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31. Mai 2017, 18:25 Uhr

Analogabschaltung

Das Ende vom alten Kabelfernsehen beginnt

Unitymedia zieht den Stecker: Im Juni endet im Westen der Bundesrepublik die analoge Übertragung im Kabelfernsehen. Die betroffenen Kunden müssen sich um neue Empfangsgeräte kümmern. Wichtige Fragen und Antworten.

Unitymedia läutet das Ende des analogen Kabelfernsehens ein. Zwischen dem ersten und dem 30. Juni werden schrittweise zunächst in Baden-Württemberg, dann in Hessen und zuletzt in Nordrhein-Westfalen die analogen Programme vom Sender genommen. Die noch verbliebenen Analog-Gucker müssen sich umstellen oder sehen nur noch Standbilder.

Was wird genau getan?

Das analoge Fernsehsignal wird in den regionalen Versorgungszentren schrittweise durch ein Standbild mit Hinweis auf die Abschaltung ersetzt. Rund einen Monat später wird die Sendetechnik abgebaut. Dann wird nur noch das digitale Fernsehsignal übertragen.

Wer ist betroffen?

Laut Tobias Schmid von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfahlen schauen in NRW noch 175.000 Haushalten analoges Programm. Laut Unitymedia sind in NRW, Hessen und Baden-Württemberg insgesamt 320.000 Haushalte von der Umstellung betroffen. Diese Menschen will das Unternehmen mit einer Informationskampagne zum Wechsel bewegen.

Wann und wo beginnt die Umstellung?

Los geht es am 1. Juni im südlichen Baden-Württemberg, der Norden des Landes folgt am 6. Juni. Hessen wird ab dem 13. Juni abgeschaltet. In Nordrhein-Westfalen wird der Süden ab dem 20. Juni, der Norden ab dem 27. Juni abgeschaltet. Genaue Termine, nach Postleitzahlen sortiert, gibt es im Netz.

Woran erkennt man, das analoges Programm empfangen wird?

Schaut man noch auf einem alten Röhrenfernseher, empfängt man höchstwahrscheinlich Analog-TV. Jedenfalls dann, wenn das Antennenkabel direkt im Fernseher steckt und keine Empfangsbox zwischengeschaltet ist. Auch wer weniger als 30 Kanäle empfängt, schaut wahrscheinlich analog.

Selbst wer einen neueren Fernseher hat, schaut vielleicht noch analog. Hier hilft ein Blick in die Einstellungen, welcher Empfangsweg gewählt ist. Wer im aktuellen TV-Programm Laufbänder mit Hinweisen auf die Analogabschaltung sieht, schaut definitiv noch nicht digital.

Ich schaue analog. Was muss ich tun?

Soll der Röhrenfernseher oder ein älterer Flachbildfernseher weiter genutzt werden, muss eine digitale Empfangsbox her. Sie gibt es laut Branchenverband gfu in diversen Ausstattungsvarianten im Fachhandel. Unitymedia vermietet auch passende Geräte. Ist der Fernseher zum Digitalempfang in der Lage muss nur der Empfang von analog auf Digital umgestellt und ein Sendersuchlauf durchgeführt werden.

Muss jetzt ein Techniker zu mir kommen?

Nein, ein Technikerbesuch ist nicht nötig: Bei Kabelanschlüssen von Unitymedia werden die analogen und digitalen Signale seit Jahren gemeinsam übertragen. Auch am über das Kabel übertragenen analogen Radioprogramm ändert sich nichts.

Warum macht Unitymedia das?

Die analoge Übertragung braucht Kapazitäten, die das Unternehmen lieber für andere Inhalte nutzen möchte. Bis zu acht digitale Sender können laut gfu statt einem analogen gesendet werden. Die freiwerdende Kapazität soll künftig für weitere HD-Sender und schnelleres Internet sorgen. Beide Signale parallel zu übertragen verursacht auch hohe Betriebskosten. Die anderen Kabelanbieter in Deutschland werden in den kommenden Jahren ebenfalls den analogen Sendebetrieb einstellen. Vodafone etwa will damit 2018 beginnen.

Till Simon Nagel, dpa

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