Muss auch mal sauber gemacht werden: Apples 25-Euro-Poliertuch

Muss auch mal sauber gemacht werden: Apples 25-Euro-Poliertuch

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Apple

Matthias Kremp

Oberklasse-Poliertuch Die Saga von Apples Reinemachelappen

Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Matthias Kremp
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Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnern Sie sich noch an den iLappen, jenes Putztuch, sorry, Poliertuch, mit dem Apple im Oktober vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt hat? Freundliche 25 Euro kostet das Stück Stoff mit dem Apple-Logo. Manchen hat dieser Preis die Zornesröte ins Gesicht getrieben, bei anderen einen Kaufreflex ausgelöst. Kaum war Apples analoge Putzhilfe verfügbar, war sie auch schon ausverkauft.

Dabei ist das Tuch »aus einem weichen, abrieb­freien Material« eigentlich ein Ersatzteil. Und zwar für das Poliertuch, das Apples High-End-Bildschirm Pro Display XDR und dem 27-Zoll-iMac (der in dem noch Intel-Chips werkeln dürfen) beiliegt. Denn deren optional verbautes Nanotexturglas soll man »nur mit dem mitgelieferten Reinigungstuch « reinigen. Und zwar trocken. Außer in besonders schlimmen Fällen. Dann darf man es auch mal mit ein wenig 70-prozentigen Isopropylalkohol benetzten (den bekommen Sie in der Apotheke). So steht es auf Apples Support-Website.

Der Grund für diese Vorsicht dürfte besagtes Nanotexturglas sein. Falls Sie nicht wissen, was das ist: Es macht den Bildschirm matt, sorgt dafür, dass einfallendes Licht gestreut wird. Deshalb gibt es darauf, wenn überhaupt, nur diffuse Reflexionen, keine Spiegelungen. Andere Hersteller mattieren ihre Bildschirme mithilfe von Folien, bei Apples Extraglas wird eine hauchfeine Textur ins Glas geätzt. Im Ergebnis soll die Bildqualität besser sein. Falls Sie nicht wissen, was das kostet: 345 Euro Aufpreis beim iMac und einen Tausender extra beim Pro Display XDR. Da folgt man gern den Pflegeempfehlungen des Herstellers.

Und die, das hat die Mac-Szene in Staunen versetzt, gibt es nicht nur für die Bildschirme, sondern auch für das mit 25 Euro nicht sonderlich billige Poliertuch. Auf seinen Support-Seiten hat Apple einen Eintrag veröffentlicht, in dem erklärt wird, wie man den iLappen wieder sauber zu machen hat, falls er eines Tages selbst der Verschmutzung anheimgefallen sein sollte. Das liest sich so:

  1. Wasche das Poliertuch von Hand mit Spülmittel und Wasser,

  2. und spüle es gründlich aus.

  3. Lasse das Poliertuch mindestens 24 Stunden an der Luft trocknen.

Sollte diese aufwendige Prozedur nicht zum Ziel führen, gilt auch hier der Tipp, dem Schmutz mit Isopropyl auf die Pelle zu gehen. Es könnte sich also lohnen, in der Apotheke die größere Flasche zu wählen.

Isopropylalkohol aus der Apotheke: Ist für vieles gut zu gebrauchen, auch zum Reinigen von Reinigungstüchern

Isopropylalkohol aus der Apotheke: Ist für vieles gut zu gebrauchen, auch zum Reinigen von Reinigungstüchern

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das Mac-Blog »9to5mac«, das zuerst auf die Waschanleitung gestoßen ist , empfiehlt außerdem mit vollem Unernst, zum Reinigen des Reinigungstuchs eine »Flüssigseife der siebten Generation« zu verwenden (wo sind die ersten sechs geblieben?) die es in den USA für schlappe 46 Dollar pro Flasche gibt, und vielleicht sogar Premium-Luft, die es an manchen Tankstellen gebe.

Die Geschichte vom waschbaren Waschlappen zeigt: Ganz egal, was das kalifornische Unternehmen tut, jedes Detail wird wahrgenommen und bewertet – oder zumindest fast jedes. Zu dem iLappen jedenfalls gab es nicht nur Testberichte, das Reparaturportal iFixit  führte damit sogar eine seiner populären Zerlegezeremonien durch. Normalerweise untersuchen die Reparaturexperten dabei, welche Bauteile in neuen Gadgets stecken und wie gut – oder eben nicht – sie zu reparieren sind.

Die Story zeugt aber auch davon, dass manche Details lange verborgen bleiben. Denn wie die Kollegen von »The Verge« korrekt berichten, ist die Waschanleitung gar keine Neuheit. Schaut man im Internetarchiv der Wayback Machine nach, stellt sich heraus, dass sie schon am 11. Dezember 2019 zu lesen war. Das Blog »MacRumors« hatte damals schon auf das Putztuch und Apples Reinigungshinweise hingewiesen . Allerdings bekam man den iLappen damals nur über den Apple-Support. Jetzt kann man es kaufen. Das ändert alles.

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • »Ein Patent, sie zu knechten « (8 Minuten Lesezeit)
    Dass man die Mechanik, wie sich eine Hundeleine automatisch aufrollt, patentieren lässt, ist nahe liegend. Dass man aber auch die Idee patentieren lassen kann, wie bestimmte Dinge in Videospielen ablaufen sollen, mag nicht ganz so einleuchtend sein. Dieser Artikel erklärt, welche Auswirkungen solche Patente auf die Gaming-Industrie haben.

  • »The Chip Shortage Keeps Getting Worse. Why Can’t We Just Make More? « (Englisch, 7 Minuten Lesezeit
    »Es ist keine Raketenwissenschaft – es ist viel schwieriger«, witzeln Insider in der Halbleiterindustrie. Als die Chipkrise sich gerade hochgeschaukelt hatte, ging »Bloomberg« der Frage nach, weshalb man nicht einfach mehr Chips herstellen kann – und hat die komplizierte Antwort leicht verdaulich aufgeschrieben und visualisiert. Nicht neu, aber immer noch aktuell.

  • »How the U.S. Messed Up Its New 5G Rollout: ›It Wasn’t Our Finest Hour‹ « (Englisch, 9 Minuten Lesezeit)
    In der vergangenen Woche machte die verbockte Einführung neuer 5G-Mobilfunkfrequenzen in den USA Schlagzeilen – schon wieder. Aus Angst vor Problemen bei der Landung stornierten Airlines Flüge oder schickten andere Flugzeuge als geplant. Das »Wall Street Journal« erklärt, wie es so weit kommen konnte.

Kommen Sie gut durch die Woche,

Matthias Kremp

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