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Matthias Kremp

Geplante Produktshow Stell dir vor, es ist Krieg, und Apple zeigt neue iPhones

Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Matthias Kremp

Liebe Leserin, lieber Leser,

Apple zieht das durch. Trotz des Kriegs in der Ukraine will der US-Konzern am Dienstagabend neue Gadgets vorstellen. Natürlich wird das Unternehmen dafür kritisiert und natürlich kann man streiten: Ist dies der richtige Zeitpunkt für eine Neuheiten-Show? Jenseits aller Gerüchte um die Produkte, die Apples Manager in ihrem Videostream zeigen könnten, bleibt eine zweite große Frage: Wie wird sich Tim Cook zu Putins Angriffskrieg äußern?

Vergangene Woche hatte Apple die Verkäufe seiner Produkte in Russland ausgesetzt, seinen Bezahldienst Apple Pay und andere Dienste dort eingeschränkt, die Apps der russischen Staatssender RT und Sputnik aus App Stores außerhalb Russlands entfernt. In einer E-Mail an die Mitarbeitenden  erklärte Cook zudem, das Unternehmen werde alle über Hilfsorganisationen an die Ukraine gerichteten Spenden der Belegschaft im Verhältnis 2:1 aufstocken. Überdies wurden Echtzeit-Verkehrsdaten für die Ukraine in Apple Maps zum Schutz der Bevölkerung deaktiviert. Google hatte das in seinem Kartendienst auch getan.

Grafik in der Einladung zum Apple-Event

Grafik in der Einladung zum Apple-Event

Foto: Apple

Zwei Tage später verschickte das Unternehmen Einladungen zu seinem Event am 8. März. Der Titel diesmal: »Peek Performance«, ein Wortspiel mit dem Begriff »Peak Performance«, der für »Spitzenleistung« steht. In der deutschen Version der Einladung zum Event wird das als »Unsere Vorstellung von Performance« übersetzt.

Die Apple-Blogs sind sich einig, worauf das anspielen soll: auf ein neues iPhone SE und ein neues iPad Air, beide mit 5G-Mobilfunk. In der SE-Serie kombiniert Apple stets die Hardware älterer Modelle, die seit Jahren und daher günstig zu produzieren ist, mit neuen Prozessoren. Sie sind sozusagen die Cuvées unter den iPhones. Im aktuellen iPhone SE etwa steckt viel vom iPhone 8, kombiniert mit dem A13-Bionic-Chip des iPhone 11. Es ist derzeit das einzige Apple-Smartphone mit Fingerabdrucksensor.

Das – noch – aktuelle iPhone SE im Look des iPhone 8

Das – noch – aktuelle iPhone SE im Look des iPhone 8

Foto: Apple / dpa

Der renommierte Analyst Ming-Chi Kuo schreibt zwar, das neue Modell werde noch das alte Design übernehmen, doch das halte ich für unwahrscheinlich. Das neue iPhone SE dürfte eher im Look des iPhone 11 daherkommen, um von den Serien 12 und 13 unterscheidbar zu sein. Dafür wird es statt des Fingerabdrucksensors Apples Gesichtserkennung Face ID und verbesserte Kameras an Bord haben. Die große Frage bleibt, ob Apple den Preis senken wird, wie manche hoffen. Das günstigste SE ist mit 479 Euro derzeit kein Billigmodell.

Vom neuen iPad Air kann man erwarten, dass Apple dort auch den A15 einbauen wird. Bisher ist das iPad mini das einzige Apple-Tablet mit diesem Chip. Außerdem könnte das neue Gerät mit der Center-Stage-Funktion des iPad Pro aufwarten, welche die Kamera bei Videocalls auf die Person ausrichtet, die gerade spricht – auch wenn diese sich im Raum bewegt.

In Gerüchten ist zudem von einem neuen MacBook Pro mit einem ebenso neuen M2-Chip die Rede. Das halte ich eher für Wunschdenken. Realistischer scheint mir, dass ein neuer Mac mini auf dem Programm steht. Die Vorstellung des M2 wäre auf der Entwicklerkonferenz WWDC, die für Juni geplant sein dürfte, besser aufgehoben. Dort könnte sie mit einer Vorschau auf neue Profi-Macs einhergehen.

Die für alle iPhone-Nutzer wichtigste Ankündigung am Dienstagabend dürfte iOS 15.4 sein, das für alle Apple-Smartphones kostenlos verfügbar sein wird, auf denen eine frühere Version von iOS 15 läuft. Die Version 15.4 bringt einen besseren Schutz gehen Stalking mit AirTags, einen Schwung neuer Emojis und ein paar interessante technische Veränderungen unter der Haube mit.

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