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Mac Pro im Test Apples tolle Tonne

Schnelle Computer sind laut und groß, so war das zumindest früher. Der neue Highend-Mac hingegen ist so klein wie ein Reisekopfkissen und flüsterleise. Der Test zeigt, was der kleine Schnellrechner kann - und was er abkann.

Meinen letzten Desktop-PC habe ich längst eingemottet und meinen koffergroßen Power Mac vor Jahren verkauft. Mit Computern halte ich es seither wie die meisten meiner Mitmenschen: Mir genügt ein Notebook. Deshalb war mir schon vor dem Auspacken des neuen Macs klar: Ich brauche so einen Rechner nicht.

Ausprobieren will ich ihn trotzdem. Beim Testen in der Redaktion dauert es nicht lange, bis die ersten hämischen Bemerkungen kommen. "Ist das ein neuer Mülleimer?", fragt ein Kollege. Ein anderer will wissen, was für einen schicken Sektkühler ich da habe. Keine Frage, das Design polarisiert. Und zwar auch deshalb, weil der neue Arbeits-Mac nicht nur anders aussieht, sondern auch anders funktioniert als vergleichbare Workstations.

Platz für interne Erweiterungen hat der Mac Pro nicht. Stattdessen müssen Zusatzkomponenten extern angeschlossen werden. Anschlüsse dafür hat Apple reichlich vorgesehen. Sechs Thunderbolt- und vier USB-Buchsen bieten Platz für externe Speichergeräte, Kameras oder Monitore. Macht man davon Gebrauch, ist der minimalistische Look des Macs wegen der vielen Kabel leider schnell dahin.

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Schön anzuschauen, schnell auseinanderzunehmen: Der Apple Mac Pro im Test

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Als Antrieb ist beim Mac Pro in der von uns getesteten Einstiegsvariante ein Vierkern-Server-Prozessor eingebaut. Damit ist er schnell, aber nicht so rasant, wie man es erwarten würde. Unser 3000-Euro-Testrechner kommt im Prozessor-Leistungstest Geekbench 3 auf rund 14.500 Punkte. So viel schaffen auch das schnellste Apple-Notebook und der Top-iMac.

Viel Leistung kostet viel

Zu hoch sollte man eine solche Messung aber nicht bewerten. Beim Umgang mit Videoschnittprogrammen und professioneller Musiksoftware sind deutliche Unterschiede spürbar. Wie beim Auto hängt die erreichbare Leistung eben nicht nur vom Motor ab. Erst wenn Getriebe, Bremsen und Reifen dazu passen, lässt sich der Vortrieb auch auf die Straßen bringen. Und wer unbedingt mehr Leistung will, kann mehr bekommen. Optional bekommt man den Apple-Rechner auch mit einem Zwölfkern-Prozessor, der ihm bei einem Grundpreis von 6500 Euro 33.000 Geekbench-Punkte einbringt.

Bemerkenswert ist, dass der Mac Pro kaum zu hören ist. Die Lüftergeräusche hört man nur in einer sehr leisen Umgebung. Der Grund liegt in der röhrenförmigen Konstruktion. Durch die gesamte Röhre zieht sich ein großes dreiflügeliges Kühlelement, an das Hauptplatine und Grafikkarten montiert sind. Wie in einem Kamin steigt warme Luft nach oben. Zusätzlich sorgt ein großer, langsam drehender Lüfter für einen kühlenden Luftstrom.

Selber aufrüsten!

Die leise Technik muss man sich allerdings leisten können. Schon das kleinste Modell mit Vierkernprozessor, 250-GB-SSD und zwölf GB Speicher kostet 3000 Euro, bei der Top-Version werden daraus schnell 9600 Euro. Packt man dann noch das von Apple angebotene 4K-Display in den Einkaufskorb, stehen auf der Rechnung 13.600 Euro. Ein VW Polo wäre billiger.

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iFixit: Im Inneren des Highend-Macs

Foto: ifixit.com

Wer sich zutraut selber aufzurüsten, so wie es iFixit zeigt, kann einiges sparen. Den Zwölfkernprozessor, der bei Apple 3500 Euro Aufpreis auf das Basismodell kostet, bekommt man bei Versendern für knapp 2200 Euro. Den Speicher von zwölf auf 64 GB aufzurüsten kostet bei Apple 1300 Euro. In Webshops bekommt man die gleiche Speichermenge für weniger als 700 Euro. Die SSD-Festplatte auszutauschen ist mangels entsprechender Angebote noch nicht möglich.

Dennoch: Teuer ist der Mac Pro nicht. Ein mit ähnlichen Komponenten bestückter Workstation-PC vom Online-Versender kostet etwa 300 Euro weniger, ist um ein Vielfaches größer und hat weniger schnelle Anschlüsse als der Mac.

Fazit

Der neue Mac Pro ist nicht für Anwender gebaut, die einen Computer für alltägliche Aufgaben brauchen. Mit Standardanwendungen wie Websurfen, E-Mail und Fotoverwaltung ist die Highend-Maschine nicht ausgelastet. Erst wenn man ihn mit professioneller Video-, Bild- oder Musikbearbeitung und den entsprechenden Datenmengen fordert, kann er seine Muskeln spielen lassen.

Bei solchen Einsätzen machen sich auch seine professionellen Komponenten bezahlt, die es beispielsweise ermöglichen, mehrere 4K-Videos gleichzeitig von einem externen Speichersystem durch den Rechner zu pumpen. Nach außen wird dieser professionelle Anspruch durch das extrem robuste Gehäuse noch verstärkt.

Für das Video zu diesem Test haben wir den Rechner durch einige lange Gänge gerollt. Eine Tortur, von der sich der schicke Röhrenrechner nicht beeindrucken ließ und weder Fehlfunktionen, ja nicht mal Kratzer zeigte. Ein alltäglicher Computer ist er nicht, schon gar keiner, der nur auf dem Chefschreibtisch repräsentieren sollte. Dieser Mac muss arbeiten.

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