Knallbunt, superschnell und gertenschlank Das kann Apples neuer iMac

Mit dem 24-Zoll-iMac versucht Apple seinen Desktop-Computer nach mehr als zwei Jahrzehnten neu zu erfinden. Ob das geklappt hat, zeigt unser Test.
Der neue iMac: Nicht einmal fingerdick

Der neue iMac: Nicht einmal fingerdick

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

In den letzten Jahren war es eigentlich ganz einfach, sich für ein bestimmtes iMac-Modell zu entscheiden. Das wichtigste Kriterium war dabei meist das zur Verfügung stehende Budget, denn das Design war seit Jahren kaum verändert worden. Für mehr Geld bekam man mehr Leistung, mehr Speicher, mehr Bildschirm.

Bei den neuen iMacs ist das anders: Für mehr Geld gibt es zwar mehr Speicher, aber die Leistung bleibt immer gleich, denn in allen steckt derselbe M1-Chip wie im neuen MacBook Pro, dem MacBook Air und bald auch dem iPad Pro. Was die Wahl trotzdem schwer macht, ist die Frage, in welcher Farbe man den Apple-Rechner haben möchte, denn zum ersten Mal seit 20 Jahren bietet Apple seine iMacs nicht mehr nur in Silber oder Schwarz, sondern in Rot, Grün, Blau, Orange, Pink und Purple, also Violett, an.

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iMac 2021

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit den neuen Farben hat der iMac auch ein neues Gehäuse bekommen, das zeigt, welche Möglichkeiten Apples M1-Chip den Designern eröffnet. Es ist weniger als zwölf Millimeter dick, damit schlanker als mein kleiner Finger und sieht auch besser aus. Ein Manko hat der edle Look allerdings: Das Display ist nur in seiner Neigung, nicht aber in der Höhe verstellbar.

Ein bisschen Puppentheater

Das Auspacken haben Apples Designer zu einem Erlebnis gemacht. Der Karton öffnet sich wie ein Puppentheater, nachdem man den Computer herausgenommen hat, öffnet man eine Klappe, hinter der das Zubehör – Kabel, Tastatur und so weiter – wie in einem Setzkasten drapiert ist. Auf dem Bildschirm des Rechners haftet eine Schutzpappe in der Farbe des jeweiligen iMacs. Apple ist bekannt für seine Liebe zum Detail.

Kein Plastik: Tragegriff des iMac-Kartons

Kein Plastik: Tragegriff des iMac-Kartons

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Bemerkenswert: In der Kartonage findet sich kein Stück Kunststoff. Alles ist aus Papier hergestellt, sogar der – ebenfalls in der Farbe des iMacs eingefärbte – Tragegriff.

Interessant ist auch das Stromkabel. Apples Entwickler haben Stecker und Buchse neu gedacht: Statt das Kabel einfach in den Rechner einzustecken, wird es von Magneten regelrecht in die Buchse gezogen. Das ist wichtig, weil die Strippe den Computer nicht nur mit Energie, sondern auch mit Daten versorgen kann, wenn man es so will.

Stromleitung und Datenkabel in einem: der magnetische Stecker

Stromleitung und Datenkabel in einem: der magnetische Stecker

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Dazu muss der Stecker aber korrekt ausgerichtet sein. Denn im Netzteil findet man eine Netzwerkbuchse über die der iMac statt per WLAN per LAN ans Internet angebunden werden kann, ohne dass man dafür ein zweites Kabel in den Computer einstecken muss. Die maximale Datenübertragungsrate ist mit einem Gigabit pro Sekunde (GBit/s) zwar nicht schneller als ein gutes WLAN, Kabelverbindungen sind aber oft zuverlässiger.

Aber mit vielen Kabeln will Apple den Look seines Schreibtischcomputers offenbar nicht verunstalten. Das mitgelieferte Zubehör – beim Testgerät Tastatur, Maus und TouchPad – wird per Bluetooth mit dem iMac gekoppelt. Für Geräte, die unbedingt Kabel brauchen, stehen auf der Rückseite vier identisch wirkende Anschlussbuchsen bereit. Zwei davon sind Thunderbolt-3-Buchsen, die auch USB 4, USB 3.1, DisplayPort und über Adapter DVI, HDMI, VGA und Thunderbolt 2 unterstützen. Die anderen beiden sind USB-3-Buchsen. Alle vier aber haben das USB-C-Format – um also etwa einen simplen USB-Stick anzuschließen, braucht man einen Adapter.

Eine Frage des Formats

Liegt genau zwischen Amateur- und Profiformaten: der 24-Zoll-Bildschirm des iMac

Liegt genau zwischen Amateur- und Profiformaten: der 24-Zoll-Bildschirm des iMac

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der Bildschirm liegt mit einer Diagonale von 24 Zoll genau zwischen den bisherigen Einstiegsmodellen mit 21,5 Zoll und den Highend-Versionen mit 27 Zoll. Während sich also normale Nutzer über den größeren Bildschirm freuen dürften, fragen Profi-Anwender schon jetzt, wann es den iMac mit M1-Prozessor auch in groß geben wird.

Die Auflösung von 4480 x 2520 Pixeln bezeichnet Apple als »4,5 K«, wohl weil sie zwischen 4K- und 5K-Auflösungen liegt. Hoch genug für dieses Format ist sie allemal, einzelne Bildpunkte konnte ich nur mit einer Mineralogenlupe sichtbar machen, mit bloßem Auge sind sie nicht zu sehen. Gut zu sehen ist dagegen, dass der Bildschirm beispielsweise beim Anschauen von Filmen auch in dunklen Bereichen noch Details erkennen lässt.

Mit einer Helligkeit, die Apple mit 500 Nits angibt, ist er zudem hell genug, um auch in einer hellen Umgebung noch ein gutes Bild anzuzeigen. In meinem Homeoffice, neben einem Wand- und direkt unter einem Deckenfenster, klappte das im Test jedenfalls gut. Angenehm ist dabei, dass man nicht manuell eingreifen muss, sondern ein Lichtsensor die Helligkeit automatisch regelt.

Das Schweigen der Lüfter

Hinsichtlich der Leistung gibt es über den iMac eigentlich nichts zu sagen, was nicht schon zum MacBook Pro gesagt wurde. Leistungsmessprogramme wie Geekbench attestieren dem All-in-one-Computer exakt dieselben Werte wie dem Apple-Notebook. Was auch nicht verwundert, schließlich sind beide mit demselben Prozessor bestückt, dem Apple M1.

Wenn man über lange Zeit an einem sehr anspruchsvollen Projekt, etwa 4K-Videoschnitt, arbeitet, könnten das größere Gehäuse und die womöglich stärkeren Lüfter des iMac einen Unterschied machen, weil sie den Prozessor besser kühlen können. Mir ist es während des einwöchigen Tests aber nicht gelungen, den Prozessor an seine Grenzen zu bringen.

Violett ist offensichtlich gerade Apples Lieblingsfarbe

Violett ist offensichtlich gerade Apples Lieblingsfarbe

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das mit der Musiksoftware Logic Pro X gelieferte Beispielprojekt von »Billie Eilish«, der Song »Ocean Eyes«, ringt dem Chip mit seinen 36 Tonspuren, von denen allein 24 Gesang sind, nur ein müdes Lächeln ab. Die Belastung der acht Rechenkerne steigt dabei kaum über 25 Prozent. Insofern kann ich nicht beurteilen, wie laut die Lüfter des iMacs sind, sollten sie mal anspringen.

Hören und gehört werden

Dass die Lüfter sich so still verhalten, sorgt freilich dafür, dass man besser hören kann, was die Lautsprecher produzieren. Und das ist zumindest beim Filmgucken eine volle Klangkulisse, was angesichts des schmalen Gehäuses erstaunt. Partytaugliche Lautstärken sollte man von den kleinen Lautsprechern aber nicht erwarten.

Ebenso wenig sollte man Apples Werbeversprechen trauen, dass die Mikrofone des iMac Studioqualität bieten. Ja, bei Videokonferenzen ermöglichen sie gut verständliche Sprachübertragung, und auch brauchbare Sprachnotizen lassen sich damit anfertigen. Trotzdem zeichnen sie noch zu viel vom Raum mit auf, sodass man leicht mal klingt, als säße man in einer Tonne. Die Webcam hingegen ist ein echter Fortschritt. Mit Full-HD-Auflösung und einigen Algorithmen, die im Hintergrund das Bild verbessern, sorgt sie bei Teams, Zoom, FaceTime etc. für einen sauberen Auftritt.

Fazit

Mit Apples Vorstellung, einen iMac könne man auch in der Küche oder dem Schlafzimmer gebrauchen, kann ich mich nicht anfreunden. Besser passt er ins Wohnzimmer, das Homeoffice oder die Studentenbude. Mit dem großen hellen Bildschirm und den erstaunlich kräftigen Lautsprechern eignet er sich als Computer für alles, egal ob Websurfen, Arbeiten oder Netflixen. Oder zum Videos schneiden, Bilder bearbeiten und Songs komponieren. Und weil er auf dem M1-Chip basiert, kann man auf ihm auch iPhone- und iPad-Apps benutzen, was mal mehr, mal weniger erfreulich ist.

Erfreulich ist jedenfalls, dass der neue iMac 20 Jahre nach den letzten bunten iMacs endlich wieder Farbe bekommt. Dafür geht ihm allerdings, anders als seinen frühen Vorgängern, bei der Arbeit die Puste nicht aus. Mein Testgerät war mit 16 GB Arbeitsspeicher und einer 512 GB SSD gut bestückt, ist mit einem Preis von 2264 Euro dann aber auch nicht gerade billig.

Das Basismodell ist mit 1449 Euro deutlich günstiger, aber auch abgespeckt. Dass der Grafikchip statt acht nur sieben Rechenkerne hat, dürfte kaum ins Gewicht fallen, dass die Tastatur ohne den Fingerabdruckscanner Touch ID und das Netzteil ohne Ethernet-Anschluss geliefert werden, schon eher. Bei Apple kann man beide zusammen für 76 Euro Aufpreis hinzubuchen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort