WWDC 2018 - Neues von Apple Siri ist bald vor Ihnen zu Hause

Ein Update, das alten iPhones neuen Schwung bringen soll. Komplexere Aufgaben für Siri - und vieles mehr. Apple konzentriert sich in seiner jährlichen Neuigkeiten-Show ganz auf Software. Und das ist gut so.
Tim Cook

Tim Cook

Foto: JOSH EDELSON/ AFP

Bei Apples Keynote ist auch diesmal alles wie immer: Der Himmel über Kalifornien leuchtet knallblau, das Publikum wartet stundenlang geduldig auf Einlass und das eigens von Apple für die Show installierte WLAN bricht schon eine Stunde vor Beginn zusammen.

Der Stimmung im Saal tut das keinen Abbruch. Die rund 6000 aus aller Welt zur Entwicklerkonferenz WWDC angereisten Programmierer und Journalisten sind gespannt, was ihnen Tim Cook und seine Kollegen aus der Chefetage des iPhone-Konzerns präsentieren.

Sie werden nicht enttäuscht. Fast eine Stunde lang widmet sich Entwicklungschef Craig Federighi allein dem neuen iOS 12, das im Herbst veröffentlicht werden soll. Zwar betont er zunächst, man werde sich bei der Entwicklung der Software vor allem darauf konzentrieren, die Software schneller und stabiler zu machen - dazu gehört auch, dass die neue Version auch auf allen Geräten laufen wird, auf denen schon iOS 11 funktioniert. Laut Federighi sollen es sogar ältere Geräte wie das iPhone 6 sein, die besonders von den Optimierungen profitieren, etwa durch kürzere Startzeiten von Apps.

Aber so ganz ohne neue Funktionen wird iOS 12 dennoch nicht daherkommen. Vielmehr erläutert Federighi im Anschluss eine Dreiviertelstunde lang Neuerungen, die das Update bringen wird. Eine davon erinnert an Funktionen, die Google gerade erst auf seiner i/o-Konferenz unter dem Motto "Digital Wellbeing" für die nächste Android-Version angekündigt hat.

Aber: iOS 12 liefert beispielsweise detaillierte Informationen darüber, wie und wofür man sein iPhone oder iPad den ganzen Tag benutzt. Die Funktion "Nicht stören" weiß dann, wann sie einen besser nicht mit Mitteilungen belästigt, also nachts oder beim Spielen mit den Kindern.

Dazu gehört aber auch, dass man Meldungen übersichtlicher gestalten kann, in dem man sie beispielsweise gruppiert, sodass sie den Bildschirm nicht zupflastern.

Bye bye Zollstock

Viele Neuerungen hat Apple bei seiner Augmented-Reality-Technik (AR) eingebaut. So beispielsweise ein neues Dateiformat, speziell für AR-Dateien. Das soll es ermöglichen, Objekte für AR-Apps leichter zu erstellen, beispielsweise in den Grafikprogrammen von Adobe, wie ein Manager des Grafiksoftware-Konzerns erklärte.

Zudem wird Apples-AR-Software um Multiuser-Funktionen erweitert. Ein Lego-Manager zeigt, wie man damit zu zweit an iPads mit virtuellen Lego-Bauklötzen spielen kann.

Beeindruckend ist die Vorführung einer Apple-App, mit der man durch die Kamera des Smartphones Gegenstände in drei Dimensionen vermessen kann.

Die Suchfunktion der Fotos-App wird um umfangreiche neue Fähigkeiten erweitert. So soll man damit beispielsweise nach bestimmten Geschäften, Gegenden oder Veranstaltungen suchen können, um die entsprechenden Fotos anzeigen zu lassen. Zudem kann die Software künftig erkennen, wer alles auf einem Gruppenbild zu sehen ist, um allen beteiligten eine Kopie zu schicken.

Memoji-Avatare

Memoji-Avatare

Foto: ELIJAH NOUVELAGE/ REUTERS

Zunge raus!

Die Funktionalität von Apples künstlicher Intelligenz Siri wird man mit iOS 12 besser als bisher an seine Bedürfnisse anpassen können. Apple führt dazu sogenannte Shortcuts ein. Das sind im Grunde Befehls-Abfolgen, die man per Siri-Kommando auslösen kann. Auf das kurze "Hey Siri, ich fahre jetzt nach Hause" hin könnte die Software dann in der Wohnung die Heizung und das Licht anmachen und einen Radiosender einstellen, der läuft, wenn man ankommt.

Großen Anklang beim Publikum finden zudem zwei weitere Vorführungen.

An Gruppen-Video-Chats mit FaceTime können sich bis zu 32 Personen beteiligen. Die Software zeigt dabei stets das Fenster der gerade redenden Person etwas größer an als die der übrigen Teilnehmer.

Viel amüsiertes Gelächter ernten Erweiterungen, mit denen Apple seine animierten Emojis, die sogenannten Animojis, aufwerten will. Die Software beherrscht künftig nicht nur Gesichts-, sondern auch Zungenerkennung, sodass man seine Mimik mit Zungenspiel erweitern kann. Zum anderen kann man künftig zusätzlich zu den mitgelieferten Figuren eigene Figuren nach dem Baukastensystem zusammenstellen.

Zu den weniger aufregenden Neuerungen gehört, dass es mit iOS 12 eine iPad-Version der Sprachmemos-App geben wird und dass die in Deutschland noch nicht verbreitete News-App in die Aktien-App integriert wird. Nur kurz wird erwähnt, dass die Auto-Software CarPlay künftig um Drittanbieter-Apps erweitert werden kann.

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Die besten Siri-Sprüche: "Miezekatze, Miezekatze, Miezekatze"

Ohne "Hey Siri": watchOS 5

Weit weniger Zeit widmet Apple der neuen Versionen seines Smartwatch-Betriebssystems watchOS. Dessen Version 5 wird vor allem eine neue Funktion mitbringen, die das Aufzeichnen von Workouts leichter machen könnte: Sie soll automatisch erkennen, wenn man Sport treibt und welchen Sport man treibt. Die Sportart manuell auszuwählen, ist damit also nicht mehr nötig. Zudem wird das Spektrum der Uhr um zwölf neue Sportarten wie Yoga und Wandern erweitert. Jogger werden mit Details wie einer Schrittfrequenzmessung und einem Tempo-Alarm geködert, der warnen soll, wenn man zu schnell oder zu langsam unterwegs ist.

Voll im Trend ist Apple mit der Integration einer Podcast-App auf seiner Smartwatch. Dem Publikum ist es auch einen Szenenapplaus wert, als auf der Bühne die Walkie-Talkie-Funktion von watchOS 5 demonstriert wird: Per Knopfdruck wird eine Sprachverbindung zwischen zwei Apple Watches hergestellt. Gut, um sich kurz auszutauschen. Im Alltag könnte sich aber vor allem eine Neuerung als sehr praktisch erweisen: Um Sprachkommandos zu geben, muss man künftig nicht mehr "Hey Siri" sagen. Stattdessen hebt man einfach den Arm und diktiert Siri seine Wünsche.

Craig Federighi

Craig Federighi

Foto: JOSH EDELSON/ AFP

Mit Dark Mode: macOS Mojave

Reichlich Raum bekommt im Anschluss das oft wenig prominent behandelte Mac-Betriebssystem macOS eingeräumt. Dabei stellt Software-Chef Federighi zunächst eine Funktion in den Fokus, die zwar hübsch aussieht und gerade sehr hip ist, ansonsten aber kaum praktische Vorteile hat: Das macOS Mojave genannte Update wird einen sogenannten Dark Mode mitbringen. Ist der aktiv, werden Bildschirmhintergründe und Fenster in dunklen Farben dargestellt. Interessant wird das in Kombination mit der Funktion Dynamic Desktop, die die Helligkeit des Bildschirmhintergrunds an die jeweilige Tageszeit anpasst.

Für mehr Ordnung auf dem Desktop sollen Stacks sorgen, virtuelle Stapel, auf die man zusammengehörige Dateien "stapelt"; sie klappen auf, sobald man drauf klickt. Abzuwarten bleibt, welche Vorteile diese Stapel gegenüber herkömmlichen Ordnern haben. Großen Jubel löst die Ankündigung aus, dass der Safari-Browser um eine weitere Schutzfunktion erweitert wird. Diese soll Tracking über Social-Media-Buttons verhindern.

Bemerkenswert ist, dass Apple vier von iOS bekannte Apps auf den Mac bringt: Sprachmemos, News, Aktion und die Home-App. Erst kurz vor Ende der Keynote wird klar, dass diese Apps gleichzeitig einen Vorgeschmack auf ein neues Tool geben, das Apple 2019 Entwicklern bereitstellen will. Damit soll es in Zukunft möglich werden, iOS-Apps mit wenig Aufwand an macOS anzupassen. Das Ergebnis wäre, dass potenziell Hunderttausende iOS-Apps auch auf dem Mac laufen werden. Bis es soweit ist, werden aber noch mindestens eineinhalb bis zwei Jahre vergehen.

Auf die neue Software wird man so lange nicht warten müssen. iOS 12, watchOS 5, macOS Mojave und das auf der Bühne nur kurz erwähnte tvOS 12 sollen allesamt im Herbst veröffentlicht werden. Registrierte Entwickler hingegen können Vorabversionen der Software schon jetzt herunterladen. Für iOS 12 und macOS Mojave sind öffentliche Betaprogramme geplant, die im Juni beginnen sollen.