Angefasst Das Doppelplus von Palm

Mehr Speicher, neue Software und drahtlose Ladetechnik integriert: Ab Ende April kann man die Palm-Smartphones Pre Plus und Pixi Plus endlich auch in Deutschland kaufen. SPIEGEL ONLINE konnte die beiden Touchscreen-Handys bereits vor der Markteinführung ausgiebig testen.

Matthias Kremp

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Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert beim Pre Plus. Die einzige optische Neuerung dürfte nur Betrachtern auffallen, die den Vorgänger Pre gut kennen. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass da etwas fehlt, die Home-Taste. Ihre Funktion wurde von dem Gesten-Bereich unterhalb des Bildschirms übernommen. Ein Klick darauf führt jederzeit und aus jeder Anwendung zum Hauptbildschirm zurück. Außerdem wird die Fläche jetzt genutzt, um bei abgeschaltetem Bildschirm mit einem dezent pulsierenden Leuchten neue Nachrichten zu signalisieren.

Ohnehin ist der nur etwa einen Zentimeter hohe Gesten-Bereich die am meisten genutzte Arbeitsfläche beider Palms. Wenige Gesten reichen aus, um die wichtigsten Funktionen, zum Springen zwischen Apps zu beherrschen. Ein Fingerstrich nach links speichert Daten, führt in Menüs eine Eben zurück, eine Streichbewegung vom Gestenbereich auf den Bildschirm lässt das aktive Programm in den Hintergrund rutschen.

Gerade diese Funktion braucht man oft, weil das Betriebssystem der beiden Palms, das webOS, Multitasking unterstützt. Man kann also mehrere Programme gleichzeitig auf dem Handy laufen lassen, beispielsweise Browser, Mailprogramm und Kalender. Dabei werden die in den Hintergrund gestellten Programme allerdings meist angehalten, so wie es auch beim kommenden iPhone OS 4 sein soll. Ein Trick, der hilft Akkustrom zu sparen.

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Angefasst: Palm Pre Plus
Und das ist auch nötig. Sowohl Pixi Plus als auch Pre Plus verlangten während des einwöchigen Tests spätestens am Abend nach einer Auffrischung ihrer Energievorräte, zeigten keine Dauerläuferqualitäten. Dabei könnte Palms drahtlose Ladetechnik grundsätzlich helfen, den Ladevorgang zu vereinfachen. Die spezielle Rückenabdeckung, die man braucht, um das drahtlose Palm-Ladegerät Touchstone zu benutzen, wird beim Pre Plus mitgeliefert, muss beim Pixi Plus als Zubehör gekauft werden.

Zuvor musste man sie noch als Zubehör erwerben. Für das Touchstone-Ladegerät gilt das weiterhin. Ein Preis dafür ist noch nicht bekannt. Leider klappte das kabellose Laden beim getesteten Pre Plus nicht problemlos. Das Gerät verlor im Sekundenkontakt die Verbindung zum Touchstone. Das ist nicht nur der ständigen Warntöne wegen nervig, es dürfte auch der der Akkulebensdauer kaum zuträglich sein und hatte zur Folge, dass sich der Pre Plus nicht drahtlos aufladen ließ. Beim Pixi Plus traten diese Schwierigkeiten nicht auf. Dafür zeigte das Testgerät während des Ladens per Kabel manchmal einen fast entleerten Akku an, dessen Kapazität nach Abziehen des Ladekabels plötzlich auf vollen Füllstand schießt. Außerdem litt der Pixi Plus beim Hantieren mit mehreren Anwendungen gleichzeitig gelegentlich aus dem Tritt, verlangte Geduld von seinem Nutzer. Offenbar werkelt hier ein etwas langsamerer Prozessor.

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Angefasst: Palm Pixi Plus
Abgesehen von dieser Schwäche leisteten sich die beiden Geräte keine Patzer. Im Vergleich mit dem Palm Pre hat sich an der großartigen Benutzerfreundlichkeit des Betriebssystems kaum etwas geändert. Mittlerweile bei der Versionsnummer 1.4.1 angekommen, lässt sich das webOS prima einhändig bedienen. Überarbeitet und vereinfacht wurden allerdings die Tastaturen. Waren beim Vorgänger noch drei Tastenklicks nötig, um einen Umlaut zu tippen, genügen jetzt zwei Tasten. Zudem sind wichtige Tasten, wie das (@) at-Zeichen für E-Mails oder der Satzpunkt, gut platziert und mit einem Klick erreichbar. Im direkten Vergleich punktet die Tastatur des Pre Plus gegenüber der des Pixi Plus. Sie hat einen Hauch größere Tasten auf denen sich schneller tippen lässt. Als E-Mail-Handy sind die beiden Palms bestens geeignet.

Das gilt auch, weil Palm die sogenannte "Synergy" in das webOS integriert hat. Dieser eigentlich schon reichlich ausgeleierte Begriff dient bei Palm dazu zu beschreiben, dass auf den Geräten Daten aus verschiedenen Quellen zusammengeführt und gemeinsam dargestellt werden. So kann man sich die Mails aus mehreren Accounts in einem gemeinsamen Posteingang anzeigen lassen. Dabei sind Exchange-Konten ebenso nutzbar wie Google-Mail-Postfächer. Nebenbei werden dabei auch die Adressbücher aus verschiedenen Quellen zusammengeführt, wobei sich das System redlich Mühe gibt, Dopplungen zu vermeiden.

Mit 1000 Apps gegen Apple und Android

Der App Catalog, Palms Gegenstück zu Apples App Store, ist derzeit noch überschaubar. Etwas mehr 1000 Programme sind in dem deutschen Software-Onlineshop mittlerweile zu finden. das ist natürlich weit von der überbordenden Fülle der Angebote von Apple und Google entfernt, bietet aber immerhin schon einiges an Auswahl, egal ob Twitter-Client oder 3-D-Spiel.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden neuen Palms: Der Pre Plus hat mit 16 GB nicht nur doppelt so viel Speicher wie sein Vorgänger und der Pixi Plus, er hat auch einen größeren Bildschirm. Der Unterschied beträgt zwar nur 80 Pixel in der Vertikalen (Pre Plus 320 x 480, Pixi Plus 320 x 400), aber er ist deutlich sichtbar, auch, weil das Pre-Plus-Display ein paar Millimeter größer ist. Das Resultat: Webseiten, die auf dem Pre Plus noch gut lesbar sind, verkommen auf dem Pixi Plus zu schwer entzifferbaren Miniaturen, die nur noch mit Adleraugen entzifferbar sind. Beim Anschauen von Filmen und Fotos stört das freilich nicht. Hier spielen beide Smartphones ihre Trumpfkarte extrem heller und brillanter Displays aus.

Vollausstattung? Beinahe!

Und diese Displays helfen auch dabei wieder daran zu erinnern, wie viel Spaß es eigentlich macht, sich mit einem der beiden Palms zu beschäftigen. Beim Design und dem Betriebssystem webOS haben die Kalifornier ganze Arbeit geleistet. Der Pre Plus ist, wie sein Vorgänger, ein Handschmeichler, der mit seinem minimalistischen Design gerne auch mal gezeigt werden kann. Der Pixi Plus hat dagegen zwar ein etwas gewöhnlicheren Look, ist mit einer Dicke von knapp elf Millimetern ein ungewöhnlich schlankes Smartphone. Da beide W-Lan, GPS, UMTS, HSDPA und ordentliche Digicams samt LED-Blitz haben, bleiben hinsichtlich der Ausstattung kaum Wünsche offen. Außer der nach einer Möglichkeit zur Erweiterung des Speicher per Steckkarte.

Freunde werden die beiden aber mit Sicherheit finden. Schon der Pre war dem bisherigen Exklusiv-Vermarkter zufolge das bestverkaufte Smartphone, das O2 je angeboten hat. Exakte Zahlen mag das Unternehmen jedoch nicht liefern. Da die neuen Modelle jetzt nicht mehr nur von O2, sondern zusätzlich auch von Vodafone angeboten werden, sind die Chancen groß, dass sich jetzt mehr Kunden für die Geräte begeistern lassen.

Das O2-Angebot, die Handys auch ohne Vertrag in Ratenzahlung anzubieten, dürfte da für einige ein Kaufargument sein. Übermäßig billig sind die beiden Smartphones dabei aber nicht. Der Pre Plus kostet bei O2 509 Euro, der Pixi Plus ist für zusammengerechnet 389 Euro zu bekommen. Ob und wenn ja, mit welchem Vertrag man die Geräte dann kombiniert, ist jedem Käufer selbst überlassen. Eine Freiheit, von der Anwender manch anderer Smartphones nur träumen können.



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tweet4fun 26.04.2010
1. Frage ...
Zitat von sysopMehr Speicher, neue Software und drahtlose Ladetechnik integriert: Ab Ende April kann man die Palm-Smartphones Pre Plus und Pixi Plus endlich auch in Deutschland kaufen. SPIEGEL ONLINE konnte die beiden Touchscreen-Handys bereits vor der Markteinführung ausgiebig testen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,690436,00.html
Kann mir mal jemand ganz ernsthaft und sachlich erklären, ob und wofür man so ein Ding wirklich braucht? Ich meine, daß für 95% der Bevölkerung so etwas gar nicht nötig ist. Ich lebe und arbeite auch ohne solch einem Teil erfolgreich. Für das Internet und für das Editieren und die Buchhaltung habe ich einen PC zu Hause und einen am Arbeitsplatz. Für das Telefonieren habe ich ein älteres Handy, dessen Möglichkeiten ich noch nie ausgeschöpft habe. Und wenn ich im Zug oder im Bus sitze, schaue ich lieber aus dem Fenster und überdenke meine Erlebnisse und Ziele. Wer braucht so etwas wirklich?
verinet 26.04.2010
2. was ist schon nötig
Zitat von tweet4funKann mir mal jemand ganz ernsthaft und sachlich erklären, ob und wofür man so ein Ding wirklich braucht? Ich meine, daß für 95% der Bevölkerung so etwas gar nicht nötig ist. Ich lebe und arbeite auch ohne solch einem Teil erfolgreich. Für das Internet und für das Editieren und die Buchhaltung habe ich einen PC zu Hause und einen am Arbeitsplatz. Für das Telefonieren habe ich ein älteres Handy, dessen Möglichkeiten ich noch nie ausgeschöpft habe. Und wenn ich im Zug oder im Bus sitze, schaue ich lieber aus dem Fenster und überdenke meine Erlebnisse und Ziele. Wer braucht so etwas wirklich?
....irgendwie dann ja auch 95% aller Produkte nicht man braucht ja nicht mehr als ein Dach über den Kopf und was zu Essen. Apple hat allerdings aufgrund eines ähnlich unnötigen Produkts gerade 3 Mrd Gewinn im quartal gemacht..
jurtrx 26.04.2010
3. Nicht ganz richtig
Leider ist der Artikel weder der gelungenste noch der best-recherchierte. Gut ist, dass die meisten Sachen zutreffen und dass der Autor die Probleme mit dem Touchstone anspricht. Leider liefert Palm immer noch viele defekte Touchstones aus die dieses Problem haben und schweigt dabei aber sehr gerne zu dem Thema wenn User sich mit diesem Problem melden. Ich musste meinen Touchstone dreimal bei O2 tauschen lassen bis ich einen funktionierenden bekommen habe. Der läuft jetzt allerdings perfekt! Zu den Schwachpunkten des Artikels: 1) Anwendungen im Hintergrund werden angehalten ist schlichtweg eine FALSCHE Aussage. Im Gegensatz zum iPhone werden Anwendungen auf dem Palm NICHT angehalten und können im Hintergrund weiter ihre Arbeit verrichten. (Ausgenommen natürñich 3D Spiele, die pausiert werden, wenn der User die Anwendung verlässt) 2) Nicht ganz falsch, aber leicht falsch zu verstehen sind die Angaben zum Home-Button und den LED Benachrichtigungen. Die Bedienung ohne den Home-Button über die Gesture-Area und die Blinkbenachrichtungen gibt es beide auch schon beim originalen Palm Pre, nicht nur in der Plus Variante. Man hat hier wirklich nur den Home-Button weggelassen, weil der schon beim ursprünglichen Pre praktisch unnötig war.
michaxl 26.04.2010
4. ?
Zitat von tweet4funKann mir mal jemand ganz ernsthaft und sachlich erklären, ob und wofür man so ein Ding wirklich braucht? Ich meine, daß für 95% der Bevölkerung so etwas gar nicht nötig ist. Ich lebe und arbeite auch ohne solch einem Teil erfolgreich. Für das Internet und für das Editieren und die Buchhaltung habe ich einen PC zu Hause und einen am Arbeitsplatz. Für das Telefonieren habe ich ein älteres Handy, dessen Möglichkeiten ich noch nie ausgeschöpft habe. Und wenn ich im Zug oder im Bus sitze, schaue ich lieber aus dem Fenster und überdenke meine Erlebnisse und Ziele. Wer braucht so etwas wirklich?
Haben sie sich im Strang vertan? Diese Kommentare fallen doch immer im iPhone- und jüngst im iPad-Strang.
iHorst 26.04.2010
5. @tweet4fun
Mal ganz ehrlich, wer braucht SUV's in der Großstadt? Wer braucht Internetblogs wie diesen? Wer braucht das zweite Paar Schuhe. Wer braucht das Internet? Wer braucht schon Geld? Wer braucht eigentlich dich und mich? Darum geht es ja gar nicht. Man braucht natürlich KEIN Alleskönnerhandy. Aber es ist trotzdem schön und auch hilfreich wenn man es hat. Ich checke meine Emails eigentlich nur noch über das Handy. Neuste Fußballergebnisse kann ich direkt über den Browser abrufen und wenn ich mal im Wartezimmer sitze und das Fenster auf eine kahle Hauswand gerichtet ist, hole ich mein Handy raus und surfe im Internet. Wenn ich mich mal wieder verfahren habe, hole ich mein Handy raus und es bringt mich wieder auf Kurs. So einfach ist das. So ein Handy hat eben einen unterhaltenden Charakter und ist obendrein megapraktisch.
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