Digitale Selbstverteidigung Bürgerrechtler stellen Anti-Späh-Software vor

So sieht der Widerstand gegen die Überwachung durch Geheimdienste aus: Bürgerrechtsorganisationen haben eine kostenlose Software entwickelt, mit der man seinen PC nach Spähprogrammen durchsuchen kann.
Windows-Software Detekt: Wissen, ob jemand mitliest

Windows-Software Detekt: Wissen, ob jemand mitliest

Foto: Amnesty International

Detekt, so lautet der schlichte Namen einer Software, die eine Gruppe von Bürgerrechtsorganisationen und Internetaktivisten am Donnerstag veröffentlicht haben. Detekt, so beschreibt es Amnesty International , durchsucht den Computer nach "Spuren bekannter Überwachungssoftware, wie sie von Regierungen eingesetzt wird, um Menschenrechtsaktivisten und Journalisten in aller Welt auszuspähen und zu überwachen".

Die Veröffentlichung der Software begründet Amnesty International mit dem massiven Einfluss, den Überwachung auf Menschenrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung habe. Moderne Technologien würden es Regierungen ermöglichen, nicht nur E-Mails mitzulesen, sondern per Fernsteuerung auch das Mikrofon oder die Webcam eines Computers unbemerkt zu aktivieren.

Die Organisation bezieht sich dabei offenbar auf Berichte über die umstrittene Spionagesoftware FinSpy, die das Bundesinnenministerium auch für den Einsatz beim Bundeskriminalamt angeschafft hat. Der Hersteller der Software, die britische Firma Gamma, wurde in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, weil FinSpy auch an autoritäre Regierungen verkauft wurde.

"Die Software ist ein weiteres Werkzeug für eine erfolgreiche digitale Selbstverteidigung und hilft, sich gegen den Überwachungswahn der Staaten und Regierungen zur Wehr zu setzen", sagt Alexander Sander, Geschäftsführer des Digitale Gesellschaft e. V., der mit Amnesty International bei der Entwicklung von Detekt kooperiert.

Bitte vom Netz trennen

Die Software selbst wird auf einer Webseite mit dem Titel "Resist Surveillance " - "Widersteht der Überwachung" - erklärt. Die Verwendung ist demnach sehr einfach, die Software in den Sprachen Deutsch, Spanisch, Italienisch, Englisch, Arabisch und dem äthiopischen Amharisch nutzbar. Unverzichtbar sei es, den Rechner vor dem Start der Software vom Internet zu trennen. Sofern Detekt eine Schnüffelsoftware entdeckt, so der Rat der Aktivisten, sollte der Rechner auch nicht wieder ans Netz gehen, bevor diese entfernt wurde.

Die Aktivisten weisen aber auch ausdrücklich darauf hin, dass Detekt nicht unfehlbar ist. Manche Spionageprogramme würden aufgrund der Veröffentlichung vermutlich verändert werden, um der Entdeckung durch Detekt zu entgehen. Auch könne es Programme geben, die einfach noch nicht von der Software aufgespürt werden. Ein absolut sicherer Schutz ist Detekt also nicht. Ohnehin ist die Software nur dazu gedacht, Bedrohungen aufzuspüren, entfernen kann sie sie nicht, dazu sind andere Werkzeuge nötig.

Entwickelt wurde Detekt von einer Gruppe um den deutschen Hacker und Sicherheitsexperten Claudio Guarnieri . Die Software sei bereits vom Citizen Lab verwendet worden, unter anderem, um Sicherheitsberater zu schulen. Die aktuelle Version läuft nur auf Windows-PC. Neben Amnesty International und dem Digitale Gesellschaft e. V. sind die Electronic Frontier Foundation und Privacy International an dem Projekt beteiligt.

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