Apple-Tablet im Test Das kann das neue iPad Pro 10,5

Für das neue iPad Pro verspricht Apple mehr Leistung, mehr Speicher, mehr Bildschirm. Das hat allerdings auch seinen Preis. Wir haben das Gerät schon vor dem Verkaufsstart getestet.

Spon

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Als ich mit diesem Test begann, war mein erster Gedanke: "Jetzt habe ich ein Problem." Erstens, weil mein ganzes Zubehör für das vorherige iPad Pro nicht mehr an das neue, jetzt etwas größere Modell passt. Zweitens machte mir der Speicherplatz Sorgen. Apple hatte mir das Top-of-the-line-Modell zum Test zur Verfügung gestellt. Mit 512 Gigabyte (GB) Speicherplatz. Das ist doppelt so viel, wie in meinem Notebook steckt. Wie sollte ich den bloß sinnvoll ausfüllen?

Aber es gibt ja Wege und Möglichkeiten, dachte ich. Also erstellte ich in Apples Musik-App eine neue Playlist, die ich als "Alles von allen" titulierte. Kurz gefasst ist das eine Liste aller Songs, die in meiner Musik-Mediathek stecken. Nachdem das iPad sich über Nacht daran abgearbeitet hatte, zeigte es 13.473 Titel an. Dazu kamen noch 278 Videos, 11.230 Fotos und 152 Apps. Man sollte meinen, das würde reichen, um einen Mobilcomputer voll zu kriegen, der nur 6,1 Millimeter dick ist. Reicht aber nicht.

Selbst nach dieser Druckbetankung mit Daten zeigte mir das iPad Pro 10,5 noch 338 GB freien Speicherplatz an. Ich habe es also nicht einmal geschafft, den Speicher zur Hälfte auszulasten. Aber es ist eben ein "Pro"-Modell. Profis, die mit dem neuen iPad 4K-Videos, hochauflösende Fotos, 3D-Animationen oder große Musikprojekte bearbeiten wollen, dürften den großen Speicher besser ausnutzen als ich. Ihnen wird es wahrscheinlich auch leichter fallen, dafür die 200 Euro Aufpreis zu zahlen, die gegenüber dem Modell mit 256 GB Speicher fällig werden.

Wer mit dem iPad Pro 10,5 professionell arbeiten will, wird sich auch über die zusätzliche Leistung freuen, die der neue A10X-Prozessor liefert. Apple spricht von 30 Prozent mehr Prozessorleistung und 40 Prozent mehr Grafikleistung. Die Testsoftware Geekbench 4 zeigte sogar eine noch größere Leistungssteigerung an, sieht das neue iPad auf einer Höhe mit einem MacBook Pro und weit mehr als 30 Prozent schneller als seinen Vorgänger.

Allerdings ist die Testsoftware auch noch nicht an Apples neuen Prozessor angepasst. Wenn das geschehen ist, muss dieser Leistungstest wiederholt werden und könnte dann auch andere Resultate erbringen. Schnell ist das neue iPad Pro trotzdem. So schnell, dass ich keine App gefunden habe, die es auch nur ansatzweise an seine Grenzen bringen konnte. Aber das gelingt bis heute auch mit dem Vorgängermodell nicht. Das neue Modell hat also noch reichlich Reserven.

Das Display variiert seinen Rhythmus

Während die Leistungssteigerung des Prozessors also nur wenig spürbar ist, macht sich das neue Display deutlicher bemerkbar. Nicht so sehr, weil es größer ist, 20 Prozent mehr Pixel hat als sein Vorgänger. Das ist - man sieht es in der Fotostrecke - nur marginal sichtbar. Den Unterschied macht nicht die Größe, sondern die Geschwindigkeit aus. Die Bildwiederholfrequenz wurde auf bis zu 120 Hz gesteigert.

"Bis zu" ist hier eine wichtige Angabe, denn die hohe Frequenz verbraucht auch mehr Strom. Deshalb regelt der Bildschirm seine Bildwiederholfrequenz herunter, wenn gerade keine Höchstleistung gebraucht wird. Filme etwa zeigt er mit nur 24 oder 25 Bilder pro Sekunde an.

Die vollen 120 Hz machten sich im Test vor allem beim Scrollen in einer Textverarbeitung und auf Webseiten bemerkbar. Die angezeigten Inhalte wirken selbst bei schnellem Scrollen immer noch scharf. Auch bei Actionspiele wie "AG Drive" und "Real Racing 3" dürfte die hohe Bildwiederholfrequenz einsetzen, einen deutlichen Unterschied zum Vorgängermodell konnte ich dabei aber nicht feststellen.

Nichts Neues beim Akku

Deutlicher macht sich die neue Kamera bemerkbar. Wobei die so neu eigentlich nicht ist. Apple baut hier dieselbe Fototechnik ein wie ins iPhone 7, also eine 12-Megapixel-Kamera mit optischem Bildstabilisator. Die Testfotos, die ich damit gemacht habe, waren gut bis sehr gut. Trotzdem würde ich ein iPad immer noch nicht als Fotoapparat benutzen, dafür ist es zu groß und unhandlich.

Die Abmessungen haben sich gegenüber dem iPad Pro 9,7 nur um wenige Millimeter verändert, das Gewicht ist mit 477 Gramm gut tragbar. Das kann man immer mit in die Tasche stecken, ohne dass es stört. Auch die Akkuleistung hat sich gegenüber dem Vormodell nicht spürbar verändert. Ein Video in Dauerschleife spielte mein Testgerät mehr als achteinhalb Stunden lang ab, bevor es sich wegen Energiemangels selbst abschaltete. Bei anspruchsvolleren Apps, die Prozessor und Bildschirm stärker fordern, muss man da allerdings deutlich Abstriche machen.

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Sehr gute Kamera

Sehr gut verarbeitet

Umfangreiche technische Ausstattung

Sehr hohe Leistung

Hohe Aufpreise für mehr Speicher

Zubehör teuer

Fazit

Das iPad Pro 10,5 ist für die Zukunft gebaut. Apple selbst wird nicht müde zu erklären, dass es seine volle Leistung erst mit iOS 11 entfalten wird, also Ende des Sommers. Aber auch dann dürfte es noch Jahre dauern, bis Prozessor und Grafikchip an ihre Grenzen kommen. Einen besseren Tablet-Computer wird man derzeit nicht bekommen.

Preiswertere dagegen schon. In der Grundausstattung mit 64 GB kostet das neue Apple-Tablet 729 Euro. Durch Speicher-Upgrades und LTE-Funktion kann man den aber noch kräftig in die Höhe treiben. Voll bestückt mit 512 GB und LTE-Chips werden 1209 Euro fällig. Gönnt man sich dann auch noch einen Apple Pencil und das Smart-Keyboard (siehe Fotostrecke), stehen fast 1500 Euro auf der Rechnung.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
cor 12.06.2017
1. Bisschen oberflächlich...
Naja. Eher oberflächlicher Test und was Herr Kremp mit der Datendruckbetankung genau aussagen wollte, versteh ich auch nicht. Immerhin ist das Produkt richtig interessant meiner Meinung nach. Gegenüber einem iPad Air 2 wurde hier doch ein deutlicher Schritt nach vorne gemacht.
cave100 12.06.2017
2. schön
Was bin ich froh, dass ich solche Probleme nicht habe. Ich habe kein Gerät von Apple und werde mir nie eines kaufen. Keine mir bekannte Firma, verarscht seine Stammkunden (Suchtfans) derart wie Apple. In bestimmten Abständen kommt immer wieder die gleichen Produkte in "verbesserter" Ausführung auf den Markt. Meistens passt dann das Zubehör nicht mehr, so dass dieses wieder zugekauft werden muss. Wie blöd muss man eigentlich sein.
raicen 12.06.2017
3. Test?
Ohne dem Verfasser zu nahe treten zu wollen, aber diesen "Test" hätte ich auch selbst - ohne das neue iPad je in der Hand gehabt zu haben - schreiben können. Hilfreicher Inhalt gleich null. Es hat viel Speicher, es ist etwas schneller und halt teuer. Danke für diese überragenden Erkenntnisse...
he_dd 12.06.2017
4. Und wozu?
Die Screenshots zeigen es: Eine reine Maschine für den Zeitvertreib; nur Daddel-Apps sind installiert. Ernsthafte; längere Texte schreiben? Office-Anwendungen? Wie denn mit einem tastaturlosen Etwas mit abgeschotteter iOS-Welt? Die Fotos sind super, aber das Gerät wegen Unhandlichkeit nicht als Knipse zu gebrauchen. - Trotzdem gibt es vom Autor dafür einen grünen Pluspunkt. Logisch! In der Grundausstattung für 729 € + Stift für 109 (!) € und Tastatur für 179 €. Verrückt.
zeichenkette 12.06.2017
5. Richtig interessant wird das erst mit iOS 11
Das wird dann nämlich schon deutlich brauchbarer als tatsächlicher Computerersatz in vielen Fällen. Und man muss ja auch nicht dieses teure und immer noch zu kleine Tastaturcover benutzen, eine normale Hülle mit Aufstellfunktion und eine "richtige" BT-Tastatur sind garantiert angenehmer am Schreibtisch, wenn man mal viel tippen will (und MS-Office gibt es ja schon länger für das iPad). Zusammen mit dem Dateimanager von iOS 11, der auch iCloud, Google Drive, Dropbox und die MS-Cloud unterstützt, hat das Ding für viele Zwecke durchaus Potential. Und ein Tablet, das Filme tatsächlich mit der richtigen Anzahl von Bildern pro Sekunde abspielen kann (24/25) anstatt das ruckelnd passend zu rechnen (sieht man oft bei einem langsamen Kameraschwenk), ist auch einzigartig. Naja, billig ist der Spass nicht, aber man dürfte damit ein paar Jahre Ruhe haben.
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