Günstige Alternativen MacBook-Akkus selbst nachrüsten

Nach einigen Jahren macht jeder Akku schlapp. Apple bietet für seine Macbooks Ersatz an, doch der ist teuer. Mac & i hat günstige Stromspeicher von Drittanbietern getestet.
Von Johannes Schuster
Apple Macbook, Austauschakku: Selber tauschen kann viel Geld sparen

Apple Macbook, Austauschakku: Selber tauschen kann viel Geld sparen

Foto: Mac&i

Im Apple-Store findet sich nur noch genau ein Akku. Es ist ein fast rechteckiger und von außen einsetzbarer für das allererste 15-Zoll-MacBook Pro. Der Preis: 139 Euro. Ansonsten kann man Akkus von Apple nur noch beziehen, wenn man sein Notebook zum Einbau in eine autorisierte Werkstatt bringt. Zum Festpreis von 139 Euro tauscht diese die Batterie beim MacBook Air, dem 13-Zoll-MacBook und den Pro-MacBooks mit 13- oder 15-Zoll-Bildschirm ohne Retina-Auflösung. Beim 17-Zoll-MacBook Pro werden 189 Euro fällig. Stolze 209 Euro zahlt man beim neuen 12-Zoll-MacBook und den anderen Retina-MacBooks.

Entweder vereinbart man dazu einen Termin für die Genius Bar in einem der Apple-Ladengeschäfte oder bei einem autorisierten Service-Provider. Bei unserem Besuch an der Genius Bar hat der Experte zunächst den System Management Controller (SMC) und das Parameter-RAM zurückgesetzt und dann die Batterie unseres vier Jahre alten MacBook Air mithilfe eines uns unbekannten Diagnose-Tools binnen weniger Minuten überprüft. Demnach habe unser MacBook Air noch 94 Prozent der Kapazität und müsse nicht getauscht werden.

Da das Notebook aber regelmäßig nach einer Dreiviertelstunde ohne Steckdose schlappmachte, konnten wir der Aussage nicht ganz trauen und ließen den Akku doch tauschen. Das dauerte eine halbe Stunde, in der wir einkaufen gehen konnten. Der Apple-Mitarbeiter schickte uns eine Nachricht aufs iPhone, als er fertig war. Seither hält das MacBook wieder mehrere Stunden durch. Für noch nicht ganz so alte Air- und Retina-MacBooks bietet sich ebenfalls der Gang zu Apple oder einem Händler an, da die Akkus verklebt und schwer zu bekommen sind. Für die anderen MacBooks kann man jedoch Geld sparen, wenn man zu Nachbauten greift.

Fremdanbieter

Wir haben uns das Angebot alternativer Akkumulatoren angesehen und für vier ältere MacBooks welche gekauft. Zum Testen verwendeten wir ein weißes 13-Zoll-MacBook von 2008, ein 13-Zoll-MacBook Pro von 2010 und zwei unterschiedliche 15-Zöller aus den Jahren 2010 respektive 2011. Am besten sucht man sich in der Mac & i-Produktdatenbank  die Modell- und Bestellnummer sowie die Größe des Original-Akkus in Wattstunden (Wh) heraus. Informationen zum Akku liefert auch das kostenlose Mac-Tool "Coconut Battery ".

Das kostenlose Tool "Coconut Battery" liefert Informationen zum Akku-Zustand

Das kostenlose Tool "Coconut Battery" liefert Informationen zum Akku-Zustand

Foto: Mac&i

Viele der Fremdanbieter liegen mit ihren Produkten unterhalb der Kapazität der Original-Akkus - was für uns nicht infrage kam. Manche geben den Wert in Milliampere-Stunden (mAh) an, sodass der Vergleich schwerfällt. Zur Umrechnung multipliziert man die mAh mit der Spannung (zwischen 10,95 und 14,4 Volt) und teilt das Ergebnis durch 1000.

Wer im Internet nach MacBook-Akkus sucht, findet bei den bekannten und renommierten deutschen Anbietern nichts Passendes. Auch bei den spezialisierten und weniger bekannten Batterieshops gibt es nur einzelne Angebote. Für unsere vier Testgeräte haben wir nur wenige Shops mit deutscher Webseite und guter Auswahl  gefunden. Häufig wird man bei Amazon im Marketplace fündig, wobei die Anbieter oft weder eine Telefon- oder E-Mail-Adresse hinterlegen noch eine Website haben. Der größte Markt für nachgebaute Akkus von deutschen Versendern tut sich bei Ebay auf. Wir haben die Angebote anhand unserer MacBooks ausprobiert und schildern hier unsere Erfahrungen.

Dem bei Ebay gekauften Ersatz-Akku für ein MacBook Pro 13" fehlen 3,5 Wattstunden gegenüber dem Original, trotzdem hält lange durch

Dem bei Ebay gekauften Ersatz-Akku für ein MacBook Pro 13" fehlen 3,5 Wattstunden gegenüber dem Original, trotzdem hält lange durch

Foto: Mac&i

Weißes MacBook

Der älteste Kandidat ist ein weißes MacBook von 2008 mit 13 Zoll und 2,4 GHz schnellem Core 2 Duo. Der Original-Akku hatte einmal 55 Wattstunden, nach sieben Jahren waren es noch 0: Das Notebook ging sofort nach Abziehen des MagSafe-Steckers aus. Wir bestellten über Amazon von der Firma "Vinitech" einen weißen Ersatzakku mit 5200 mAh und 11,1 Volt (entspricht 57,7 Wh) zum sehr günstigen Preis von 22,50 Euro plus 3,90 für den Versand. Als Verkäufer trat "RK Easyshopping" auf. Nur wenige Tage später kam ein Paket per Hermes bei uns an, darauf stand dann sogar die Adresse und Telefonnummer des Verkäufers.

Der neue Akku hat einen weißen statt grauen Fuß, außerdem war sein Weiß-Ton etwas gelblicher als der vom MacBook. Mit etwas Quetschen passte er in den Rechner. Zum Verriegeln mussten wir beherzt auf den Akku drücken. Nach dem Einbau fiel uns auf, dass das MacBook schneller startete als mit defektem Akku und zwar ganze elf Sekunden. Offenbar vergisst das MacBook ohne Batteriestrom sein Startvolume. Im Test mit leichter Last und voller Helligkeit schaffte der neue Akku 5:07 Stunden, was in etwa dem Original von vor sieben Jahren entspricht.

Der neue Akku funktioniert gut, ist aber etwas gelblicher als das MacBook-Gehäuse und hat einen weißen statt grauen Fuß. Mit etwas Druck und Quetschen lässt er sich auch verriegeln.

Der neue Akku funktioniert gut, ist aber etwas gelblicher als das MacBook-Gehäuse und hat einen weißen statt grauen Fuß. Mit etwas Druck und Quetschen lässt er sich auch verriegeln.

Foto: Mac&i

MacBook Pro 13 Zoll

Für ein fünf Jahre altes MacBookPro mit ebenfalls 2,4 GHz schnellem Core 2 Duo fanden wir vor allem Batterien, die deutlich weniger Kapazität als die originalen 63,5 Wattstunden besitzen. Bei Ebay stießen wir dann auf ein Sofort-Kaufen-Angebot für 52,99 Euro ohne Versandkosten und immerhin 60 Wh. Auf den Abbildungen waren zwei Schraubenzieher und der Markenname "Floureon" zu erkennen. Verkäufer war "cubotegrow" aus Bruchsal in Deutschland.

Auf der Lieferung prangte dann eine Rücksendeadresse von Amazon in Graben. Hier ist dem auf vielen Kanälen aktiven Anbieter wohl beim Versand etwas durcheinandergeraten. In der Tüte fand sich immerhin noch eine Visitenkarte vom Floureon-Support. Mithilfe der beiliegenden Schraubendreher konnten wir den alten Akku mit seinen (an ein dreiflügeliges Windrad erinnernden) Spezialschrauben lösen und problemlos den neuen einbauen. Der alternative Stromspender hielt 8:26 Stunden in dem inzwischen mit einer SSD ausgestatteten Rechner durch, ein ähnliches Testgerät (mit 2,66 GHz) mit Festplatte hatte 2010 im Test rund acht Stunden geschafft. Für den Preis scheint uns das Ergebnis in Ordnung zu sein.

Nach dem Umbau ließ sich das Trackpad in den oberen Bereichen nur mit etwas mehr Druck klicken: Der neue Akku ist an dieser Stelle einen Hauch höher als der alte. Durch Verändern der Einstellschraube des Trackpads ließ sich der Effekt leider nicht abstellen, wir konnten ihn aber dadurch mildern, dass wir die zwei Akku-Schrauben nicht so stark anzogen.

MacBook Pro 15 Zoll (Modell 2010)

Ebenfalls aus dem Jahre 2010 stammt dieses MacBookPro mit 15-Zoll-Display, 2,4-GHz-Core-i5 und 77,5 Wh. Hier entschieden wir uns für einen 77-Wattstunden-Akku für 57,37 Euro mit kostenlosem Versand zum Sofortkauf bei Ebay. Als Verkäufer trat "yigounet" auf, im Foto war Floureon zu erkennen. Das Päckchen kam kurze Zeit später allerdings von Sun Logistik Service aus Bruchsal. Es enthielt das nötige Werkzeug. Nach dem problemlosen Einbau schaffte das inzwischen mit einer SSD ausgestattete MacBook Pro 15 Zoll bei voller Helligkeit und leichter Last 6:31 Stunden. Das ist sogar deutlich mehr als 2010 im Originalzustand - ein voller Erfolg!

MacBook Pro 15 Zoll (Modell 2011)

Ein Jahr jünger ist dieses MacBookPro mit 2,2 GHz schnellem Core i7 und mattem 15-Zoll-Display. Der Original-Akku hatte zwar auch eine Kapazität von 77,5 Wattstunden, ist aber etwas anders aufgebaut als bei dem Vorgänger. Er war bereits einmal durch einen billigen Nachbau ersetzt worden, der seinerseits so aufgebraucht war, dass der Rechner ohne Netzteil nicht mehr lief. Im deutschsprachigen Store Akkus-Markt.de fanden wir Ersatz mit 7000 mAh und 10,95 Volt, was 76,7 Wh entspricht. Betreiber des Shops ist der oben erwähnte Sun Logistik Service, eine Telefonnummer findet sich auf der gesamten Website nicht.

In der Packung lagen die nötigen Schraubendreher, sodass der Einbau schnell über die Bühne ging. Beim Aufladen erlebten wir allerdings eine Überraschung: Der Akku war nach Stunden immer noch nicht voll. Daraufhin schrieben wir den Anbieter per E-Mail an und schilderten das Problem. Zur Antwort kam: "Das macht nichts, bitte machen Sie sich keine Sorge. Wenn Sie andere Ware brauchen, mehr Rabatt wird angeben." Nun ja: nicht gerade vertrauenserweckend. Irgendwann war der Akku dann doch voll und hielt 5:42 Stunden durch - ein guter Wert. Das zweite Laden brauchte dann wieder mehrere Stunden zuviel. Reset von SMC und PRAM halfen nicht. Letztlich ließ sich nicht ermitteln, ob der Akku die Probleme bereitete oder die Ladeelektronik im MacBook einen Schaden hatte. Für Letzteres spricht, dass schon zwei Akkus in vier Jahren verschlissen wurden. Bei dem Preis lohnt sich die Reparatur für so ein Schätzchen mit mattem Display aber auch, wenn sie nur zwei Jahre hält.

Resümee

Ist das MacBook schon älter und aus der Gewährleistungs- oder Apple-Care-Zeit heraus, kann man mit Akkus von Fremdanbietern viel Geld sparen. Dabei darf man freilich nicht denselben Support und Service wie bei Apple erwarten. Speziell beim Amazon-Marketplace und bei Ebay glänzen die Anbieter nicht gerade mit Transparenz. Zudem muss man beim Kauf selbst darauf achten, nicht eine Batterie auszusuchen, die zwar passt, aber eine zu geringe Kapazität mitbringt. Unterm Strich lohnt sich die Mühe aber.

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Dieser Artikel ist Teil des Heftschwerpunkts: Ältere Macs auffrischen.

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