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Galaxy Gear im Test So smart ist Samsungs Handy-Uhr

Samsung hat es geschafft: Mit der Galaxy Gear hat der Konzern eine Smartwatch der neuen Generation auf den Markt gebracht. Wir haben getestet, ob das Gadget mehr ist als eine teure Digitaluhr mit Zusatzfunktionen.

Auf den ersten Blick sieht das "next big thing" aus wie eine ganz normale Digitaluhr. Samsungs Smartwatch Galaxy Gear ist weder besonders schwer noch besonders klobig - zumindest im Vergleich zu anderen Herrenuhren. Wäre da nicht dieser pockenartige Auswuchs im Armband. Das Objektiv der Digitalkamera schreit förmlich heraus, dass diese Uhr anders ist.

Was sollte eine normale Uhr auch mit einem 800-Megahertz-Prozessor, 512 MB Arbeitsspeicher, 4 GB Massenspeicher und einem modifizierten Android-Betriebssystem? Das sind die Eckdaten der Gear, die im Grunde ein kleines Android-Smartphone ist, bei dem man den Mobilfunkteil weggelassen hat.

Aber eben nur im Grunde. Ohne ein kompatibles Mobiltelefon ist sie nur ein teures Armband. Erst wenn man sie per NFC und Bluetooth mit einem solchen Smartphone verbindet, erwacht sie zum Leben, zeigt die Uhrzeit, das Wetter und noch einiges mehr an. Aber sie ist wählerisch: Derzeit funktioniert die Paarung nur mit Samsungs Galaxy Note 3, einem XL-Smartphone mit 5,7-Zoll-Bildschirm und einem Listenpreis von 749 Euro. Die Uhr selbst kostet 299 Euro. Per Update sollen acht weitere Samsung-Handys, darunter das Galaxy S4, S III und Note 2, kompatibel gemacht werden.

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Galaxy Gear im Test: Das ist Samsungs Smartwatch

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Ist die Verbindung zum Handy hergestellt, muss man auf dem Telefon zunächst den Gear Manager installieren. Über diese App werden viele Einstellungen für die Uhr vorgenommen. Beispielsweise lässt sich hier das Design der Uhrenanzeige festlegen und definieren, bei welchen Ereignissen die Uhr Laut geben soll. So kann sie auf anstehende Termine, verpasste Anrufe oder neue E-Mails hinweisen. Wird man angerufen, klingelt sie in jedem Fall. Man kann sie auch benutzen, um das Handy zusätzlich zu sichern - mit einer Sperre, die sich nur mit der Uhr aufheben lässt.

Außerdem werden über den Gear Manager Apps auf der Uhr installiert. Weil auf der Gear ein modifiziertes Android läuft und der Bildschirm mit 320 x 320 Pixeln eine sehr geringe Auflösung hat, funktionieren aber nur entsprechend angepasste Apps. Zum Testzeitpunkt waren etwa 40 bis 50 Apps verfügbar, eine übersichtliche Auswahl. Auf der Uhr selbst sind nach dem Auspacken nur wenige Apps installiert. Unter anderem findet man einen Schrittzähler, eine Sprach-Memo-App und einen Terminkalender.

Tippen und wischen

Die Bedienung der Galaxy Gear erfolgt weitgehend über den Touchscreen. Der einzige Knopf dient zum Ein- und Ausschalten. Im Normalzustand ist der Bildschirm abgeschaltet, um Strom zu sparen. Um die Uhranzeige aufzurufen, kann man entweder den Knopf drücken oder die Uhr per Gestensteuerung wecken, indem man den Arm hebt. Das funktioniert recht gut, nur leider oft auch unbeabsichtigt.

Verschiedene Wischbewegungen auf dem Display führen von App zu App oder aus den Apps wieder heraus. In der Uhranzeige bringt ein Wisch von unten einen Ziffernblock und ein Wisch von oben die Kamerafunktion zum Vorschein. Letztere liefert Schnappschüsse, nicht mehr und nicht weniger. Hohe Ansprüche an die Bildqualität sollte man nicht stellen. Wenig Licht und bewegte Objekte überfordern die Mini-Knipse.

Bloß nicht telefonieren

Dasselbe gilt für E-Mails, die man per Gmail empfängt. Zwar wird angezeigt, dass eine neue Nachricht angekommen ist, lesen muss man sie aber doch auf dem Handy. Aber auch wenn eine Nachricht angezeigt wird, etwa eine SMS, ist das Lesen auf dem kleinen Bildschirm keine Freude. Da hilft auch die Sprachsteuerungsfunktion S Voice nicht, die gesprochenen Text mal mehr, mal weniger fehlerfrei interpretiert.

Nur, um es auszuprobieren, haben wir auch Testtelefonate mit der Gear geführt. Sie funktioniert dann wie eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Während das, was man in die Gear hineinspricht, beim Anrufer gut verständlich ankommt, ist das Klangerlebnis auf Seite der Uhr unbefriedigend. Ohnehin möchte man mit der Gear nicht wirklich telefonieren, weil man dazu den erhobenen Arm vor den Mund heben muss, was nicht nur anstrengend ist, sondern auf Menschen in der Umgebung auch verstörend wirken kann.

Aber das Telefonieren funktioniert - wie sehr vieles an der Galaxy Gear - nur, solange das Smartphone in der Nähe ist. Das gilt auch für die Mediensteuerungsfunktion, die lediglich den MP3-Player des Handys anwirft. Entfernt man sich zu weit vom Smartphone, meldet sie das auch. Nach etwa zehn Metern bricht die Bluetooth-Verbindung ab. Wer sein Handy also im Büro oder zu Hause nicht ständig bei sich trägt, wird regelmäßig vom Vibrationsalarm auf verlorene und wiederhergestellte Verbindungen hingewiesen. Der Akkulaufzeit dürfte das nicht zuträglich sein. Doch bei maßvoller Nutzung hielt der Stromspeicher locker einen, manchmal anderthalb Tage durch.

Fazit

Mit der Galaxy Gear hat Samsung ein schönes Demonstrationsobjekt vorgelegt. Sie zeigt die Richtung an, in die sich Smartwatches entwickeln können, macht aber einen unfertigen Eindruck. So richtig smart ist sie nicht, kann weder mit E-Mails noch mit SMS richtig umgehen, geschweige denn ein Fenster ins Web öffnen. Stattdessen begnügt sie sich damit, als Fernbedienung fürs Smartphone zu agieren, Schritte zu zählen und darauf hinzuweisen, wenn eine neuen Mitteilung auf dem Handy angekommen ist.

Das mag alles ganz nett sein, beeindrucken kann es nicht. Wir warten gespannt darauf, wie die Version 2.0 aussehen wird.