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Apples neue iPhones: Dünner, schneller, sprachgewandt

Foto: David Paul Morris/ AFP

Apple-Gadgets Das iPhone 5 muss ein Gewinner sein - oder zwei

Am Dienstag wird Apple sein neues Smartphone enthüllen. Darüber, was es kann und wie es aussieht, ranken sich wilde Gerüchte, die nicht alle plausibel sind. Auf dem neuen Chef des Konzerns, Tim Cook, lastet hoher Erfolgsdruck - doch er könnte gleich zwei Asse im Ärmel haben.

Montag ist Feiertag und Dienstag auch - zumindest für Apple-Fans. Denn für Dienstagabend hat Apple eines seiner legendären "Special Events" angekündigt. Im Auditorium des Konzerns in Cupertino wolle man "iPhone sprechen", heißt es in der Einladung. Darauf hat die Branche lange gewartet, denn die Vorstellung eines neuen Apple-Smartphones ist längst überfällig.

Vieles von dem, was das neue iPhone ausmachen werde, hatte Steve Jobs, damals noch Chef des Konzerns, schon im Juni auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco verraten. Dabei ging es ganz um iOS 5, die neue Version des iPhone-Betriebssystems. Mit der wolle man einen neuen Cloud-Sevice namens iCloud einführen, der den Datenabgleich zwischen verschiedenen Geräten vereinfachen soll. Per iCloud sollen Fotos, die man geknipst oder Apps, die man gekauft hat, automatisch auf allen mit einem iCloud-Account verknüpften Geräten erscheinen.

Per iTunes Match soll zudem die Musiksammlung der Anwender mobil werden. Die Besonderheit gegenüber anderen Angeboten wie etwa Google Music ist, dass man die Musikdateien nicht mühselig und langwierig auf Apples Server laden muss. Stattdessen überträgt iTunes nur Informationen darüber, welche Songs man auf seiner Festplatte hat. Künftig soll man dann via iTunes auf Versionen jener Titel zugreifen können, die auf Apples Servern gespeichert sind. 25 Dollar pro Jahr will Apple für das Angebot kassieren, das mangels weltweiter Lizenzen der Plattenfirmen bisher nur für die USA angekündigt ist.

Warum Cupertino?

Obwohl Details wie diese schon seit Monaten bekannt sind, ranken sich weiter Gerüchte darum, was Apple nun wirklich auf seiner Dienstagsveranstaltung offenbaren wird. Rätsel gibt schon die Wahl der Veranstaltungsorts auf. Statt wie sonst üblich in San Francisco, lädt der Konzern in sein eigenes Auditorium im kalifornischen Cupertino ein. Statt mehrerer tausend passen dort nur wenige hundert Gäste hinein. Macht sich hier das Sparerherz des neuen Apple-Chefs Tim Cook bemerkbar? Durch die Verlagerung von Einkauf und Produktion nach Asien hatte er Apples Milliardengewinne in den letzten Jahren erst möglich gemacht.

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iPhone 5: Was Apples Einladung verrät

Oder will man einem Überraschungsgast die Anreise leicht machen? Würde Steve Jobs, der seinen Chefposten vor wenigen Wochen wegen Krankheit aufgegeben hat, auch nur für einen kurzen Augenblick die Bühne in Cupertino betreten, wären ihm die Schlagzeilen sicher. Einen solchen Extra-Schub könnte Jobs Nachfolger Cook, der bisher öffentlich kaum in Erscheinung trat, gut gebrauchen, wenn er Apples neue Gadgets enthüllt.

Der Erfolgsdruck ist hoch

Und diese Gadgets sollten es in sich haben. Bliebe es bei einer neuen Version des iPhone 4, würde der Konzern zum ersten Mal seit 2007 seinen Innovationsvorsprung einbüßen. Andere Handy-Hersteller bauen längst leistungsstärkere Prozessoren, größere Bildschirme und höher auflösende Kameras in ihre Smartphones ein.

Zudem steht Apple zum Weihnachtsgeschäft harte Konkurrenz gegenüber. Samsung hat für die zweite Oktoberwoche ebenfalls zu einem Event eingeladen. Gerüchten zufolge könnten die Koreaner ein neues Modell ihrer erfolgreichen Nexus-Baureihe vorstellen, auf dem bereits die Android-Version 4.0 laufen soll. Ende Oktober dann findet die Entwicklerkonferenz Nokia World statt, auf der vermutlich Nokias Windows-Handys vorgestellt werden.

Diesem Konkurrenzdruck werde der Konzern vermutlich gleich mit zwei neuen Modellen entgegentreten, lautet das derzeit am häufigsten anzutreffende Gerücht, einen Low-cost-Modell und einer vollkommen neuen Highend-Variante.

Low-cost-Modell iPhone 4S

Optisch vom aktuellen iPhone nicht oder kaum unterscheidbar, soll diese Variante als Einstiegsmodell dienen. Das wäre schlüssig, weil Apple auch jetzt neben dem iPhone 4 das billigere iPhone 3GS erfolgreich verkauft. In einigen Blogs ist die Rede davon, das neue Modell solle für 99 Dollar angeboten werden, was angesichts der aktuellen Preise kaum realistisch ist. Technisch würde sich ein iPhone 4S in folgenden Punkten vom aktuellen Modell unterscheiden:

  • Es hat einen schnelleren Dualcore-Prozessor.
  • Es hat eine bessere Kamera mit 8-Megapixel-Sensor.
  • Es hat einen neuen Mobilfunk-Chip, der mit allen Netzen klarkommt.
  • Es hat nur 8 Gigabyte Speicher

Highend-Modell iPhone 5

Viel spannender ist, was derzeit über das iPhone 5 verbreitet wird. Aus angeblichen Spionagefotos und Bildern neuer Schutzhüllen lässt sich derzeit folgendes zusammentragen:

  • Es wird dünner und sich keilförmig nach unten verjüngen.
  • Es hat einen größeren Bildschirm.
  • Es hat eine bessere Kamera mit 8-Megapixel-Sensor.
  • Es hat einen schnelleren Dualcore-Prozessor.
  • Es hat einen neuen Mobilfunk-Chip, der mit allen Netzen klarkommt.
  • Es hat bis zu 64 Gigabyte Speicher.

Und wann kommen sie?

Die Hoffnung, was auch immer Apple am Dienstagabend vorstellen wird, werde man am Mittwoch kaufen können, sollte man schnell wieder begraben. Die Software der neuen Geräte ist einfach noch nicht fertig. Vom iOS 5, das auf den neuen Geräten laufen soll, hat Apple seit Wochen keine neue Entwicklerversion mehr veröffentlicht. Von iTunes 10.5, das die Geräte zum Datenabgleich benötigen, wurde erst vor wenigen Tagen eine neue Betaversion  an Entwickler herausgegeben.

Das Timing lässt ahnen, dass weder iOS 5 noch iTunes 10.5 bis zum Dienstag fertig werden. Wahrscheinlicher ist, dass der Konzern nun letzte Vorabversionen an Entwickler verteilen wird. Die dürften dann feature-complete sein, also alle geplanten Funktionen enthalten. Bisher hatte Apple einige Highlight-Funktionen des neuen iOS offenbar nicht einmal mit seinen App-Entwicklern geteilt. Dazu sollen neuen Berichten zufolge eine erweiterte Spracherkennung und einige sprachgesteuerte Assistenzfunktionen gehören. Mit dem Verkaufsbeginn der neuen Geräte ist erfahrungsgemäß etwa zwei Wochen nach Verteilung der letzten Software-Versionen an Entwickler zu rechnen.

Dieser Versatz würde Apple einen Zeitpuffer verschaffen, der möglicherweise für ein unerwartetes Highlight noch benötigt wird: iTunes Match für alle. Das US-Portal Cnet  will erfahren haben, Apple-Manager stünden kurz vor dem Abschluss weltweit gültiger Abkommen mit Plattenfirmen und -verlagen für den Betrieb von iTunes Match.

Sollte ihnen dieser Vertragsschluss tatsächlich gelingen, hätte Tim Cook für den Abschluss seiner ersten Produktpräsentation als Apple-Chef ein Ass im Ärmel. Ein Ass, das er für seinen Einstand gut gebrauchen kann.

Ob er damit tatsächlich auftrumpfen kann, erfahren Sie am Dienstagabend bei SPIEGEL ONLINE. Wir werden live bei der Präsentation dabei sein.