Apple Watch 8 im Test Eine Uhr für den Notfall

Die achte Serie seiner Smartwatch bewirbt der iPhone-Konzern mit etlichen neuen Features. Der neuen Uhr exklusiv vorbehalten sind davon allerdings nur zwei, wie unser Test zeigt.
Nur anhand der Gehäusefarbe vom Vorgänger unterscheidbar: Apple Watch Series 8

Nur anhand der Gehäusefarbe vom Vorgänger unterscheidbar: Apple Watch Series 8

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die am wenigsten wichtige Nachricht zuerst: In der neuen Apple Watch Serie 8 steckt auch ein neuer Chip, der S8. Laut Apple ist er 20 Prozent schneller als sein Vorgänger in der Apple Watch SE von 2020. Im täglichen Umgang mit dem neuen Modell habe ich davon nichts gespürt, schon der S7 in der Apple Watch 7 – den Zusatz »Series« lasse ich der Einfachheit halber im Rest dieses Textes weg – lässt keine Wünsche offen. Er sorgt dafür, dass alles, was man Apples Smartwatch aufträgt, quasi augenblicklich umgesetzt wird. Der verbesserte Chip ist also nett, aber nicht unbedingt nötig.

Interessanter ist da schon die nun mögliche Messung der Hauttemperatur. Die wird zunächst vor allem dazu genutzt, um nachträglich einzuschätzen, wann Nutzerinnen der Watch 8 ihren Eisprung hatten. Das wiederum soll helfen, fruchtbare Phasen abzuschätzen. Ein Hilfsmittel zur Verhütung, darauf weist Apple eindringlich hin, ist diese Technik indes nicht.

Auch mit einem Thermometer sollte man die Sensoren nicht verwechseln, denn auf Knopfdruck die Körpertemperatur messen lässt sich damit nicht. Stattdessen misst die Uhr die Temperatur am Handgelenk ausschließlich während des Schlafs und gibt selbst dabei keine absoluten Werte in Grad Celsius oder Fahrenheit an. Stattdessen legt sie einen »Ausgangszustand« fest und zeigt Abweichungen von diesem Mittelwert an, der erstmals nach fünf Nächten berechnet wird. Bis man zum ersten Mal einen Hinweis auf einen möglichen Eisprung erhält, dauert es noch länger, nämlich zwei Menstruationszyklen.

Dass all das nur funktioniert, wenn man die Watch jede Nacht beim Schlafen trägt, zeigt auch, wie langfristig das Unternehmen neue Funktionen vorbereitet. Ohne die Schlaferfassung, die mit watchOS 7 eingeführt wurde, und die Schnellladefunktion, die mit der Watch 7 kam, wäre die nächtliche Temperaturmessung nicht möglich.

Apple Watch 7 (l.) und 8 im Vergleich: Von außen sind die Temperatursensoren nicht erkennbar

Apple Watch 7 (l.) und 8 im Vergleich: Von außen sind die Temperatursensoren nicht erkennbar

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Abzuwarten bleibt, ob die Messungen mit künftigen Softwareupdates noch für andere Auswertungen genutzt werden können. Apple selbst merkt schon jetzt an, dass Veränderungen der nächtlichen Körpertemperatur beispielsweise auch durch intensives Training oder einen Jetlag verursacht werden können.

Crash, Boom, Bang

Reagiert man nicht auf den Unfallhinweis der Watch 8 (l.), setzt sie nach einer kurzen Wartezeit einen Notruf ab (r.)
Reagiert man nicht auf den Unfallhinweis der Watch 8 (l.), setzt sie nach einer kurzen Wartezeit einen Notruf ab (r.)

Reagiert man nicht auf den Unfallhinweis der Watch 8 (l.), setzt sie nach einer kurzen Wartezeit einen Notruf ab (r.)

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Apple

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Die zweite Neuerung, die man nur mit einer Apple Watch 8 nutzen kann, aber nicht nutzen möchte, ist die Unfallerkennung. Genau wie die neuen iPhones soll die Apple Watch 8 durch die Messung verschiedener Parameter erkennen können, wenn man einen Autounfall hatte. Und ebenso wie Apples Smartphones kann auch sie in einem solchen Fall einen Notruf absetzen, sofern man nicht binnen zehn Sekunden bestätigt, dass man dazu noch selbst in der Lage ist. Da ich meist mit dem Fahrrad unterwegs bin und mein Auto ungern für einen Crashtest geopfert hätte, habe ich vorsichtshalber nicht ausprobiert, ob und wie gut das funktioniert.

Ein bisschen länger durchhalten

Eines der neuen Ziffernblätter von watchOS 9: Metropolis

Eines der neuen Ziffernblätter von watchOS 9: Metropolis

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Was ich dagegen ausprobiert habe, ist die Akkulaufzeit, die Apple konservativ mit »bis zu 18 Stunden« angibt. Wie weit man tatsächlich kommt, hängt massiv davon ab, wie intensiv man die Watch benutzt. Nach einem faulen Tag und einer Nacht zeigte mein Testgerät am folgenden Morgen noch 42 Prozent Restkapazität an. Nach einem stundenlangen Fahrradtraining hingegen musste ich sie vor dem Zubettgehen noch einmal aufladen, damit sie durch die Nacht kommen konnte.

Was ich in den wenigen Tagen mit der neuen Watch 8 noch nicht hinreichend testen konnte, war indes der neue Stromsparmodus, in dem die Uhr bis zu 36 Stunden durchhalten soll. Um das zu schaffen, werden etwa das Always-on-Display und die Herzfrequenzmessung im Hintergrund abgeschaltet. Auf meiner mehrwöchigen Radtour im Sommer hätte ich das gut gebrauchen können.

Der neue Kompass: Ältere Modelle bekommen ihn per Softwareupdate

Der neue Kompass: Ältere Modelle bekommen ihn per Softwareupdate

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Wie die meisten anderen Features, mit denen die Watch 8 beworben wird, ist der Stromsparmodus aber nicht dem neuen Modell vorbehalten. Vielmehr profitieren davon auch ältere Apple-Smartwatches ab der Series 4, nachdem sie das Update auf watchOS 9 installiert haben. Damit nicht genug, bringt dieses Update auch neue Ziffernblätter, eine neue Kompass-App, neue Trainingsfunktionen, internationales Roaming und die Möglichkeit, sich den Weg zurück weisen zu lassen, falls man sich auf einem Ausflug verlaufen haben sollte.

All das werde ich mir mit der Apple Watch Ultra anschauen, die etwas später in den Handel kommen wird als die Watch 8 und deren günstiger Ableger, die Apple Watch SE.

Fazit

👍 Sehr gutes Design

👍 Temperaturmessung

👍 Unfallerkennung

👎 Hoher Preis

👎 Kaum Veränderungen gegenüber der Apple Watch 7

Warum soll man das Rad neu erfinden, wenn es doch sowieso schon rund läuft? So in etwa könnte man Apples Watch 8 in Kurzform beschreiben. Sie führt das erfolgreiche Konzept der Series 7 um nur zwei Funktionen erweitert fort, sieht gut aus, hat ein tolles Display und kann mit etlichen Apps bestückt werden. Genau wie ihre Vorgänger muss sie aber, wenn man nicht den Stromsparmodus nutzt, täglich aufgeladen werden.

Und sie ist, genau wie die iPhones, leider teurer geworden, kostet schon in der günstigsten Ausführung 499 Euro, also 70 Euro mehr als ihre Vorgängerin vor einem Jahr. Wer eine Apple Watch haben, aber nicht so viel ausgeben will, muss zur Watch SE greifen. Die hat ein kleineres Display, keine Temperaturmessung und auch sonst weniger Funktionen, aber denselben Chip und dasselbe watchOS 9 wie die Watch 8. Vor allem aber hat sie denselben Preis wie 2021: Mit 299 Euro ist sie deutlich günstiger als die größeren Modelle.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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