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Angefasst Der dünnste Desktop-PC der Welt

Dünner geht's nimmer: Nur einen Zentimeter flach ist Dells Adamo XPS, wiegt knapp eineinhalb Kilo, hat eine gute Tastatur und einen hochauflösenden Bildschirm. Als Notebook versagt es trotzdem.

Da staune ich erst einmal: Apple liefert sein Flunder-Macbook Air in einem Kartönchen aus, das gerade groß genug ist, um den Alu-Flachmann zu ummanteln. Der Karton, in den Dell das Adamo XPS verpackt, wäre dagegen groß genug, um einen mittleren Desktop-PC aufzunehmen. Dabei ist das Dell sogar noch dünner als das Macbook Air. Mit exakt 9,99 Millimetern gibt der amerikanische Konzern die Gehäusehöhe an, Apples Flachmann schwillt dagegen von 4 bis 19,4 Millimeter Dicke an - doch damit genug der Erbsenzählerei.

Erstmal zu den Äußerlichkeiten: Den nach der Entspeckung wohl wichtigsten Design-Vorsatz erfüllt das neue Dell mit Bravour: es sieht einfach gut aus. Das ganze Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt. So ist es leicht, stabil und vergleichsweise unempfindlich gegen Schmutz. Nebenbei ist das Metall ein guter Wärmeleiter, wirkt als Kühlfläche für die Chips im Inneren, so dass man eigentlich keine Lüfter mehr braucht.

Ausgesprochen ungewöhnlich ist die Art und Weise, wie Tastatur und Bildschirm miteinander verbunden sind. Zusammengeklappt verschwindet das Tastenfeld nahezu bündig im Gehäuse, wird von kleinen Hakenschlössern bombenfest gehalten. Um die Verbindung wieder zu lösen hilft keine Gewalt. Stattdessen, so erfahre ich von einem Aufkleber auf dem Bildschirmdeckel, reicht es, sanft über eine Sensorfläche zu streichen, schon wird das Schloss gelöst.

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Der dünnste Desktop-PC der Welt: Dell Adamo XPS

Foto: Matthias Kremp

Aufgeklappt zeigt sich schon die nächste Besonderheit des Adamo XPS: Das Scharnier, mit dem Tastatur und Bildschirm zusammengehalten werden, ist nicht wie üblich am unteren Rand des Displays angebracht, sondern einige Zentimeter darüber. Dadurch bilden Bildschirm und Tasten eine stets in einem fest definierten Winkel zueinander angeordnete Einheit.

Das sieht erst einmal verdammt gut aus und stellt den ultraschlanken Laptop-Look schön in den Vordergrund. Ergonomisch aber ist das nicht. Weil der Bildschirm in einem unverrückbaren Winkel steht, kann man ihn nicht seiner eigenen Sitzposition anpassen. Versuche, das Gerät auf den Knien zu benutzen, arteten zu kleinen Balanceakten aus. Ebenso war das Experiment, damit in der Economy-Class eines Linienflugzeugs zu arbeiten, zum Scheitern verurteilt. In der Business-Class mag das anders aussehen, aber auch nur auf Langstreckenflügen mit entsprechend üppigem Freiraum.

Doppelt so viel USB wie ein Macbook Air

Dem Vorbild Apple hat Dell sich nicht nur bei der Wahl des Gehäusematerials angenähert. Auch bei der Ausstattung mit Anschlussbuchsen folgt der PC-Konzern den Mac-Machern - allerdings nicht ganz so konsequent minimalistisch. Während man beim Macbook Air gezwungen ist, sich mit einer USB-Buchse, einer Kopfhörerbuchse und einem Mini-Displayport-Anschluss zu begnügen, hat das Adamo XPS doppelt so viele USB-Buchsen und einen Displayport ohne Mini - mehr aber auch nicht.

Adapter braucht man trotzdem, denn Displayport-Monitore sind bislang noch rar und ein Lan-Anschluss fehlt dem Adamao ebenfalls. Entsprechende Dongles für Ethernet-Netzwerke und DVI-Monitore liefert Dell mit. Den HDMI-Adapter für TV-Geräte muss man gegen 42 Euro Aufpreis dazu bestellen. Besser also man beschränkt sich beim Umgang mit dem Adamo, wie beim Macbook Air, auf das Gerät selbst und drahtlose Verbindungen. Da eine W-Lan-Karte nach dem schnellen Standard IEEE 802.11n eingebaut ist, stellt das keine Hürde dar.

Und auch für den beleuchteten Stecker des Ladegeräts haben Dells Entwickler sich möglicherweise anderswo inspirieren lassen. Während ein solcher bei vielen anderen Geräten aber dazu dient, darüber zu informieren, ob der Akku aufgeladen wird oder schon voll ist, leuchtet Dells Stecker in immer demselben Farbton - auch wenn er gar nicht eingesteckt ist. Hübsch blau ist das - und hübsch unnötig.

Zu viel gespart

Im Inneren des Adamo XPS sorgt ein ULV-Prozessor, also ein für besonders niedrigen Stromverbrauch optimierter Chip von Intel, für die Datenverarbeitung. Ein Sprinter ist der nicht, reicht aber für Alltagsaufgaben vollkommen aus und schafft es auch, ein HD-Video in der zum Display passenden 720p-Auflösung ruckelfrei abzuspielen. Damit hat es sich hinsichtlich der Spielereien aber auch schon. Die integrierte Intel-Grafikkarte ist für Spiele ansonsten viel zu schlapp, kaum fixer als die Chips in Netbooks. Ganz anders dagegen die SSD-Festplatte, die mit 128 GB zwar nicht sonderlich viel Platz bietet, dafür aber rasend schnell und lautlos arbeitet.

Stromspar-CPU, integrierter Grafikchip und SSD-Festplatte zeigen, dass Dell es beim Adamo XPS auch darauf angelegt hat, möglichst sparsame Komponenten einzubauen. Das ist sehr ehrenwert und bei einem Gerät, dass sich aufgrund von Gewicht und Bauform für unterwegs anbietet, auch unverzichtbar. Gelohnt hat sich das teure Energiesparprogramm aber nicht. Der mit einer Kapazität von 20 Wattstunden selbst im Vergleich zu Billig-Netbooks winzige Akku lieferte im Test gerade mal genug Saft für zwei Stunden Text-Tipperei. Lief dabei noch die Webcam im Hintergrund, war schon nach 75 Minuten Schluss.

Damit disqualifiziert sich das Adamo XPS von seiner eigentlichen Bestimmung als Mobilrechner, denn mit solchen Werten ist man nicht mobil. Wahrscheinlich wurde zusätzliche Akku-Kapazität geopfert, um das Designziel, unter einem Zentimeter Dicke zu bleiben, zu erreichen. Das alte Designer-Motto "Form follows function" wurde damit ins Gegenteil verkehrt. Zwar gibt es einen Zusatzakku, der doppelt so viel Kapazität bietet, also auch etwa doppelt so lange Laufzeit ermöglicht, doch dürfte der das Gerät auch dicker und schwerer machen, einiges vom Charme der Dell-Flunder nehmen. Deshalb ist Dells Adamo XPS zwar wunderschön, aber eigentlich kein Laptop, sondern nur der dünnste Desktop-PC der Welt.