Kampf dem Verfall So retten Sie analoge Fotos ins digitale Zeitalter

Analoge Fotos muss man heutzutage digitalisieren, um sie sinnvoll nutzen und bewahren zu können. Michael J. Hußmann beschreibt die nötige Hardware und empfehlenswerte Methoden.
Von Michael J. Hußmann
Viele Abzüge aus den Siebzigerjahren sehen heute so aus - Grün und Blau sind weitgehend verblichen

Viele Abzüge aus den Siebzigerjahren sehen heute so aus - Grün und Blau sind weitgehend verblichen

Foto: DOCMA

Oft äußern Fotografen die Befürchtung, sie könnten ihre digitalen Bilder verlieren. Sei es durch schadhafte Laufwerke, durch Unachtsamkeit, durch Alterung der Speichermedien und damit einsetzende digitale Demenz oder durch den technischen Fortschritt, der einst populäre Speicherformate und -medien obsolet werden lässt.

Solche Gefahren sind real, aber dennoch gut zu beherrschen. Mehrfache Back-ups, gelagert an unterschiedlichen Orten, regelmäßiges Umspeichern auf neue Datenträger und nötigenfalls in neue Dateiformate gewährleisten, dass sich digitale Bilder auch noch in Jahrzehnten ohne Zeichen der Alterung präsentieren lassen.

Analoge Bilder, die manche als vermeintlich sichere Alternative zu Digitalbildern empfehlen, sind dagegen einem schleichenden Verfall ausgesetzt, der sich allenfalls verlangsamen, aber nicht stoppen lässt.

Die Uhr tickt

Analoge Bilder entstehen durch chemische Reaktionen, die idealerweise nach dem Fixierbad und der letzten Wässerung beendet sein sollten. Schwarz-weiße Negative und Papierbilder sind relativ stabil, da diese Bilder durch metallisches Silber gebildet werden, das in feinsten Partikeln in einer Emulsion eingebettet ist - das Edelmetall Silber ist nicht sehr reaktionsfreudig.

Eine Tonung oder ein Bad in Agfa Sistan verbessern die Archivfestigkeit von Schwarz-Weiß-Bildern weiter. Allerdings kann das Papier von Abzügen unter UV-Einfluss vergilben und auch der Kunststoff von PE-Papieren ist einer Alterung unterworfen.

Die Sorgenkinder jedes Fotosammlers sind die Farbbilder. Zwar gab es schon in den Vierzigerjahren archivfeste Technologien wie Kodaks Azochrome-Verfahren, bei denen die Farben von vornherein in die lichtempfindlichen Schichten eingelagert waren und in den hellen Bildteilen ausgebleicht wurden. Am Markt setzten sich jedoch die chromogenen Verfahren durch, bei denen sich die Farben erst während der Entwicklung über Farbkuppler bilden.

Mit einer Anpassung der Gradationskurven für die Farbkanäle lässt sich oft eine natürliche Farbwiedergabe wiederherstellen.

Mit einer Anpassung der Gradationskurven für die Farbkanäle lässt sich oft eine natürliche Farbwiedergabe wiederherstellen.

Foto: DOCMA

Die Haltbarkeit so entstandener Bilder war zunächst deutlich schlechter, und wer heute ein Fotoalbum aus den Siebzigerjahren aufschlägt, wird vor allem rotstichige Abzüge vorfinden - die blauen und grünen Farbstoffe haben sich bereits weitgehend zersetzt. Zudem können ungenutzte Farbkuppler mit der Zeit zerfallen und dann gelbliche oder bräunliche Flecken hinterlassen. Nur Kodachrome-Diafilme sind frei von diesem Problem, weil deren Farbkuppler erst während der Entwicklung zugeführt wurden.

Die farbstabilsten Bilder aus dieser Zeit sind solche nach dem Cibachrome/Ilfochrome- Verfahren, das Abzüge vom Dia ohne den Umweg über ein Zwischennegativ möglich machte.

Die Verdrängung des Baryt-Fotopapiers mit echtem Papierträger durch die leichter verarbeitbaren PE-Papiere mit Kunststoffträger schuf weitere Probleme. Das eingelagerte Titandioxid, das dem PE-Papier seinen weißen Hintergrund gibt, kann unter Lichteinfall Sauerstoff freisetzen, der den Kunststoff spröde werden und reißen lässt.

Besonders problematisch sind ältere Sofortbilder. Polaroids Trennbildfilmen fehlte noch eine UV-absorbierende Schutzschicht, und die 1972 mit der SX-70 eingeführten Integralfilme können selbst bei dunkler Lagerung einen Gelbstich entwickeln, verursacht durch die Entwicklerchemikalien, die im Integralfilm gekapselt bleiben. Zudem neigen diese Filme zu Rissen in der lichtempfindlichen Schicht.

Gefunden in

DOCMA 79

Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung

November/Dezember 2017

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Wenn Filme oder Abzüge in Schutzhüllen aus Kunststoff archiviert und in Schränken aus Kunststoffmaterial oder chemisch behandeltem Holz gelagert wurden, müssen Sie mit unerwünschten chemischen Reaktionen mit ausdünstenden Gasen rechnen, die die ursprünglichen Farben zerstören.

Die Zersetzungsprozesse können Sie verlangsamen, indem Sie Ihre Bilder möglichst kühl aufbewahren. Eine Absenkung der Lagerungstemperatur von 24 °C auf 7 °C verzehnfacht die Lebensdauer der Bilder; bei -10 °C bleiben die Fotos 100 Mal länger und bei -26 °C rund 1000 Mal länger erhalten. Eine handelsübliche Kühltruhe eignet sich für die Lagerung, sofern Sie Ihre Bilder luftdicht verschweißt einfrieren und langsam auftauen.

Der durch eine unsachgemäße Lagerung entstandene Schaden ist allerdings nicht mehr rückgängig zu machen. Auch die besten Lagerungsbedingungen verschaffen Ihnen nur eine Atempause, um die bedrohten Bilder endgültig zu retten und die ursprünglichen Farben und Tonwerte so gut wie möglich zu restaurieren. Dies ist nur mit einer Digitalisierung der Bilder möglich.

Der Filmscanner Reflecta DigitDia 6000 nimmt Diamagazine auf und scannt bis zu 100 Bilder im Stapelbetrieb.

Der Filmscanner Reflecta DigitDia 6000 nimmt Diamagazine auf und scannt bis zu 100 Bilder im Stapelbetrieb.

Foto: Reflecta

Scanner

Es scheint zunächst nahezuliegen, sich zur Bilderrettung auf Scans der Negative und Dias zu beschränken. Schließlich sind diese die erste Generation der Bilder, Abzüge davon aber nur die zweite. Mit einem Scan der Filme sollten sich daher die meisten Informationen in die digitale Welt retten lassen.

In der Praxis werden Sie aber nicht immer die Wahl haben - manchmal sind nur Abzüge erhalten geblieben und möglicherweise hat das Fotopapier dem Verfall besser standgehalten als die Filmemulsion.

Sie brauchen also einen Scanner für Auflichtvorlagen und einen Filmscanner für Durchlichtscans - oder einen Flachbettscanner mit Durchlichteinheit, der für beide Aufgaben geeignet ist. Aktuelle Flachbettscanner erlauben es, bis zu zwölf Kleinbilddias oder 24 Negative in einem Rutsch zu scannen. Für Scans von Dias, die einen geringeren Dynamikumfang als Farbnegative haben, aber einen deutlich höheren Kontrast, sollte der Scanner eine hohe optische Maximaldichte von etwa 4.0 bewältigen, um alle in den Diapositiven enthaltenen Tonwerte digitalisieren zu können.

Flachbettscanner wie der Epson Perfection V800 eignen sich auch zur Digitalisierung von Negativen und Dias.

Flachbettscanner wie der Epson Perfection V800 eignen sich auch zur Digitalisierung von Negativen und Dias.

Foto: Epson

Viele Flachbettscanner unterstützen eine nominell hohe Auflösung; ihre Optik ist aber eher für großformatige Aufsichtvorlagen als für Negative oder Dias optimiert. Ein meist auf das Kleinbildformat ausgelegter Filmscanner kann daher die bessere Wahl sein. Nachdem das eigene Archiv digitalisiert ist, hat er allerdings seine Aufgabe erfüllt - es sei denn, Sie würden nach wie vor auch analog fotografieren. Daher ist es eine Überlegung wert, einen Filmscanner gebraucht zu kaufen - oder ein Neugerät gleich wieder zu verkaufen, nachdem es seine Schuldigkeit getan hat.

Wenn die analogen Originale bereits gelitten haben, müssen Sie die Scans nachbearbeiten. Solange noch eine hinreichende Restmenge der Farbstoffe vorhanden ist, lassen sich die ursprünglichen Farben mit einer Einstellungsebene "Gradationskurven" wiederherstellen, indem Sie die Gradation in den drei Farbkanälen individuell anpassen.

Mehr zum Thema finden Sie in Docma 79 (Heft 6/2017) 

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