Apple AirPods Pro im Kurztest Bei Apple ist jetzt Ruhe

Apples neue AirPods sollen für guten Sound und gleichzeitig für Ruhe sorgen, ohne dass man dabei den Kontakt zu seiner Umwelt verliert. Wir haben sie schon ausprobiert.

Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

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Schon ein Vierteljahr nach ihrer Einführung waren Apples AirPods die meistverkauften kabellosen Kopfhörer der Welt. Nach einem Jahr waren sie die meistverkauften Kopfhörer überhaupt - und sind es seither geblieben. Mit den AirPods Pro bringt Apple nun am Mittwoch zum ersten Mal eine komplett überarbeitete Version auf den Markt, mit neuem Design und aktiver Geräuschunterdrückung.

Und mit Ohrpassstücken. Denn bei den AirPods Pro folgt das Design zum ersten Mal nicht mehr der Regel "One size fits all". Stattdessen liefert Apple drei unterschiedlich große Ohrpassstücke aus weichem Silikon mit. Die dienen einerseits dazu, die Größe der Ohrhörer an die Gehörgänge des Nutzers anzupassen. Es ist nicht gerade so, als hätte der kalifornische Konzern diese Technik neu erfunden. Vielmehr liefern andere Hersteller - auch und gerade die von Billig-Headsets - solche Silikonaufsätze seit Jahrzehnten mit.

Abgesehen von der individuellen Anpassung haben die Aufsätze noch drei weitere Vorteile:

  • Die AirPods Pro sitzen fester in den Ohren als normale AirPods mit ihrer glatten Kunststoffoberfläche.
  • Indem sie die Ohren abdichten, schirmen sie Außengeräusche passiv ein wenig ab.
  • Sie sorgen für einen ausgewogenen Klang mit kräftigen Bässen.
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AirPods Pro: Das sind Apples neue Kopfhörer

Ob die Passstücke richtig sitzen und gut abschirmen, kann man einem "Passtest für Ohreinsätze" in den Einstellungen prüfen. Dafür wird ein kurzes Musikstück eingespielt und mit dem Innenmikrofon gemessen, ob die Abdichtung gut ist. Sollte das nicht der Fall sein, wird man aufgefordert, ein anderes Ohrpassstück auszuprobieren.

Wie still wird es?

Die Geräuschunterdrückung funktioniert ähnlich wie bei anderen Kopfhörern. Je ein Mikrofon außen am Kopfhörer und eines innen messen die Umgebungsgeräusche, die beim Ohr ankommen. Anhand dieser Daten erzeugen die AirPods Pro ein Gegengeräusch, das die Außengeräusche im Idealfall auslöscht, also unhörbar macht. 200 Mal pro Sekunde wird dieser Vorgang wiederholt.

Beim Test in Apples Münchner Hauptquartier funktionierte das beeindruckend gut, Unterhaltungen im Umfeld waren nichts mehr zu hören. Um eine realistische Anwendung zu simulieren, spielten wir Straßengeräusche - ja, so etwas gibt es bei Apple Music - über einen HomePod ab. Zu hören war davon mit dem AirPods Pro nichts mehr. Allerdings schirmte ein Paar zum Vergleich herangezogene Bose QC35 bei lauten Geräuschen etwas besser ab als Apples neues In-Ohr-Headset. Abzuwarten bleibt, wie sich die AirPods Pro beim Rückflug nach Hamburg schlagen, wenn es darum geht, das Dröhnen der Triebwerke auszublenden. Diesen Erfahrungsbericht liefere ich nach.

Der Klang wird angepasst

Schon aufgrund ihrer Bauweise mit den Gehörgang verschließenden Ohrpassstücken dürften die neuen AirPods besser klingen als ihre Vorgänger. Anders als herkömmliche AirPods greifen die Pro-Modelle allerdings auch aktiv in die Klanggestaltung ein: Ein sogenannter adaptiver Equalizer passt die Wiedergabe von Mitten und Bässen an die Ohrform des Nutzers an. Apple nutzt dazu dasselbe Mikrofon im Inneren der Ohrhörer, das auch für die Geräuschunterdrückung verwendet wird.

Das Ergebnis ist ein warmes, ausgewogenes Klangbild mit kräftigen, aber keinesfalls überbetonten Bässen, die außergewöhnlich weit heruntergehen. Apple spricht von einen Basswiedergabe bis in den Bereich von 20 Hertz. In Quincy Jones' "Summer in the City" hört man den Bass deshalb ausgesprochen weich und fett. Das tiefe Bass-Solo in " Giorgio Moroder" von Daft Punk, an dem viele Kopfhörer scheitern, kann man Note für Note wahrnehmen.

Ähnlich gut sieht es mit den Mitten aus, die warm wiedergegeben werden. Das klingt schön, aber manchmal auch zu schön: Die verzerrte Telecaster in Radioheads "Creep" etwa kommt dadurch weniger harsch und kratzig ans Ohr, als man es gewöhnt ist.

Unterhaltungen mit Kopfhörern in den Ohren

Will man trotz Geräuschunterdrückung mit jemandem sprechen oder beispielsweise beim Fahrradfahren den Verkehr hören können, schaltet man den sogenannten Transparenzmodus ein. Der sorgt dafür, dass man seine Umgebung trotz AirPods akustisch wahrnimmt. Bei Samsungs Galaxy Buds heißt die entsprechende Funktion deshalb auch schlicht "Umgebungsgeräusche".

Eingeschaltet wird der Transparenzmodus entweder durch einen langen Fingerdruck am AirPod Pro, über das iPhone oder an der Apple Watch. Der Effekt ist sehr angenehm, sodass man sich tatsächlich unterhalten kann, während man mit Geräuschunterdrückung Musik hört. Merkwürdig wirkt es auf das Gegenüber natürlich trotzdem, wenn man sich mit Kopfhörern in den Ohren unterhält.

Im Alltag wichtiger ist, dass die AirPods trotz akustischer Abschirmung für einen Druckausgleich zwischen Ohr und Außenwelt sorgen. Verglichen mit anderen In-Ohr-Kopfhörern hat das zur Folge, dass man etwa beim Gehen oder Laufen seine Schritte nicht mehr dumpf im Ohr hört. Laut Apple sind die AirPods Pro zudem unempfindlich gegen Schweiß und Wasser. Wasserdicht sind sie allerdings nicht, taugen also nicht zum Musikhören beim Schwimmen. Ein Lauftraining im Regen sollten sie dagegen vertragen.

Preisabfragezeitpunkt:
29.10.2019, 12:25 Uhr
Ohne Gewähr

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Apple AirPods Pro

Fazit

Die AirPods Pro sind ein gelungenes Upgrade. Aufgrund der Silikonpassstücke und der aktiven Klangformung klingen sie besser als andere AirPods. Auch mit Sonys aktuellem Modell können sie es klanglich aufnehmen. Die Geräuschunterdrückung kann sich, gerade für In-Ohr-Kopfhörer, hören lassen. Allerdings kann sie es nicht ganz mit der von beispielsweise Boses Over-Ear-Kopfhörern aufnehmen. Die sind allerdings weit größer und auch teurer. Die AirPods Pro kosten 279 Euro.

Update:

Wie versprochen habe ich die AirPods Pro nach dem ersten Kurztest noch in einigen anderen Situationen ausprobiert, in denen man geräuschmindernde Kopfhörer benutzt. Hier die Ergebnisse:

  • Im Flugzeug schaffen Apples Kopfhörer es sehr gut, den Triebwerkslärm auszublenden. Schon auf dem Weg zur Startbahn aktiviert, war vom Dröhnen nichts zu hören, mit tiefen Frequenzen haben sie also kein Problem. Die Durchsagen der Besatzung waren jedoch noch leicht wahrzunehmen, wenn ich keine Musik gehört habe. Auf Langstrecken wird man die Ohrhörer allerdings unterwegs mehrfach im Lade-Case aufladen müssen, da ihre Laufzeit mit 4,5 Stunden angegeben wird.
  • Beim Radfahren mit aktivem Transparenzmodus konnte ich Musik hören, habe dabei aber trotzdem auch den Verkehr wahrgenommen, was der Sicherheit dienlich ist. Anders als bei vielen anderen Headsets, die ich ausprobiert habe, war nur ein leichtes Rauschen des Fahrtwindes hörbar.
  • Beim Laufen entfällt das dumpfe Dröhnen der eigenen Schritte, die bei den meisten anderen das Ohr versiegelnden Kopfhörern per Knochenschall ins Ohr dringen. Auch die eigene Stimme klingt natürlicher und nicht so dumpf, wenn man sich zwischendurch unterhält.
  • In der Hamburger U-Bahn lassen die AirPods Pro die Fahrgeräusche der Züge effektiv verschwinden. Hier fällt aber umso deutlicher auf, dass sie hohe, plötzlich auftretenden Klangereignisse nicht so souverän ausblenden wie das tiefe Rumpeln der Waggons, denn die Zugansagen waren auch ohne Transparenzmodus gut zu verstehen, wenn ich keine Musik gehört habe.
Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
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Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
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insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
Lotznag 29.10.2019
1. Kopfhörertest?
Ich verstehe einfach nicht, was bei solch einem etablierten Polit Magazin ein Kopfhörertest verloren hat? Ist das so revolutionär, das es einen Platz verdient hat? Wie oft hatten wir schon AirPod Test von Apple hier? Ok, wenn mal was wirklich neues Interessant ist, wie vielleicht der Beitrag davor über das Klapphandy von Samsung, das ist noch akzeptabel. Man wird nicht den Verdacht los, das aufgrund von solch vielen Apple Test irgendwas oder irgendwer kräftig von Apple gefördert wird. Gute Lobbyisten Arbeit, verlorenes Vertauen und Objektivität.
Stereo_MCs 29.10.2019
2.
Wow, zum ersten mal kann man AirPods und Earpods auch wirklich zum Musikhörern samt Bass gebrauchen. Wie viele gefühlt Jahrzehnte hat Apple für diese Einsicht gebraucht? Und bitte, der Song auf diesem Kunstwerk heißt: "Giorgio by Moroder"
derfriedenauer 29.10.2019
3. Geht's noch, nach München fliegen?
Wohl zu lange unter Kopfhörerabschluss Musik gehört, sonst hätte Mathias Kremp doch sicherlich schon mal was vom Klimawandel mitbekommen und der Maßgabe, nicht mehr innerdeutsch zu fliegen. Im ICE kann man Geräuschunterdrückung auch testen, richtig intensiv, sechs Stunden lang auf dem Weg nach Hamburg, und wesentlich umweltfreundlicher, als das im Flieger passiert. Es sei denn, Apple hätte die Tickets spendiert, dann hätte ich mir diese Information allerdings schon im Artikel gewünscht.
aysnvaust 29.10.2019
4. 280 Ücken für die Dinger..?!
Abgesehen davon, dass die nun nichts anderes gemacht haben als zum jahrzehntealten Standard aufzuschliessen (drei paar Silikonaufsätze), finde ich diesen Preis doch ziemlich - öhm - üppig. Sicher gibt es auch noch teurere Konkurrenten - aber eben auch sehr viel billigere Mitbewerber, die qualitativ gleichwertig sind. Meine Kabellosen haben vor eineinhalb Jahren knapp 100 Euro gekostet, und liefern mir einen (gefühlt) optimalen Sound und (tatsächlich) optimalen Sitz - auch beim Joggen. Die haben zwar keine "Aussengeräusch-Filter-Off" - Funktion, aber auch dafür habe ich eine Lösung gefunden: einfach einen aus dem Ohr nehmen. Call me stable genius.
treime 29.10.2019
5. Und nach 2-3 Jahren...
...schmeisst man die Dinger dann in die Tonne, weil die Akkus ausgelutscht sind. Interessiert ja keine Sau leider. 279€ Einweghörer. Super. Hauptsache ohne Kabel. Wie haben wir früher nur Musik hören können?
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