Foto:

SPIEGEL

Matthias Kremp

"One more thing" Und schon wieder ein Apple-Event

Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Matthias Kremp

Liebe Leserin, lieber Leser,

für Dienstagabend hat Apple ein "Special Event" angekündigt – schon wieder. Zur Erinnerung: Im September hatte der Konzern die neuen Apple Watches und iPads vorgestellt, im Oktober die neuen iPhones  und den HomePod Mini. Da könnte man sich fragen: Was soll denn da jetzt noch kommen?

"One more thing" – die Einladung zum Apple-Event am Dienstag

"One more thing" – die Einladung zum Apple-Event am Dienstag

Foto:

Apple

Auf der Einladungskarte, die das Unternehmen per E-Mail verschickt hat, steht das berühmte Steve-Jobs-Zitat "One more thing". Der verstorbene Apple-Mitgründer hatte diese drei Worte gern gegen Ende seiner berühmten Keynote-Reden gesagt, wenn er alle erwartbaren Produkte präsentiert hatte, aber noch eine Überraschung aus dem Ärmel  ziehen konnte.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Allerdings wird man den alten Jobs-Spruch dieses Mal wörtlich nehmen können: Am Dienstag wird es um Apples Mac-Computer gehen. Apple-Chef Tim Cook hatte das schon im Juni auf der Entwicklerkonferenz WWDC angekündigt. Er hatte dort die neuen Betriebssysteme für iPhones, iPads und Apples Smartwatches angekündigt – und damit unterschwellig auch neue Versionen dieser Gadgets in Aussicht gestellt, die mittlerweile auch im Handel sind. 

Die ganz große Nachricht der WWDC war hingegen, dass Apple dem Chiphersteller Intel den Laufpass geben will. 15 Jahre lang hatte das Unternehmen in seine Computer Prozessoren seines kalifornischen Nachbarn eingebaut, doch damit soll bald Schluss sein. In Apples Smartphones, Tablets, Smartwatches und TV-Boxen stecken schon seit vielen Jahren Prozessoren, die der Konzern selbst entwickelt hat. Künftig soll das auch für die Computer gelten.

Für Apple ist so etwas Teil seiner Unabhängigkeitserklärung: Die Firma legt schon lange Wert darauf, möglichst viele Bestandteile ihres Ökosystems selbst zu entwickeln. Indem die Entwickler sowohl die Hardware als auch die Betriebssysteme selbst entwickeln und mit den von Apple zur Verfügung gestellten Onlinediensten verknüpfen, gelingt eine in der Branche einmalige Verzahnung aller Komponenten.

Apple-Chef Tim Cook auf der virtuellen WWDC 2020

Apple-Chef Tim Cook auf der virtuellen WWDC 2020

Foto: BERNADETTE SIMPAO/ AFP

Anwender empfinden das als angenehm, solange sie Apples System treu bleiben. Wer iPhone, iPad und MacBook nutzt, iCloud, Apple Music und Apple TV+ abonniert, kann sich in einer Wolke des automatischen Datenabgleichs niederlassen: Das gerade am iPhone geknipste Foto kann Sekunden später schon am Mac bearbeitet, der am iPad begonnene Fernsehabend am Apple TV zu Ende gebracht werden.

Mit dem Umstieg auf eigene Prozessoren in den Macs wird diese Integration noch einen Schritt weiter gehen, denn Softwareentwickler sollen es damit künftig leichter haben, für iPhone und iPad entwickelte Apps auch für Apple-Computer anbieten zu können. Apples gut gepolsterter goldener Käfig wird damit noch ein wenig attraktiver. 

Spannend wird am Dienstag aber vor allem, welche Leistung die neuen Chips bringen und wie sehr sie die Macs verändern werden. Gerüchten zufolge sollen neue Versionen des schlanken MacBook Air und des 13 Zoll großen MacBook Pro auf Apples Plan stehen. Manche vermuten gar eine Neuauflage des nur für Profis erschwinglichen 16-Zoll-MacBook Pro, das bei Videofilmern, Fotografen und Musikern beliebt ist. Bleibt abzuwarten, ob Apples erster Notebookchip kraftvoll genug ist, um ein solches Gerät anzutreiben.

Seltsame Digitalwelt: Mehr geht nicht

Der Reigen der Apple-Neuvorstellungen hat für mich eine unerwartete Konsequenz gehabt: Eines Tages ging nichts mehr. Zu den Geräten, die ohnehin mit meiner Apple ID verknüpft sind, musste ich im Rahmen des Tests von iPhones, iPads und Apple Watches einige Gadgets hinzufügen.

Ich habe mir schon vor vielen Jahren angewöhnt, neue Technik unter möglichst realen Bedingungen zu testen. Und damit ich sie dabei benutzen kann wie meine Alltagsgeräte, müssen eben auch meine Fotos, meine E-Mails und meine Musik darauf. Doch dann ploppte plötzlich die Meldung auf: "Du hast die maximale Anzahl an Geräten für diese Apple ID erreicht".

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das fühlte sich an, als wäre ich bis an den Rand der Welt gesegelt und dann gegen eine Wand gestoßen, so wie Jim Carey in "Die Truman Show". Nur dass der Ausweg in meinem Fall keine Tür war, sondern Änderungen an den Einstellungen meines Accounts, aus dem ich die für wenige Wochen hinzugefügten Testgeräte rauswerfen musste, um Platz für neue zu schaffen.

Was ich dabei gelernt habe: Mehr als zehn Geräte kann man einem Apple-Music-Abo nicht zuordnen. Unter normalen Umständen wird man wohl kaum an diese Grenze kommen.

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Battle for control: why the age-old console wars show no sign of stopping " (10 Leseminuten, englisch): Die vergangene Woche war die Woche der Spielkonsolen, und auch wir haben getestet, was die neue Playstation 5 und die Xbox Series X und S können. Der "Guardian" erklärt, warum der "Krieg der Konsolen" schon so lange unentschieden ist und weshalb Spiele-Abos im Netflix-Stil das nächste große Ding sein könnten.

  • "Die X-Akten der Astronomie: So viel mehr als nur eine Suche nach Aliens " (Sehr viele Leseminuten): Wenn etwas im Weltall gegen die Naturgesetze zu verstoßen oder aus anderen Gründe nicht erklärbar scheint, wird es schnell zum Mysterium und womöglich zum Resultat des Treibens Außerirdischer erklärt. Ein "Heise"-Autor, der sich hinter dem Pseudonym Alderamin versteckt, hat zumindest für 15 solche Mysterien natürliche Erklärungen gefunden.

  • "CABVIEW: Live chat and Stream from the Bergen Line in Norway " (Video-Livestream): Wenn es Ihnen im Lockdown zu Hause zu eng werden sollte und Sie Netflix schon leergeschaut haben, steigen Sie doch mal bei YouTube in einen Zug, der über Norwegens verschneite Bergen-Linie fährt. Das erinnert ein wenig an die Zeiten, als die Dritten Programme nachts Aufzeichnungen von Eisenbahnfahrten zeigten. Nur dass der Unterhaltungswert größer ist, weil im parallel laufenden Chat ziemlich viel Unsinn ausgetauscht wird.

Kommen Sie gut durch diese Shutdown-Woche!

Matthias Kremp