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13. September 2012, 09:55 Uhr

Neues Apple-Produkt

Das iPhone 5 im Schnell-Check

Apples neues iPhone 5 ist dünner, länger - ist es auch besser? Matthias Kremp hat eines der Geräte ausprobiert. Der erste Eindruck: Es ist schneller und trotz vergrößerten Displays handlich. Eine Blitz-Überprüfung zeigt, ob das Edel-Smartphone hält, was der Konzern verspricht.

Um das gleich klarzustellen: Dies ist kein Test. Es ist ein erster Erfahrungsbericht aus eigener Hand. Am Rande der Vorstellung des neuen Apple-Handys in London konnte ich ein wenig Zeit mit dem neuen Apple-Smartphone und seinem musikalischen Ableger, dem neuen iPod touch, verbringen. Ich konnte in Erfahrung bringen, wie sich das neue Modell anfühlt, wie man damit umgeht und wie es sich im Vergleich zum iPhone 4S schlägt.

Die erste grundlegende Erkenntnis dabei: Das iPhone 5 ist federleicht, doch es wirkt nicht billig. Etliche Gramm weniger als das Vorgängermodell bringt es auf die Waage - und das spürt man. Dabei fühlt es sich wegen seiner anodisierten Aluminium-Rückseite trotzdem wertig an. Es mag Menschen geben, die die Haptik der Glasrückseite von iPhone 4 und 4S vorziehen, aber auch ganz pragmatisch betrachtet hat das Aluminium Vorteile. Es ist beispielsweise weniger stoßempfindlich.

Viel wichtiger ist aber die Vorderseite. Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, dass es sich um ein neues Modell handelt. Sogar Seite an Seite mit einem iPhone 4S (siehe Fotostrecke) ist der Unterschied marginal. Kaum zu glauben, dass die Diagonale des Bildschirms tatsächlich mehr als einen Zentimeter länger ist. Statt bisher vier passen nun fünf Reihen mit Bildschirmsymbolen untereinander auf das Display.

Das kann man wegstecken

Ansonsten ist - zumindest in Apples dunklem Veranstaltungsgebäude - kein Unterschied zwischen dem Bildschirm des iPhone 5 und dem des Vorgängermodells zu erkennen. Beide sind ungefähr gleich hell und detailreich. Kein Wunder, ist doch die Pixeldichte gleich hoch geblieben. So hoch, dass einzelne Bildpunkte mit bloßem Auge nicht erkennbar sind.

Das Wichtigste bei der maßvollen Vergrößerung des Bildschirms ist aus meiner Sicht, dass sich das neue iPhone ebenso gut einhändig bedienen lässt wie das alte - das ist nicht selbstverständlich. Bei vielen aktuellen Smartphones mit Bildschirmen von 4,5 oder mehr Zoll Diagonale geht das nämlich nicht mehr. Ihre Bildschirme sind so sehr in die Breite und Höhe gegangen, dass man unmöglich mit dem Daumen die obere Bildschirmecke erreichen kann, wenn man das Gerät in derselben Hand hält. Außerdem passen etliche der modernen Modelle nicht mehr in Hemd- oder Hosentasche. Nicht so das neue iPhone, das sich immer noch locker wegstecken lässt.

Kamera im Turbo-Modus

Dass in dem Gerät ein neuer Prozessor steckt, fällt beim Fotografieren auf. Vielleicht liegt es auch an Verbesserungen bei der Software, jedenfalls ist die Kamera schneller betriebsbereit als beim Vorgängermodell. Sie löst schneller aus, so der erste Eindruck, ohne ihn durch Messungen verifizieren zu können. Wie gut die Kamera das Versprechen einlöst, in schummrigen Umgebungen bessere Bilder zu machen, wird in Kürze ein Test zeigen. Die Konkurrenz macht es Apple nicht leicht, in dieser Disziplin zu glänzen. Gerade erst hatNokia mit dem Lumia 920 ein Handy vorgelegt, das dank eines optischen Bildstabilisators sehr lange Belichtungszeiten und damit helle Bilder bei wenig Licht ermöglicht.

Immerhin konnte ich die neue Panoramafunktion ausprobieren. Sie funktioniert so, wie man es von Sony-Geräten kennt: Nachdem man den Auslöser gedrückt hat, bewegt man einfach das Handy entlang einer auf dem Display angezeigten Linie, der Apparat macht dabei Fotos, die sekundenschnell zu einem Panorama verbunden werden.

Apple-Karten mit 3-D-Gimmick

Nach der iPhone-Vorstellung konnte man auch Apples neue Kartensoftware Maps ausprobieren, die das bisherige Google Maps ersetzten soll. Sowohl auf dem iPhone 5 als auch auf einem der neuen iPod-touch-Player läuft das Programm geschmeidig und schnell. Das lässt vermuten, dass auch ältere iPhones schnell genug für das Programm sind. Denn im iPod touch steckt noch nicht der neue A6-Prozessor, sondern der aus dem iPhone 4S bekannte A5.

Die von Apple als große Innovation gepriesenen 3-D-Ansichten von Innenstädten sehen tatsächlich ganz hübsch aus, dürften aber kaum kaufentscheidend sein. Unterwegs und zum Navigieren wird man weiterhin lieber auf die schlichte Kartendarstellung zurückgreifen. Zudem sind bisher erst 40 Städte im 3-D-Format verfügbar, flächendeckend ist das also nicht.

Kein LTE für alle

Am Ende der ersten Stunden mit dem iPhone 5 bleibt ein durchaus erfreulicher Eindruck: Es ist schneller geworden, es bietet mehr Bildschirmfläche, doch die Ergonomie hat unter dem Wachstum nicht gelitten. Die Faszination, die beispielsweise das Retina-Display des iPhone 4 auf den ersten Blick auslöste, stellt sich allerdings nicht ein.

Gespannt kann man auf jeden Fall sein, wie gut sich das iPhone 5 im LTE-Netz der Deutschen Telekom schlägt. Den bisherigen Informationen zufolge läuft der Datenturbo nämlich in Deutschland nur in diesem einen Netz. Vodafone- und O2-Kunden werden sich mit HSDPA+ begnügen müssen.

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