High-End-Projekt Apple arbeitet angeblich an 3000-Dollar-Datenbrille

Laut einem Medienbericht bereitet Apple seinen Einstieg in das Geschäft mit Computerbrillen vor. Das erste Modell soll ebenso beeindruckend wie teuer sein.
Diese Headsets stammen nicht von Apple: Computerbrillen bei einer Ausstellung in der Serpentine Gallery in London

Diese Headsets stammen nicht von Apple: Computerbrillen bei einer Ausstellung in der Serpentine Gallery in London

Foto: SIMON DAWSON/ REUTERS

Die Gerüchte um eine Datenbrille von Apple haben neuen Schwung bekommen. Das Nachrichtenportal »The Information « berichtete in der Nacht zum Freitag über neue Details zu dem angeblichen Zukunftsprojekt des iPhone-Unternehmens. Demnach wird das Hightech-Headset nicht nur technisch überaus anspruchsvoll, sondern auch sehr teuer.

Dem Bericht zufolge handelt es sich nicht um eine reine Virtual-Reality-Brille (VR), bei der die reale Welt komplett ausgeblendet und durch virtuelle Umgebungen ersetzt wird. Stattdessen entwickle Apple ein sogenanntes Mixed-Reality-Headset (MR), das auch vom Computer erzeugte virtuelle Elemente vor den Augen des Anwenders erscheinen lassen kann.

Technisch werden diesem Gerät absolute High-End-Features zugeschrieben. Demnach soll es mit zwei 8K-Display bestückt sein und seine Umgebung mit mindestens einem Dutzend Kameras und Lidar-Sensoren, ähnlich den in manchen iPads  und iPhones verbauten Sensoren, erfassen. Als Antrieb diene der Apple-M1-Prozessor, der auch in den neuen MacBooks steckt, heißt es, oder eine verbesserte Variante davon.

Apple investiert seit Jahren in Augmented Reality

Eine solche Technologie würde gut zu Apples jahrelangen Bemühungen passen, Anwendungen für sogenannte Augmented Reality (AR), also überlagerte Realität, auf iPhones und iPads zu etablieren. Mit einem Headset wie es »The Information« skizziert, könnte Apple diese Technologie theoretisch ein Stück weiter in den Alltag bringen.

Eine transparente MR-Brille, durch die man seine Umgebung normal sehen, sich zugleich aber auch Informationen einblenden lassen könnte, könnte es leichter machen, umgebungsbezogene Daten einfach mal zwischendurch zu nutzen. So könnte man sich Navigationsanweisungen oder Sonderangebote der Geschäfte, deren Schaufenster man gerade ansieht, einblenden lassen.

Das Preisschild-Problem

Praktisch dürfte diese Anwendung für die meisten Nutzer aber blanke Theorie bleiben, zumindest wenn die von »The Information« aufgeschriebenen Gerüchte wahr sein sollten. Denn mit einem Preis von bis zu 3000 Dollar – inklusive Einfuhrumsatzsteuer wären das in Europa rund 3600 Euro – wäre ein solches Gadget nur für eine Kundschaft mit prall gefülltem Portemonnaie bezahlbar.

Das Nachrichtenportal »Bloomberg « hatte diese These bereits im Januar vertreten und vermutet, die erste Version von Apples Headset werde bewusst als teures Nischenprodukt lanciert und sich auf VR konzentrieren. Eine besser für den Massenmarkt geeignete Variante mit einem Schwerpunkt auf AR soll deutlich später, »Bloomberg« spricht von frühestens 2023, kommen.

Kein Produkt für den Massenmarkt

Das Headset, so wie es »The Information« beschreibt, würde demnach weniger mit VR-Headsets für Endkunden wie der Oculus Quest 2, der Vive Cosmos oder der Lenovo Explorer konkurrieren, die für einige Hundert Euro erhältlich sind. Echte Konkurrenz wäre eher Microsofts HoloLens 2, deren Listenpreis mit 3849 Euro angegeben wird. Passend zum Preis positioniert Microsoft seine MR-Brille allerdings ausschließlich im professionellen Bereich und mit Anwendungen, die von den Kunden selbst entwickelt werden.

Ein solcher Ansatz passt kaum zu Apple. Mit seinen Angeboten strebt das Unternehmen seit Jahren einen zahlungskräftigen Massenmarkt an, der gute Margen ermöglicht. Eine 3000 Dollar teure MR-Brille könnte bestenfalls als Wegbereiter dienen, um Softwareentwickler zu motivieren, Apps zu entwickeln, die auf einer günstigeren Datenbrille laufen. Diese Apps könnten dann helfen, AR und MR zu einem Massenmarkt zu machen – irgendwann, in einigen Jahren.

Apple wollte die Gerüchte auf Anfrage nicht kommentieren. Das Unternehmen pflegt eine lange Tradition, sich aus solchen Diskussionen herauszuhalten und erst dann über seine Produkte zu sprechen, wenn es diese offiziell vorgestellt hat.

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