Apple-Boss Steve Jobs tritt überraschend bei iPad2-Launch auf

Er hat ein Gespür für den großen Auftritt: Steve Jobs ist überraschend bei der Präsentation des neuen iPad2 in San Francisco aufgetreten - die Zuschauer feierten ihn mit stehenden Ovationen. Lesen Sie das Geschehen im Minutenprotokoll nach.

REUTERS

[20.12 Uhr] "One more thing"? Nein, das war's

Jobs klärt auf: Die Konkurrenz betrachte Tablet-Computer als den neuen PC-Markt. Das sei aber nicht der richtige Ansatz. Die Zeit der PC sei vorbei, die neuen Geräte müssten einfacher zu benutzen sein, intuitiver. Apple sei da auf dem richtigen Weg. Er kann es sich erlauben: Apple ist der mächtigste Technologiekonzern, noch vor Microsoft.

Eine weitere Überraschung - mit dem Auftritt von Steve Jobs hatte kaum jemand ernsthaft gerechnet - gibt es nicht. Jobs dankt seinen Mitarbeitern und deren Familien ... und das war's!

[20.07 Uhr] "Das Jahr des iPad2"

Steve Jobs fasst noch einmal zusammen: Schneller, leichter und dünner ist das iPad2, es hat Kameras, einen Gyroskop-Sensor. Es gibt ein neues iOS, FaceTime ist dabei, iMovie und Garageband gibt es extra. In den USA ist das UMTS-iPad bei AT&T und Verizon erhältlich. Die Batterielaufzeit bleibt gleich lang, die Preise bleiben gleich. Schwarze und weiße Oberfläche. Smart Covers. Zum Abschluss gibt es einen neuen Werbespot zu sehen.

[20.01 Uhr] Das Surf-Brett zeigt Gefühl

Bemerkenswert: Indem die Software den Beschleunigungsmesser des iPad2 auswertet, kann sie sogar feststellen, wie stark man virtuelle Tasten auf dem Display anschlägt. Das Resultat: Man kann die Instrumente ähnlich dynamisch spielen, wie auf einer echten Klaviatur. Dasselbe funktioniert mit Schlagzeug-Sounds.

[19.54 Uhr] iMovie und Garageband

Zeitgleich wird auch eine Version der Videoschnittsoftware iMovie herauskommen, mit der man seine Filmchen am iPad bearbeiten und auf Video-Webseiten wie YouTube hochladen kann. Der Preis: 4,99 Dollar. Und auch eine iPad-Version der Musiksoftware Garageband wird dann kommen, mit der man am Tablet Musik machen kann. Diverse Software-Instrumente, Synthesizer, Klaviere, Orgeln, Schlagzeuge und so weiter, sind eingebaut.

[19.47 Uhr] FaceTime

Was das iPhone schon kann, hat nun auch das iPad2 gelernt: Der mit Kameras aufgerüstete Tablet-Computer bekommt mit FaceTime eine Videochat-Funktion. Das von Macs bekannt Verfremdungstool Photobooth, mit dem sich Gesichter entstellen lassen, gibt es für das iPad 2.

[19.41 Uhr] Zeit für Details

Mit dem iPad2 kommt auch eine neue Version des Betriebssystems iOS. Es soll ab dem 11. März auch zum kostenlosen Download für das alte iPad, für iPhones ab 3GS und neuere iPod touch zur Verfügung stehen. Mit der Version 4.3 soll unter anderem JavaScript im Browser deutlich schneller sein. Mittels iTunes Home sharing lassen sich neuerdings Musik und Videos drahtlos übertragen. Zur Verbindung ins Internet kann auch ein iPhone 4 benutzt werden, das sich künftig als W-Lan-Hotspot einrichten lässt.

[19.29 Uhr] HDMI-Kabel extra

Als neues Zubehör ist ein HDMI-Kabel erhältlich, mit dem die Inhalte des iPad 2 auf einen Fernseher gebracht werden können - in HD-Qualität mit 1080p.

[19.27 Uhr] Magnetschutz

Smart Cover nennt Apple-Chef Jobs eine clevere Idee, die nicht rechtzeitig zum Start des ersten iPad fertig geworden war. Dabei handelt es sich um eine Abdeckung für das iPad, das nur von Magneten gehalten wird. Die Hülle lässt sich zusammenfalten - und dient dann als iPad-Ständer. Deckt man das iPad 2 mit der Abdeckung zu, versetzt es sich in einen Dämmerzustand und spart Strom. Gleichzeitig soll die Hülle mit Mikrofasern das Display von lästigen Schlieren befreien.

[19.25 Uhr] Gleicher Preis, erhältlich in den nächsten Tagen

In den USA soll das iPad 2 am 11. März erhältlich sein, in den Farben Schwarz und Weiß. Die Preise bleiben die des Vorgängermodells. Die Version mit 16 Gigabyte Speicherplatz und ohne UMTS-Empfangsteil kostet 499 Dollar. Zwei Wochen später soll es dann in 26 weiteren Ländern zu kaufen sein - für Deutschland ist Verkaufsstart also der 25. März.

[19.18 Uhr] Steve Jobs schrumpft die Wunderflunder

Das neue iPad heißt, wie vermutet worden war, iPad 2. Laut Jobs hat es ein komplett neues Design bekommen, innen wie außen: Das neue Tablet hat einen Dual-Core-Prozessor, eine bis zu neunmal schnellere Grafik, zwei Kameras eingebaut. Auch an der Form hat sich etwas getan: Das iPad 2 ist um ein Drittel dünner, misst 8,8 Millimeter. Ein aktuelles iPhone ist dicker. Und das neue iPad ist (ein wenig) leichter: 600 statt 680 Gramm.

[19.10 Uhr] Seitenhieb auf die Konkurrenz

Doch zunächst ein kleiner Rückblick: "2010 war das Jahr des iPad", sagt Jobs und zählt auf: 15 Million Geräte wurden im ersten Jahr verkauft, Apple hält 90 Prozent Marktanteil bei Tablet-Computern. 65.000 Apps gebe es für das iPad. Dann zieht er über die Konkurrenz her, die erst jetzt, ein Jahr später, mit "nachgemachten" Produkten startet - "vielleicht mit 100 Apps, da sind wir großzügig" - und die laut Jobs keine Chancen hat aufzuschließen.

[19.02 Uhr] Steve Jobs ist da!

Er macht es selbst. Steve Jobs führt durch die Präsentation des neuen iPad. Zuletzt hatte es Gerüchte um den Gesundheitszustand des Firmenchefs gegeben. Als er um zwei Minuten nach zehn Uhr (Ortszeit) in San Francisco die Bühne betritt, reißt es die Zuschauer applaudierend aus den Sitzen. "Wir haben einige Zeit an diesem Produkt gearbeitet und ich wollte diesen Augenblick einfach nicht verpassen", sagt Jobs.

Apple verkaufte 2010 15 Millionen iPads

Als Apple vor gut einem Jahr, Ende Januar 2010, das iPad vorstellte, prognostizierten skeptische Analysten eine Million verkaufte Geräte im ersten Jahr, die optimistischsten Schätzungen lagen bei 10 Millionen Verkäufen. Tatsächlich hat Apple den Analysten von BMO Capital Markets zufolge 16 Millionen Tablets abgesetzt - und dominiert den Markt, den es im Alleingang geschaffen hat.

Die Konkurrenz reagierte recht spät: Erst Anfang Februar 2011 stellte Google die neue Version seines Betriebssystems Android vor. Android 3.0, Codename Honeycomb (Honigwabe) ist auf die Anforderungen von Tablet PC zugeschnitten, hat in fast allen Bereichen aufgeholt.

Konkurrenz setzt auf Googles Tablet-System Android 3

Eines der ersten Tablets mit Android 3.0 ist das Xoom von Motorola. In den Vereinigten Staaten ist es schon erhältlich, in Deutschland wird es im April ausgeliefert und soll 700 Euro kosten. Beim ersten Test konnte das Xoom durchaus überzeugen. Allerdings ist Google App Store - der sogenannten Android Market - bei weitem noch nicht so gut gefüllt wie das Apple-Angebot.

Apple reiht ein beeindruckendes Sortiment auf, von Musik, Büchern, Filmen bis hin zu Anwendungen und Spielen bietet der Shop alles aus einer Hand. Auch hier muss die Konkurrenz aufholen. Google verhandelt angeblich mit den großen Musiklabels über die Rechte für einen eigenen Musikdienst, der Apples iTunes Konkurrenz machen soll.

Musikdienste und Medienhäuser hoffen auch echte iPad-Konkurrenz

Viele auf dem iPad beliebte Anwendungen wie das Tablet-Magazin "Wired" oder das Spiel "World of Goo" gibt es für Android - noch - nicht. Das dürfte sich aber bald ändern - Anbieter wie Dropbox, Evernote und Plaxo und Medienhäuser wie die "Financial Times" bieten längst Android-Anwendungen.

Und es dürften bald mehr werden, denn einige unabhängige Entwickler, Anbieter von Musikdiensten und Medienhäuser hoffen auf eine echte Konkurrenz für Apple auf dem Tablet-Markt. Der iPad-Hersteller hatte im Februar seine Regeln für Abo-Angebote in iPad- und iPhone-Anwendungen geändert: Demnach müssen alle Anbieter, die Abonnements für ihre Dienste auch außerhalb von Apples App Store verkaufen, Abo-Angebote zu denselben Konditionen auch über Apple vertreiben. Der gewichtige Unterschied: Im App Store würde Apple vom gleichen Kaufpreis 30 Prozent einstreichen.

Da Apple selbst Musik-, Video- und Digitalbuch-Downloads verkauft, ist die 30-Prozent-Regel wettbewerbsrechtlich interessant. Immerhin verschafft hier ein Unternehmen, dass die Hard- und Software und den Vertriebskanal für Dritte der iOS-Plattform kontrolliert, seiner Musikvertriebstochter einen Vorteil. Wenn alle Anbieter, die Musik, Videos und E-Books vertreiben, ihr Aboangebote mit 30 Prozent Abschlag bei Apple vertreiben müssen, hat der Apple-eigene Vertrieb womöglich einen Kostenvorteil.

Ob Apple mit dem iPad 2 seinen enormen Marktanteil bei Tablets halten kann, hängt also nicht allein von der Hardware ab. Wenn die Entwickler, Musikkonzerne und Medienhäuser unzufrieden genug mit Apples Geschäftsgebahren sind, werden sie den Android-Tablets bald ein Menge attraktiver neuer Anwendungen und Inhalte bescheren.

lis/jok/ore/mak



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