorb gesetzt? Oder ist mit den Buttons direkt eine Bestellung ausgeführt worden? Also falls die Waren einfach in den Warenkorb gesetzt werden halte ich die Buttons für unbedenklich. Ist doch ein schönes Spielzeug. Spätestens wenn irgendein Troll tausendfach auf den Knopf gedrückt hat weil er im Bad saß wird man wohl den Knopf entfernen. Aber ich finde andere Formen viel bedenklicher. Abofallen diverser Art sind bei weitem gefährlicher, als wenn ich bewusst Zahlungspflichtig auf einen physikalischen Knopf drücke den ich mir selbst gekauft habe und genau weiß was passiert. Abofallen hingegen, man testet meist ein Produkt für einen Monat. Irgendwo im Kleingedruckten steht, dass man damit ein Abo über eine Zeit x abgeschlossen hat und die Kündigungsfrist meist so geregelt ist, dass man erst mit beginn der ersten Monatszahlung davon erfährt. Also... von daher die Knöpfe sind in meinen Augen harmlos. Aber ich hätte jetzt keine 5 Euro für so einen Knopf ausgegeben dachte die gäbe es als Werbegeschenk :-).
denkpanzer 01.03.2019
3. Dash Button für Durex
O_o
der_sepp 01.03.2019
4.
"Bastler funktionierten die Knöpfe zum Teil auch um, so dass sie damit zum Beispiel vernetzte Lampen im smarten Zuhause steuern konnten. " Ja das ist super, Du drückst drauf und das Licht geht an. So was ähnliches hab ich auch zuhause. Hängt an der Wand. Einen ähnlich fetzigen Namen hat das Ding bei mir aber nicht - wir nennen das einfach Lichtschalter.
Pneumoniahawk 01.03.2019
5. Der Gipfel der Bequemlichkeit
Ein unglaubliches Beispiel für unglaubliche Bequemlichkeit. Aber schlau nach der Fragestellung, was wollen Menschen, brauchen es aber gar nicht. Mal wieder auf Kosten der Umwelt und der eigenen Mündigkeit. Igendwann lassen sich Leute einen Chip ins Gehirn einpflanzen, der alle Wünsche direkt scannt und bestellt. Matrix lässt grüßen. Schöne neue, digitale Welt. Mir wird schlecht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.