Neue Apple-Watches und iPads Drei Erkenntnisse aus der Apple-Show

Es fing rasend schnell an und ging auch so zu Ende: Kaum mehr als eine Stunde brauchte Apple, um ein halbes Dutzend neuer Produkte und Dienste vorzustellen. Wichtige Feinheiten offenbarten sich erst im Anschluss.
Führte durch eine Präsentation ohne Atempausen: Tim Cook

Führte durch eine Präsentation ohne Atempausen: Tim Cook

Foto: --- / dpa

Es war eines der bisher kürzesten Apple-Events. Nur eine Stunde und vier Minuten, nachdem Apple-Chef Tim Cook die Onlinepräsentation eingeleitet hatte, verabschiedete er sich auch schon wieder. Dazwischen lagen allerdings 64 Minuten Highspeed-Gadget-Entertainment, in denen Apples Manager etliche neue Produkte und Dienste vorstellte.

Dass iPhones nicht dabei sein würden, stellte Cook allerdings schon 130 Sekunden nach dem Beginn der Show klar, als er sagte, heute werde man sich auf die Apple Watch und das iPad konzentrieren. Auf die neuen iPhones und die ersten Macs mit Apple-Prozessoren wird man also noch etwas länger warten müssen.

Aber auch so war es alles andere als langweilig, was der iPhone-Konzern an diesem iPhone-freien Abend zeigte. Und das nicht so sehr, weil die neue Apple Watch Series 6 einen Sensor hat, der in nur 15 Sekunden bestimmen kann, wie hoch der Blutsauerstoffwert der Trägerin oder des Trägers der Apple Watch gerade ist. Diese Funktion bieten längst auch Hersteller anderer Smartwatches an. 

Apple Watch: Die Kinder immer im Blick

Was andere Hersteller nicht haben, ist eine Funktion, die Apple "Familienkonfiguration" nennt. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, per iPhone die Apple Watches anderer Familienmitglieder zu konfigurieren. Das sollen beispielsweise Eltern benutzen, um die Smartwatches ihrer Kinder einzustellen.

Die Möglichkeiten sind faszinierend und erschreckend zugleich. So kann man über eine derart konfigurierte Apple Watch nicht nur Nachrichten an das Kind senden, sondern auch dessen Standort orten. Wer will, kann noch einen Schritt weitergehen und sich automatisch informieren lassen, ob das Kind an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeit festgelegte Orte erreicht hat: Ist es morgens rechtzeitig in der Schule angekommen, nachmittags im Sportverein, abends beim Freund? Natürlich kann man das auch alles abschalten. 

Die neue Apple Watch SE: Viele Gemeinsamkeiten mit dem Topmodell

Die neue Apple Watch SE: Viele Gemeinsamkeiten mit dem Topmodell

Foto: APPLE/HANDOUT HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstock

Apple empfiehlt ohnehin, die grundlegenden Einstellungen zusammen mit der künftigen Nutzerin oder dem Nutzer der Uhr vorzunehmen, sodass er oder sie mitbestimmen kann, welche Daten seine Watch preisgeben soll. Grundsätzlich ist die Funktion für alle Personen verfügbar, die man über die Familienfreigabe zu einer Gruppe zusammenfasst, dazu könnte man auch die Großeltern einladen. Ebenso grundsätzlich lässt sich die Familienkonfiguration mit Apple Watches ab der Series 4 verwenden, also nicht nur mit den neuen Modellen. Ein LTE-Modul ist allerdings Voraussetzung, damit das klappt. 

Der Profi: Das neue iPad Air

Das neue iPad Air wirkt auf den ersten Blick wie ein iPad Pro, hat es doch dieselbe Gehäuseform bekommen, und kann jetzt auch den Apple Pencil und das Magic Keyboard benutzen, die bisher den teuren Profimodellen vorbehalten waren.

Was es aber wirklich besonders macht, ist, dass es das erste Gerät ist, in dem Apples neuer A14-Bionic-Prozessor seinen Dienst verrichten wird, der auch für die nächsten iPhones eingeplant ist. Mit seinen 11,8 Milliarden Transistoren lässt er den mit 8,6 Milliarden Transistoren bestückten A13 Bionic der letzten iPhone-Generation weit hinter sich und sollte für einen kräftigen Leistungsschub sorgen.

Ein Vergleich mit den in den aktuellen iPad Pro verbauten Chips ist aber nicht ganz so trivial. Deren A12Z-Chip verfügt nämlich auch über mehr als 10 Milliarden Transistoren. Letztlich werden nur direkte Vergleiche zeigen können, ob ein iPad Air mit dem neuen Chip einem iPad Pro mit dem älteren Chip wirklich überlegen ist - und wenn ja, um wie viel.

Nur mit Einschränkungen: Apple One 

Neben der Hardware zeigte sich einmal mehr, wie sehr Apple daran gelegen ist, seine Kunden in seinem Ökosystem zu halten. Nach iCloud, Apple Music, Apple TV+ und Apple Arcade folgt jetzt Fitness+. Das neue Angebot soll bewegungshungrige Anwender mit Video-Work-outs, die parallel auf iPhone oder iPad und Apple Watch laufen, ins Schwitzen bringen. In Deutschland wird das Heimsportangebot vorerst aber nicht verfügbar sein. Bevor das losgehen kann, müssen erst entsprechende Trainingsvideos auf Deutsch gedreht oder eingedeutscht werden.

Apple-Manager bei der Präsentation des Sportangebots Fitness+

Apple-Manager bei der Präsentation des Sportangebots Fitness+

Foto: APPLE INC. / AFP

Und auch von Apple One, dem neuen Apple-Services-Kombi-Abo, bekommt man hierzulande vorläufig nur die Sparvarianten. So kann man das Komplettpaket aus Apple Music, Apple TV+, Apple Arcade und 50 GB iCloud-Speicher ab dem Herbst für 15 Euro pro Monat für Einzelpersonen oder für 20 Euro pro Monat für die ganze Familie buchen. In den USA bietet Apple zusätzlich eine Variante mit zwei Terabyte Cloudspeicher an, doch die kann es in Deutschland nicht geben, weil dieses Angebot auch Apple News+ und Fitness+ enthält, die es hier nicht gibt. Wann sich das ändern wird, ist unklar, aber es könnte dauern.

Was allerdings nicht mehr lange dauern wird, ist, dass Apple nach der Highspeed-Show vom Dienstagabend eine weitere nachlegen wird, in der es dann wohl nur um iPhones und deren Zubehör gehen wird. Wann die stattfinden wird, hält Apple natürlich geheim. Anfang bis Mitte Oktober dürfte es so weit sein. Dann werden auch die ersten paar Millionen Exemplare der neuen Smartphones von den Fabriken geliefert werden können.

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