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Projekt Prime Air Amazon hat seine Lieferdrohne überarbeitet

Eine Zukunftsvision wird konkreter: Amazon hat ein neues Drohnenmodell vorgestellt, das Pakete binnen kurzer Zeit zum Kunden bringen soll. Sensoren sollen der Drohne dabei helfen, unbeschadet anzukommen.

In einigen Jahren könnten Pakete nicht mehr per Bote kommen, sondern per Drohne. Das zumindest ist eine Vision des Online-Händlers Amazon, der am Sonntag eine neue Lieferdrohne präsentiert hat . Unter dem Projektnamen Prime Air forscht der Konzern in den USA, in Großbritannien und Israel schon länger an Fluggeräten für Warentransporte.

Die überarbeitete Version der Amazon-Drohne erinnert an ein kleines Flugzeug, kann aber senkrecht starten und landen. In einem Werbevideo  heißt es, sie könne Strecken von bis zu 24 Kilometern zurücklegen und fliege in maximal 120 Metern Höhe.

Seinen ersten Drohnen-Prototypen hatte Amazon-Chef Jeff Bezos vor zwei Jahren bei einem TV-Interview präsentiert. Seitdem kündigte der Konzern für die Zukunft bereits den Lieferservice Prime Air an, bei dem eines Tages Waren binnen 30 Minuten beim Kunden ankommen sollen.

Im aktuellen Video heißt es, das Unternehmen entwickele eine Familie von Drohnen für verschiedene Einsatzbereiche und Umgebungen. Das neue Modell könne dank seiner Sensoren auch Objekten ausweichen, die sich bewegen. In dem Clip, in dem ein Testflug gezeigt wird, wird ein neues Paar Fußballschuhe kurz vor einem Spiel geliefert. Das Paket wird dabei in einem Garten abgesetzt, wo mit einem kleinen Schild eine Landezone markiert wurde.

Auch die Deutsche Post arbeitet an der Lieferung per Drohne

In einem FAQ zur neuen Drohne  heißt es: "Eines Tages wird der Anblick von Prime-Air-Fluggeräten so normal sein wie der von Postwagen auf der Straße." Wann es soweit sein könnte, lässt das Unternehmen aber offen.

An der Warenlieferung per Drohnen arbeiten auch andere Unternehmen, unter anderem die Deutsche Post. Google entwickelt kleine Fluggeräte, die auch wie ein Flugzeug unterwegs sind und Waren an einem Seil herunterlassen können. In den USA denkt auch der Supermarkt-Riese Walmart über Lieferungen per Drohne nach.

Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA zeigt sich allerdings vorsichtig, wenn es um den kommerziellen Einsatz kleiner Drohnen geht. Amazon warf der Behörde bereits vor, mit ihrem Verhalten die für einen regulären Betrieb nötigen Tests zu verzögern. Kritiker der Drohnen-Services warnen etwa vor Abstürzen - etwa wegen schlechter Wetterbedingungen - und vor Chaos in der Luft, sollten zu viele Lieferdrohnen unkoordiniert unterwegs sein.

Im Juli hatte Amazon-Manager Gur Kimchi mit einem konkreten Vorschlag über die USA hinaus Diskussionen ausgelöst: Auf einer Konferenz der US-Raumfahrtbehörde Nasa forderte er eine Aufteilung des Luftraums. Kimchi schlug vor, Lieferdrohnen nur in einer Höhe von 200 bis 400 Fuß, also 61 bis 122 Metern, fliegen zu lassen und reguläre Flugzeuge mit einem Sicherheitsabstand ab 500 Fuß.

mbö/dpa
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