Leistungsbremse in alten iPhones Lieber langsam als leer

Wer nicht will, dass sein iPhone wegen eines alten Akkus gedrosselt wird, kann die entsprechende Funktion künftig abschalten. Ratsam ist das allerdings nicht.
iPhone 7 Plus beim Reparaturtest von iFixit

iPhone 7 Plus beim Reparaturtest von iFixit

Foto: HANDOUT/ REUTERS

In einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC  hat Tim Cook ein Update für iPhones angekündigt. Normalerweise tut der Apple-Chef so etwas nicht, also muss dieses Update besonders wichtig sein. Und das ist es auch: Künftig, so verspricht Cook, werden iPhone-Nutzer damit eine Funktion abschalten können, die ihr Smartphone ausbremsen kann, wenn der Akku nicht mehr die volle Leistung bringt.

Wer schlau ist, wird die Finger davon lassen.

Bei einigen iPhones nämlich drosselt der Konzern seit dem Update auf iOS 10.2.1 unter bestimmten Umständen die Geschwindigkeit des Prozessors. Wie Apple in einem Dokument  erklärt, müssen verschiedene Faktoren zusammentreffen, damit das passiert. Vor allem wird gemessen, ob der Akku altersbedingt womöglich nicht mehr seine volle Leistung bringt. Ist dass der Fall, wird unter anderem der Prozessor heruntergetaktet, Apps starten langsamer, die Bildschirmbeleuchtung wird gedimmt.

Aufgefallen war das lange niemandem. Immerhin hatte Apple die Funktion bereits im Januar 2017 auf den iPhones der Sechser-Serien und dem iPhone SE, später auch auf neueren Modellen, eingeführt. Erst im Dezember hatte ein amerikanischer Schüler gemerkt, dass sein iPhone 6s immer langsamer wurde und nach einem Akkuwechsel plötzlich wieder volle Leistung brachte.

Die Bremsfunktion ist volle Absicht

Was folgte, waren Sammelklagen gegen den Konzern. Für Anwälte in den USA ist das ein gutes Geschäft, werden sie doch prozentual an der erstrittenen Schadensersatzsumme beteiligt. In einer Klageschrift argumentierten die Kläger, Apple habe "absichtlich eingegriffen, um die Leistung zu verringern". Und damit haben sie vollkommen Recht.

Denn Apple hat die fragliche Funktion nicht etwa eingeführt, um seine Kunden zu ärgern oder gar zum Kauf neuer iPhones zu bewegen, wie in manchen Berichten vermutet wurde. Vielmehr, so erklärt der Konzern seine Technik, soll die Prozessorbremse dafür sorgen, dass ältere iPhones mit ausgelaugten Akkus weiter stabil laufen und funktionieren.

Plötzlich geht das Handy aus

Wer schon einmal im Winter mit einem alten Smartphone unterwegs war, kennt das Phänomen: Die Akkuanzeige zeigt noch 20 Prozent Restkapazität an, trotzdem schaltet sich das Gerät plötzlich ab oder startet neu, wenn man gerade eine App öffnen will. Am Schlimmsten ist es, wenn die Abschaltung unbemerkt passiert und man im Vertrauen auf die Restladung des Akkus stundenlang mit einem Handy in der Tasche herumläuft, ohne zu bemerken, dass man gar nicht mehr erreichbar ist.

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Genau solche Erlebnisse soll Apples Bremsfunktion verhindern. Deshalb tut man gut daran, sie aktiviert zu lassen. Man sollte sie höchstens kurzzeitig abschalten, wenn man tatsächlich für eine bestimmte Anwendung Höchstleistung braucht.

In dem Fall riskiert man allerdings einen Absturz, wenn der Akku durch den Stromverbrauch des Prozessors überlastet wird. Ein mobiler Zusatzakku wäre in dem Fall sinnvoll. Schon für 10 bis 20 Euro gibt es brauchbare Exemplare. Noch sinnvoller ist es natürlich, den Akku des Telefons austauschen zu lassen, wenn man merkt, dass das Handy langsamer wird.

Der Skandal hätte verhindert werden können

Aus der Verantwortung für das Desaster um seine Prozessorbremse ist der Konzern damit allerdings noch lange nicht. Zum einen muss das Unternehmen sich vorwerfen lassen, diese Funktion, die tief in das System eingreift und für viele Nutzer deutlich spürbare Auswirkungen hat, nicht rechtzeitig kommuniziert zu haben.

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Auf Apple-Veranstaltungen wird oft extrem ausführlich auf neue iOS-Funktionen eingegangen, der Konzern lobt sich gerne für die Vielzahl neuer Funktionen, die mit Updates eingeführt werden. Warum ausgerechnet dieses Feature, das laut Apple die Lebensdauer und Stabilität seiner iPhones verbessern soll, nie erwähnt wurde, ist verwunderlich.

Akkus müssen dauerhaft bezahlbar sein

Eine Lehre aus dem, was von vielen als Skandal bezeichnet wird, sollte für Apple sein, dass es nicht ausreicht, die Preise für den Akkutausch nur für einige Modelle und nur für einen begrenzten Zeitraum zu senken - wie es jetzt mit der 29-Euro-Aktion getan wurde. Akkus sind Verbrauchsprodukte. Sie altern, werden immer schwächer, sind nach rund 500 Ladezyklen ausgelutscht.

Damit definiert die Lebensdauer der Akkus auch den Zeitraum, in dem man ein mobiles Produkt sinnvoll nutzen kann, das gilt auch für iPhones. Deshalb sollte Apple die Preise für den Akkutausch dauerhaft senken, nicht nur für ein Jahr. Treue Kunden würden es dem Konzern danken.

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