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Jawbone Up im Test: Fitness aus dem Armband

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Jawbone Up im Test Dieses Armband motiviert

Die eigene Sportlichkeit steigern, abnehmen oder einfach gesünder leben, das nehmen sich viele vor. Geräte wie das Fitness-Armband Up sollen dabei helfen. Wir haben ausführlich getestet, ob das Hightech-Schmuckstück hilft, schneller, leichter oder gar schöner zu werden.

Acht Wochen trage ich dieses Armband jetzt. Acht Wochen, in denen wir uns aneinander gewöhnt haben. Das Jawbone Up misst, wie viele Schritte ich gemacht habe, wie lange ich aktiv war und wie ich geschlafen habe. In seinem Gummigehäuse arbeiten ähnliche Lagesensoren wie jene, die in Handys stecken. Über eine App, die es für Android und iOS gibt, kann ich die Daten auswerten.

Und ich kann nachschauen, was die anderen so treiben, denn ich trainiere im Team. Zehn Leute teilen mit mir, wie viele Schritte sie gemacht, wie gut sie geschlafen und was sie gegessen haben - und ich teile es mit ihnen, in einem sozialen Netzwerk für Nutzer des elektronischen Armbands. Die meisten davon sind Kollegen, die das Ding auch gerade testen. Von ihnen weiß ich jetzt zum Beispiel, wann sie zu Bett gehen und wie lang sie schlafen.

Automatisch zeichnet das Up allerdings nur Spaziergänge und Jogging auf. Alle anderen Aktivitäten muss man manuell eingeben: Per Druck auf seine einzige Taste schalte ich die Stoppuhr ein und aus. Ob ich Rad gefahren bin oder Yoga gemacht habe - und wie intensiv - muss ich später in der Up-App eintragen, nachdem ich die Daten aufs Smartphone übertragen habe.

Automatisch geht auch das nicht. Das Up hat weder Bluetooth noch ein Display. Die Daten werden über die Kopfhörerbuchse aufs Handy übertragen. Mit iPhones und iPads funktioniert das prima, mit Android-Handys wie dem HTC One dagegen gar nicht. Vor dem Kauf sollte man also die kurze Liste Up-kompatibler Smartphones  prüfen.

Schlafphasenwecker

Ebenso wenig merkt das Up, wenn ich schlafen gehe. Auch das muss ich ihm per Knopfdruck mitteilen. Alles, was dann folgt, wird als Schlaf gewertet, auch wenn ich noch lese, einen Film anschaue oder einfach wachliege. Die Sensoren registrieren nur, ob ich mich bewege. Trotzdem gibt mir das Up morgens eine hübsche Grafik aus, die anzeigen soll, wann und wie lange ich im Tiefschlaf war.

Auf Basis dieser Messungen berechnet das Gerät auf Wunsch den perfekten Aufwachzeitpunkt und weckt mich je nach Schlafphase in einem Zeitfenster von bis zu 20 Minuten vor der festgelegten Weckzeit mit einem Vibrationsalarm. Auf diese Weise soll man besser und entspannter in den Tag starten. Auch ein Büro-Nickerchen lässt sich einstellen, wie lange ich schlafen darf, berechnet das Up. Eine schöne Vorstellung, die sich im Großraumbüro aber eher schlecht umsetzen lässt.

3500 Milliliter Wasser?

Eine Funktion, die mir schon nach wenigen Tagen keinen Spaß mehr macht und die kaum jemand aus meinem Team nutzt, ist die Möglichkeit, sein Essverhalten zu protokollieren. Wer viel Fertignahrung zu sich nimmt, ist fein raus. Bei Tiefkühlpizza und Cola etwa reicht es aus, den Barcode zu scannen, um Nährwerte und Inhaltsstoffe aufzunehmen. Sobald man frisch zubereitetes Essen genießt, wird es schwierig.

Dann muss jede Speise mengenmäßig erfasst und mit der Up-Datenbank abgeglichen werden. Und da steckt ein Problem, denn Jawbones Nahrungsmittel-Datenbank ist zwar umfangreich aber nicht allumfassend. Vieles muss man händisch eingeben. Beispielsweise bei "Wasser (in Flaschen)" kann das mühsam sein, da man die Menge in Milliliterschritten eingeben muss, was beim Konsum mehrerer Liter täglich ausgesprochen langwierig ist.

Sieben Tage

Die versprochenen bis zu zehn Tage Akkulaufzeit habe ich nie erreicht. Spätestens nach sieben Tagen warnte mich die App, der Akku sei bald leer. Noch schneller ging der Strom zur Neige, wenn ich Zusatzfunktionen wie den Wecker nutzte. Der Vibrationsmotor fordert seinen Tribut.

Trotzdem sind sieben Tage eine ordentliche Leistung. Man kann sich so einen bestimmten Zeitpunkt in seinem Wochenrhythmus zum Aufladen fixieren. Auf das mitgelieferte Miniklinke-auf-USB-Ladekabel sollte man allerdings gut Acht geben, Ersatz bekommt man nur im Fachhandel. Ein Ladegerät liefert Jawbone nicht mit, so dass man auf vorhandene USB-Ladegeräte oder einen Computer angewiesen ist.

Fazit

Ein wissenschaftlich belastbares Messinstrument ist das Jawbone Up sicher nicht. Von der Vorstellung, man könnte damit seinen Körperzustand korrekt erfassen, sollte man sich lieber verabschieden. Vielmehr ist das elektronische Armband eine Motivationshilfe, die ihren Träger manchmal schmerzlich daran erinnert, wie sehr Ist- und Sollwerte für körperliche Aktivität, Ess- und Schlafgewohnheiten voneinander abweichen. Fitter bin ich in den Testwochen nicht geworden - aber ich achte mehr auf meinen Schlaf.

Schmerzlich machen sich das Fehlen eines Displays oder einer Bluetooth-Verbindung zum Handy bemerkbar. Dafür sind 130 Euro ein stolzer Preis.

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