35 Jahre Apple Lisa Legendärer Computer und Mega-Flop

Der Lisa gilt als einer der wichtigsten Computer der IT-Geschichte. Ein Jahr vor dem Macintosh wollte Apple mit ihm eine grafische Benutzeroberfläche für den Massenmarkt einführen - und scheiterte grandios.
Apple Lisa (links) und Macintosh

Apple Lisa (links) und Macintosh

Foto: Markus Böhm

Manchmal fällt der dritte Schritt viel schwerer als die beiden ersten. So erging es zumindest Anfang der Achtziger Jahre dem damals noch jungen Start-up Apple Computer. Den ersten halbwegs brauchbaren Heimcomputer, den Apple I, hatte Mitbegründer Steve Wozniak schon 1976 entwickelt. Mit dem Apple II wurde das Unternehmen kommerziell erfolgreich.

Die Verkaufszahlen stiegen rasant: Verkauften die beiden Apple-Gründer 1977 noch 2500 Exemplare des Apple II waren es vier Jahre später schon 210.000. Einen Nachfolger für dieses Erfolgsprodukt zu finden, erwies sich jedoch als große Herausforderung. Erst am 19. Januar 1983, vor 35 Jahren, konnte Steve Jobs den Lisa ankündigen, der den Erfolg des Apple II fortschreiben sollte. Doch es kam dann ganz anders.

Zunächst hatte Steve Jobs auf die Entwicklung eines Apple III gesetzt, der sich vom Vorgängermodell Apple II gar nicht so sehr unterscheiden sollte. 80 statt 40 Zeichen pro Bildschirmzeile, mehr Speicher, einige Detailverbesserungen, aber kein großer Wurf. Es zeichnete sich dann schnell ab, dass dieser mit Tastatureingaben gesteuerte Computer die PC-Revolution nicht wirklich vorantreiben konnte.

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Der Meinungsumschwung bei Steve Jobs wurde vor allem durch mehrere Besuche im kalifornischen Forschungszentrum Xerox PARC ausgelöst: "Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: die grafische Bedienoberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, das mir in meinem Leben unter die Augen gekommen ist", sagte Jobs 1995 in einem TV-Interview.

Nun wollte Jobs auch bei Apple einen Computer bauen, der kinderleicht mit einer Maus zu bedienen war. Den Eintritt in das Forschungszentrum hatte sich Apple durch einen Aktiendeal erkauft: Xerox durfte noch vor dem Börsengang 100.000 Apple-Aktien zum Schnäppchenpreis von einer Million Dollar kaufen. Den Xerox-Managern dämmerte allerdings erst zehn Jahre später, dass sie Apple das geistige Eigentum ihrer Forscher für ein Taschengeld auf dem Silbertablett serviert hatten. Eine Schadensersatzklage gegen Apple hatte keinen Erfolg.

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Mit dem Lisa unternahm Apple unterdessen 1983 den ersten Versuch, eine grafische Bedienoberfläche, wie Steve Jobs sie bei Xerox gesehen hatte, in den Massenmarkt einzuführen. In der Werbung wurde der Rechner als "Maserati für Ihr Gehirn" beworben.

"Lisa war der erste kommerziell vertriebene Computer, der über eine Maus und die für uns heute selbstverständliche Benutzeroberfläche mit Fenstern und Symbolen verfügte", sagt Andreas Stolte von Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. "Zuvor mussten die Nutzer komplizierte Befehlszeilen eintippen, um den Computer auf Trab zu halten. So vereinfachte der nach Jobs Tochter benannte Computer die Bedienung enorm."

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Apple wollte die Kunden mit sieben Büro- und Grafikprogrammen und dem damals beachtlichen Arbeitsspeicher von einem Megabyte für seinen Lisa gewinnen. Allerdings war der Preis viel zu hoch, um vielen Interessenten zum Kauf zu bewegen. In den USA kostete der Computer knapp 10.000 Dollar, in Deutschland waren das rund 30.000 D-Mark. Nicht einmal 30.000 Stück wurden verkauft.

Im April 1985 zog Apple die Reißleine und stoppte die Produktion. 2700 unverkäufliche Exemplare wurden heimlich auf einer Müllkippe in Utah vergraben. Das Prinzip der grafischen Bedienoberfläche aber landete nicht auf der Müllkippe, sondern setzte sich nach und nach durch.

Im Januar 1984 schließlich brachte Apple den ersten Macintosh auf den Markt. Der war bei weitem nicht so teuer wie Lisa und verkaufte sich nach einer schwierigen Startphase weit besser. Im November 1985 lieferte Microsoft eine erste Version von Windows, ebenfalls mit grafischer Benutzeroberfläche, aus.

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Die ersten kommerziellen Erfolge der Ära nach dem Apple II erlebte Steve Jobs aber nicht mehr in dem von ihm mitbegründeten Unternehmen. Im September 1985 wurde er in einem regelrechten Showdown mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley vom Aufsichtsrat dazu gedrängt, die Firma zu verlassen. Erst im Dezember 1996 kehrte er zu Apple zurück, nachdem sich das Unternehmen zuvor durch eine Serie von Fehlentscheidungen in eine Nische manövriert hatte.

In der Sonderausstellung "Digging Deep " (23. Februar bis zum 5. August 2018) im Heinz Nixdorf MuseumsForum werden neben einem Apple Lisa und anderen Flops auch Kostbarkeiten wie seltene Rechenscheiben aus dem 19. Jahrhundert oder aufwendig verzierte Registrierkassen ausgestellt. Aber auch bei uns kaum bekannte Rechner aus dem Osten und frühe Homecomputer sind dort zu sehen und stehen teilweise zum Spielen bereit.

Christoph Dernbach, dpa/mak