Präsentation in New York Das können die Neuen - iPad Pro und MacBook Air ausprobiert

Leichter, leistungsstärker - und teurer: Apple hat in New York das neue iPad Pro und MacBook Air vorgestellt. Was können die Neuen? Wir haben sie ausprobiert.

SPIEGEL ONLINE

Aus New York berichtet


Es ist viel leichter geworden - und deshalb wird die Entscheidung künftig schwerer. Gemeint ist das neue iPad Pro mit 12,9-Zoll-Display. Bisher war meine Einstellung zu Apples Riesen-iPad klar: Toller Bildschirm, schönes Gerät, aber viel zu groß und zu schwer, um es mit mir herumzutragen. Deshalb habe ich bisher kleinere iPads bevorzugt. Das neue XL-iPad aber ist um rund ein Viertel kleiner und leichter als sein Vorgänger.

Das macht sich bemerkbar. So sehr, dass ich es zuerst für das neue 11-Zoll-Modell halte, als ich es von einem Tisch in der sogenannten Hands-on-Area anhebe. Die Hands-on-Area ist ein Bereich neben dem Veranstaltungsort in New York, in dem ich die neuen Geräte zum ersten Mal selbst ausprobieren kann, gemeinsam mit Hunderten anderen Journalisten aus aller Welt. Und dabei gilt mein Interesse zuerst dem scheinbar geschrumpften großen iPad.

Das neue iPad Pro mitsamt dem magnetisch haftenden Apple Pencil
REUTERS

Das neue iPad Pro mitsamt dem magnetisch haftenden Apple Pencil

Der erste Eindruck: Es erinnert mich an das iPhone 4, bloß in viel größer. Denn der Rahmen ist nicht schön gerundet, wie bei den Vorgängern. Stattdessen bilden Rahmen, Bildschirm und Rückseite ein System aus rechten Winkeln. Ganz wie damals bei Apples Smartphone. Das ist zunächst ungewohnt. Ein Kollege sagt, er habe zudem das Gefühl, das Material fühle sich weniger hochwertig an als bisher. Ich kann das nicht nachvollziehen, vielleicht liegt auch das nur an der neuen Form.

Der Bildschirm macht einen ebenso guten Eindruck wie beim Vorgänger, Leistung ist durch den neuen A12X Bionic-Prozessor sowieso im Überfluss vorhanden. Wie soll man die bloß ausnutzen? Ein paar Beispiele zeigt Apple in der Hands-on-Area: 4K-Videobearbeitung, echtes Adobe Photoshop, Augmented Reality, 3D, Highend-Fotobearbeitung.

Vieles davon funktioniert nur, weil Apple den alten Lightning-Anschluss durch eine USB-C-Buchse ersetzt hat. Es wird gezeigt, wie man daran hochauflösende externe Bildschirme, teure Profikameras und Audioequipment anschließt. Dass man per USB-C außerdem auch sein Smartphone am iPad aufladen kann, wird nur am Rande erwähnt. Da gibt es einiges auszuprobieren.

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iPad Pro, MacBook Air, Mac mini: Die Neuen von Apple

Der neue Apple Pencil

Das gilt auch für den neuen Apple Pencil. Der digitale Zeigestift haftet jetzt magnetisch an der Längsseite der neuen iPads und wird dabei praktischerweise aufgeladen. Einen Stecker wie bisher hat er nicht mehr. Weil seine weiße Außenhülle jetzt matt lackiert ist, wirkt er griffiger. Das Beste am neuen Pencil: Man kann seine Funktion mit einem doppelten Fingertipp auf seine Seite umschalten. Zum Beispiel von Schreiben auf Radieren. Das Blödeste am neuen Pencil: Mit 135 Euro ist er deutlich teurer als der Vorgänger.

Spaß macht beim Ausprobieren auch die Porträtfunktion der Selfie-Kamera. Genau wie in den neuen iPhones nutzt sie den Tiefensensor der Gesichtserkennung Face ID, um den Hintergrund verschwimmen zu lassen, was ziemlich gut aussieht. Wie gut Face ID an sich am iPad Pro funktioniert, werde ich erst mit einem richtigen Testgerät ausprobieren können.

Das neue MacBook Air

Das neue MacBook Air
JUSTIN LANE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Das neue MacBook Air

Zehn Jahre lang hat Apple sein MacBook Air fast unverändert hergestellt und seit mindestens fünf Jahren stehen fast immer dieselben Dinge auf der Wunschliste der Fans dieses einst wegweisenden Rechners: höher auflösender Bildschirm, moderne Anschlüsse und schnellere Prozessoren. Es scheint, als habe Apple bei den neuen Modellen exakt diese Wunschliste abgearbeitet. Das neue Display bietet endlich eine sogenannte Retina-Auflösung. Die ist etwa vier Mal höher als beim Vorgänger und sorgt dafür, dass Pixel nicht erkennbar sind, Farbverläufe und Linien viel feiner dargestellt werden. So jedenfalls die Theorie. Auf den ersten Blick sieht es auf gut aus, aber was es wirklich bringt und wie sehr es sich vom Display eines fast zehn Jahre alten MacBook Air unterscheidet, wird erst ein Test zeigen können.

Konfliktpotenzial sehe ich auf jeden Fall bei der neuen Tastatur. Die basiert auf derselben ultraflachen Butterfly-Technik, mit der auch die Tastaturen im MacBook Pro gebaut werden. Die sparen zwar ein paar Millimeter Platz, sind aber nicht jedermanns Sache, weil sie sich hart anfühlen, kaum Spiel haben und beim Schreiben laut klackern.

Einen Schritt nach vorne hat offenbar das Soundsystem gemacht. Als ich mir das MacBook Air noch einmal in einem Hinterzimmer anschaue, rufe ich auch ein Video auf. Der Sound, den das Gerät dabei produziert, ist für einen so kleinen Apparat erstaunlich gut.

Aus alten iPhones gebaut

Apple sagt, der CO2-Fußabdruck des neuen Modells sei nur noch halb so groß wie bisher. Denn das Aluminium, aus dem das neue MacBook Air gebaut wird, werde vollständig aus recyceltem Metall gewonnen, sagte Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation am Dienstag. Auf Nachfrage erklärte ein Manager des Unternehmens, das Recyclingmaterial stamme komplett von Apple-Geräten. Also dienen alte und defekte MacBooks, iPhones und iPads als Rohstoff für neue.

Zudem dürften dem Prozess Metallreste aus der Produktion zugeführt werden. Angesichts der Umweltbelastung, die die Herstellung von Aluminium bedeutet, ein sinnvoller Schritt. Und wahrscheinlich auch ein lohnenswerter, denn das Recyclingmetall dürfte Apple weniger kosten als neues aus einer Aluminiumhütte.

Billig kann Apple nicht

Billiger ist das MacBook Air erwartungsgemäß nicht geworden. Mindestens 1349 Euro muss man zur Hand haben, um das kleinste Modell zu kaufen - das sind 250 Euro mehr als für das bisherige Modell. Mit viel Speicher kann man dafür aber auch bis zu 3089 Euro ausgeben.

Noch drastischer wird es beim iPad Pro. Das 11 Zoll-Modell kostet ab 879 Euro, das 12,9-Zoll-Modell ab 1099 Euro. In Vollausstattung, also mit einem Terabyte Speicher, LTE-Modul und Apple-Care-Paket werden es aber bis zu 2238 Euro. Dafür dürften sich nur Profis interessieren. Das 10,5 Zoll große Vorgängermodell ist eine preisliche Alternative. Mit 64 GB kostet es ab 729 Euro, für die LTE-Version werden ab 889 Euro fällig. Billig ist es damit auch nicht, aber eine günstige und keineswegs veraltete Alternative zu den neuen Modellen.

Nur zur Erinnerung: billig kann Apple nicht. Und will es auch nicht sein.



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Seite 1
2cv 31.10.2018
1. Qualität der Berichterstattung sinkend...
Natürlich ist es toll, wie schön doch weniger oder mehr abgerundete Ecken sind. Verstehen Sie mich nicht falsch - ich nutze selbst beruflich ein iPad Pro 12,9" im "Vollausbau" (max. mgl. Konfiguration). Was aber nach all den ach so tollen haptischen Erlebnissen wirklich zählt, ist, was anschließend auf dem Device möglich ist. Ich bin in erster Linie im Office-Umfeld unterwegs, kein Multimedia-Professional (natürlich nutze ich Videoschnitt-Apps wie beispielsweise LumaFusion oder im Musik-Bereich "Novation Launchpad" für amateurhafte Sampling-Experimente und "Garageband" in Kombination mit meinem externen Keyboard). Im Office-Umfeld haben die Apps massive Schwächen - beispielsweise können Sie in PowerPoint kein "Suchen - Ersetzen" (Copy-Paste) ausführen: die Funktion gibt es schlichtweg nicht. Sie können auch keinen "Slidemaster" editieren. Mal eben unterwegs Präsentationen des "Kunden 1" auf "Kunde 2" adaptieren: nicht auf die Schnelle möglich. Excel hat keine wirklich gut funktionierende Unterstützung für Generierung neuer Pivot-Tabellen. Sie können nach wie vor keine eigenen Schriftfamilien direkt installieren, sondern müssen hoffen, daß eine App die Nutzung von "Anyfont" unterstützt. Somit bleibt vieles bei der Nutzung von z.B. Citrix, also einer Art Remote Desktop Verbindung zu einem Terminalserver, auf dem dann die Arbeit gemacht werden kann. Was wiederum bedeutet - Sie müssen online sein können (in deutschen Bahnen oder im Flieger damit unmöglich). Ich habe gerade in eine Reihe von Lightning Adaptern für z.B. VGA und HDMI Unterstützung investiert - die müssten nochmal alle neu angeschafft werden. Auch ist die Nutzung von Kartenlesern z.B. für die "Bestückung" von anderen Geräten (eine Präsentation oder ein Movie muss auf einen Messe-Präsentations-PC überspielt werden) mit dem iOS Gerät nach wie vor nahezu unmöglich. Drucken über das Firmen-WiFi vom iPad direkt auf den Etagendrucker? Unmöglich aus den nativen Apps, geht de facto nur über Citrix... Fazit: für den Standard-Office-User ist und bleibt das iPad deutlich hinter den Erwartungen, zumeist aus Gründen deutlich abgespeckter Funktionsumfänge der Office-Apps bzw. -Integration. Diese Erfahrungsberichte fehlen völlig in der Darstellung bei SpOn - der "Apple-Jünger" läßt sich jedesmal klar erkennen - sollten aber den anderen Lesern hier zur Entscheidungshilfe dienen. Lasst Euch nicht von Optik "blenden" - nur Usability zählt!
Georg E. 31.10.2018
2. Nur wieder iTOYS präsentiert
Ich habe bis heute gezögert umzusteigen. Ich benutze seit 1992 Macs beruflich und bin nun gezwungen auf Windows umzusteigen. Ich hatte gehofft das apple endlich einen echten modularen MacPro rausbringt. Aber es geht hier wieder nur um Hipsterspielzeuge und nicht um Computer für Bild, Video oder CGI. Schade Apple, mich kotzt es jetzt schon an bald an einer DELL- oder HP-Workstation sitzen zu müssen. Wenigstens mein 17" MacBook bleibt mir um private Webgeschichten und so auf dem Sofa zu erledigen. Aber selbst MacBooks könnt ihr nicht mehr. 13" Mäusekinos und euch geht einer ab wenn es mal wieder 1mm dünner geworden ist. Stattdessen keine Schnittstellen mehr. Selbst die Ethernetbuchse habt ihr geopfert, damit der Schreibtisch mit überteuerten Adaptern vollgemüllt ist. Nein ich betreibe hier kein Applebashing was ja einige kritiklose Fans reflexartig als erstes anführen, wenn man wagt die Hardware von Apple zu kritisieren. Apple betreibt dagegen User-bashing indem es mit seinen aktuellen Produkten diejenigen verhöhnt die damit Geld verdienen wollen. Schade, ab diesem Jahr gehöre ich nach 25 Jahren Apple wohl zur Windowsfraktion. Bill! Bilde dir nichts drauf ein, es wird keine Liebesheirat!!!! Aber meine wahre Liebe verachtet leider meine Bedürfnisse....
Onkel Drops 31.10.2018
3. lightning war wie firewire
nützlich und funktionsfähig. USB von 1.0-3.1 inkl diverser Stecker das Gegenprodukt. gepaart mit Lizenzkosten! plus Verbreitung des Formates am Markt haben. lightning und firewire, viel Licht aber der Knaller blieb USB konform als Industriestandard. leider kann man Apple Produkte nicht wirklich vergleichen. deren gute Qualität ist nachteilig ans OS gekoppelt, man kann ein MacBook direkt neben ein xyzLaptop stellen und beide bspw. mit Windows genau gegen einander testen. aber ein Test unter Apple OS mit dem XYZ Modell würde auch mal zeigen wie effizient die OS alleine wäre. Manch ein Apple Inhaber schaut oft doch neidisch, was die Vielfalt an Hardwareteilen betrifft Richtung Linux/Win . mein Bruder ist Grafiker und jault ständig warum ich eigentlich den besseren MacRechner hätte. warum Gamer für high End GHz Boliden noch besseres haben können und Apple es halt leider nicht hat. grade beruflich wären noch bessere Rechner aber dadurch ausgeschlossen ... Apple liefert starke v8 Boliden aber den v12 traut es sich nicht zu
salomohn 31.10.2018
4. Immer noch nix gelernt
Ich benutze iPhones und iPad Pro in groß für unterwegs. Leider muss ich im Büro und bei Präsentationen mit einem Windows-Rechner arbeiten. Einen Mac Pro habe ich einige Wochen parallel getestet. Apple kommt einfach nicht an die vielen Office-Funktionen (und viele andere Windows-Errungenschaften) heran. Das Dateisystem und die Konnektivität mit Server, Screeens etc. sind bei Apple unterdurchschnittlich. Schade!
cor 31.10.2018
5.
Zitat von salomohnIch benutze iPhones und iPad Pro in groß für unterwegs. Leider muss ich im Büro und bei Präsentationen mit einem Windows-Rechner arbeiten. Einen Mac Pro habe ich einige Wochen parallel getestet. Apple kommt einfach nicht an die vielen Office-Funktionen (und viele andere Windows-Errungenschaften) heran. Das Dateisystem und die Konnektivität mit Server, Screeens etc. sind bei Apple unterdurchschnittlich. Schade!
Ich gebe Ihnen Recht, aber meiner Meinung nach liegt ein Grossteil dieses Problems nicht bei Apple, sondern bei Winzigweich.
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