iPhones selbst reparieren Apple gibt es jetzt mit Schraubendreher

Wer will, kann iPhones und MacBooks künftig eigenhändig wieder instand setzen. Ersatzteile, Werkzeuge und Anleitungen gibt es dann direkt von Apple. Ganz selbstlos dürfte das Angebot nicht sein.
Reparatur eines iPhones: Künftig auch im Hobbykeller

Reparatur eines iPhones: Künftig auch im Hobbykeller

Foto: Eduardo Munoz / REUTERS

Wer schon immer einen Apple-Schraubendreher haben wollte, kann sich diesen Wunsch bald erfüllen. Zum Weihnachtsfest kommt das neue Angebot allerdings zu spät. Erst ab Anfang 2022 nämlich will der kalifornische Konzern es seinen Kunden ermöglichen, zumindest einige Reparaturen an einigen Produkten selbst durchzuführen. Am Mittwoch kündigte das Unternehmen dafür ein »Self-Service-Reparatur« genanntes Angebot an, das zunächst für die iPhones 12 und 13, später auch für Mac-Computer mit M1-Chip verfügbar sein wird.

Wer sich bei einem Schaden an seinem oder ihrem Apple-Gerät dazu entschließt, es selbst reparieren zu wollen, kann die dafür notwendigen Ersatzteile samt Reparaturanleitung und passendem Werkzeug künftig in Apples Onlineshop bestellen. Wie so oft bei Apple wird das Angebot anfangs nur in den USA verfügbar sein, soll im Laufe des Jahres aber auf weitere Länder ausgeweitet werden.

Zudem sollen den Kundinnen und Kunden anfangs nur die »am häufigsten gewarteten Komponenten« bereitgestellt werden, also etwa das Display, die Batterie und die Kamera der iPhones. Weitere Ersatzteile sollen später im Jahr verfügbar gemacht werden.

Komponenten eines iPhone 13 Pro nach dem Teardown durch iFxit

Komponenten eines iPhone 13 Pro nach dem Teardown durch iFxit

Foto: iFixit

Konkrete Preise für die Reparatur-Sets hat Apple nicht genannt. Allerdings sollen Endkunden für Apples Original-Ersatzteile genauso viel zahlen wie zertifizierte Apple-Service-Provider und unabhängige Reparaturanbieter. Diese Angabe lässt zumindest grobe Schätzungen zu. Für einen Batterietausch beim iPhone 12 etwa kassiert Apple pauschal 75 Euro , ein Display-Tausch wird mit 311,10 Euro in Rechnung gestellt . Hinzu kommt in beiden Fällen eine Versandgebühr von 11,90 Euro. Die Preise für einen Austausch-Akku oder ein neues Display dürften demnach unterhalb dieser Marken liegen. Kundinnen und Kunden, die ihre ausgetauschten Bauteile zum Recycling oder Refurbishment an Apple zurücksenden, bekommen dafür eine Gutschrift. Kosten für die Rücksendung entstehen ihnen nicht.

Für das US-Unternehmen ist das ein großer Schritt. Beim ersten iPhone war die Sim-Schublade noch das einzige Bauteil, das reparierbar im Sinne von austauschbar war. Die aktuellen Modelle hingegen sind immerhin so konstruiert, dass sie den Austausch mehrerer Komponenten ermöglichen. Das Reparaturportal iFixit lobte nach seinem Teardown  des iPhone 13 Pro, dass die meisten Komponenten modular und einfach zu erreichen oder zu ersetzen seien. Gleichzeitig kritisierten die Experten, dass die vielen unterschiedlichen Schraubentypen und Methoden zur Abdichtung Reparaturen erschweren. Insgesamt geben sie Apples Smartphone fünf von zehn möglichen Punkten für die Reparierbarkeit.

Die Politik will mehr Reparaturen ermöglichen

Das neue Angebot von Apple dürfte iFixit allerdings hart treffen. Das Unternehmen lebt selbst von dem Verkauf von Ersatzteilen und Werkzeugen, mit denen sich Smartphones, Spielkonsolen und andere Gadgets reparieren lassen. Und es setzt sich seit Langem dafür ein, Hersteller gesetzlich zu verpflichten, ihren Kunden das Reparieren ihrer Geräte zu ermöglichen .

In der EU gelten seit März 2021 verbindliche Regeln, die Herstellern vorschreiben, dass sie Ersatzteile vorhalten, Reparaturinformationen mitliefern und ihre Produkte generell so gestalten müssen, dass sie »mit herkömmlichen Werkzeugen zerstörungsfrei auseinandergebaut werden können.« Allerdings gilt das nur für Produkte wie Kühlschränke, Spülmaschinen, Waschmaschinen und Fernseher, nicht für Smartphones.

Aktuell dürfte für Apple allerdings eine »Executive Order« von Präsident Joe Biden wichtiger sein, in der er die Federal Trade Commission (FTC) auffordert, Regeln aufzusetzen, die Hersteller verpflichten, Reparaturen an ihren Geräten auch freien Werkstätten und Privatpersonen zu ermöglichen . Apple war einer solchen Regelung in Teilen schon vergangenes Jahr zuvorgekommen. Seither beliefert das Unternehmen auch freie Werkstätten mit Original-Ersatzteilen . Das nun angekündigte »Self-Service-Reparatur«-Angebot ist der nächste Schritt von Apple, um gesetzlichen Regelungen zuvorzukommen.

Für alle erhältlich, aber nicht für alle gemacht

Wer sich daran wagt, Geräte wie ein iPhone selbst zu reparieren, sollte sich allerdings der Risiken bewusst sein. Wer beim Austausch des Bildschirms das neue Display beschädigt, verliert nur einen Haufen Geld, wer dabei jedoch andere Bauteile beschädigt, verliert auch den Garantieanspruch auf diese Bauteile. Hilfreich kann es deshalb sein, sich erst die entsprechende Reparaturanleitung anzuschauen, bevor man Ersatzteile und Werkzeug bestellt. So kann man zumindest grob einschätzen, ob man sich der Aufgabe gewachsen fühlt.

Apple gibt sich jedenfalls keine große Mühe, seine Kundschaft zum Selbermachen zu motivieren. In der Pressemitteilung zum Start des neuen Angebots lässt das Unternehmen keinen Zweifel daran aufkommen, dass es dafür – anders als für seine übrigen Produkte – nur eine kleine Zielgruppe sieht: »Die Self-Service-Reparatur richtet sich an technikversierte Personen, die über das Wissen und die Erfahrung zur Reparatur von elektronischen Geräten verfügen«, Punkt.

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