Neue Apple Watch 5 im Test Fast wie eine normale Uhr

Das Display der neuen Apple Watch ist jetzt immer an, ein Kompass ist eingebaut und gegen Aufpreis gibt es edle Gehäusematerialien. Reicht das, um ein Upgrade zu rechtfertigen? Ein Fazit nach vier Wochen Test.

Matthias Kremp / DER SPIEGEL

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Auch wenn sich am Design gegenüber Series 4 kaum etwas geändert hat, erkennt man sofort, ob jemand eine neue Apple Watch Series 5 trägt. Denn deren Bildschirm ist immer an. Alle früheren Modellen haben das Display nach wenigen Sekunden der Nichtnutzung abgeschaltet, um Strom zu sparen.

Auf dem neuen Modell wird stattdessen sozusagen eine Stromsparversion des jeweils ausgewählten Ziffernblattes angezeigt. Die ist zum einen etwas dunkler als bei aktivem Display, zum anderen grafisch so reduziert, dass sie weniger Energie verbraucht (siehe Fotostrecke).

Vor allem aber wird die Bildwiederholrate von 60 Bildern pro Sekunde auf nur ein Bild pro Sekunde runtergeregelt. Zu sehen ist das daran, dass der Sekundenzeiger verschwindet. Grundsätzlich wäre das auch mit dem Display der Series 4 möglich, nur fehlt der die notwendige Steuerungselektronik. Der Immer-an-Bildschirm bleibt deshalb dem neuen Modell vorbehalten.

Fotostrecke

17  Bilder
Neue Smartwatch im Test: Das ist die Apple Watch Series 5

Die Befürchtung, diese Funktion würde sich auf die Akkulaufzeit auswirken, bestätigte sich in meinem Test sofort. Während meine Series 4 die von Apple versprochenen 18 Stunden Laufzeit in der Regel mühelos übertraf, konnte sich die Series 5 nur mit Mühe bis an diese Grenze herantasten. Zumindest, bis ich die Betaversion von watchOS 6.1 installierte. Das bisher nur an Entwickler verteilte Update hat die Laufzeit der Uhr deutlich verbessert. Trotz intensiver Nutzung komme ich damit wieder zuverlässig auf 18 Stunden. Dann aber muss sie auch wirklich aufgeladen werden.

Immer an. Na und?

Nur: Was hat man eigentlich davon, dass der Bildschirm immer an bleibt? Es ging doch jahrelang auch ohne. Nun, zum einen muss man Trägern analoger Uhren nicht mehr erklären, weshalb man etwas am Handgelenk trägt, das zwar wie eine Uhr aussieht, die Zeit aber nur anzeigt, wenn man es dazu auffordert. Aber das ist nur eine Bagatelle.

Wichtiger ist, dass man nun nicht mehr den Arm ruckartig anheben oder einen Knopf drücken muss, wenn man mal eben nachschauen will, wie lange ein Meeting noch dauert. Mit einem verstohlenen Blick aufs Display geht das jetzt endlich viel dezenter.

Die Apple Watch im inaktiven Stromsparmodus
Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die Apple Watch im inaktiven Stromsparmodus

Mir persönlich ist allerdings noch wichtiger, dass das Display auch beim Sport an bleibt und immer die aktuellen Trainingswerte anzeigt. Ohne Zehntel- und Hundertstelsekunden zwar, aber die brauche ich ohnehin nicht, wenn ich wissen will, wie meine Rundenzeit ist oder ob ich schon die vorgesehen Trainingsdauer an einer Maschine erreicht habe.

Richtungweisend

Neben dem neuen Display hat die Apple Watch Series 5 als weitere neue Hardware einen Kompasssensor. Dessen Richtungsangaben lassen sich über eine App als Kompassrose auf dem Display anzeigen oder als sogenannte Komplikation in ein Zifferblatt integrieren. Wirklich interessant dürfte das nur für Ausflüge in abgelegene Gebiete sein. Apps können die Funktion aber auch nutzen, um zum Beispiel in einer Stadt die Richtung zu einem Ort zu weisen, den man gerade sucht. Statt eine Route auf einer Karte anzuzeigen, lässt man sich stattdessen die Richtung zu dem Café weisen, in dem man verabredet ist.

Weist die Richtung: Der neue Kompass auf der Apple Watch Series 5
Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Weist die Richtung: Der neue Kompass auf der Apple Watch Series 5

Viele anderen Neuerungen, die man auf der Series 5 findet, sind eigentlich Neuerungen von watchOS 6 und damit auch für alle Apple-Watch-Modelle ab der Series 1 verfügbar. Kurz und knapp sind das:

  • Der App Store, über den man jetzt ohne Umweg übers iPhone Apps auf die Uhr laden kann.
  • Das Zyklusprotokoll, mit dem Frauen beispielsweise fruchtbare Tage errechnen lassen können.
  • Eine App zur Geräuschmessung, die immer im Hintergrund aktiv ist und warnt, wenn es zu laut wird.
  • Neue Siri-Funktionen, beispielsweise zur Musikerkennung.
  • In der "Aktivität"-App werden jetzt auch Fitnesstrends angezeigt, also beispielsweise, ob man sich mehr oder weniger bewegt als zuvor und wie man in bestimmten Bereichen besser werden kann.
  • Und natürlich ein Schwung neuer Zifferblätter (siehe Fotostrecke).

Mehr Material

Außerdem gibt es die Apple Watch jetzt wieder in ein paar Edelversionen. Konkret: Das Gehäuse kann man nicht mehr nur aus Aluminium oder Edelstahl bekommen, sondern auch aus Titan oder Keramik. Auf die Funktion der Smartwatch hat das keinen Einfluss, auf den Look aber sehr. Auffälliger als mit der weißen Keramikversion kann man eine Apple Watch kaum tragen. Das muss man wollen und bezahlen können, die Keramik-Version kostet 950 Euro mehr als das Alu-Modell. Titan erscheint dagegen mit 400 Euro Aufpreis schon fast als Schnäppchen.

Der Apple Watch Studio genannte Konfigurator für die Series 5
Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der Apple Watch Studio genannte Konfigurator für die Series 5

Zwar kann man Apples Uhr auch weiterhin mit dem Standard-Sportarmband kaufen, das bisher jedem Exemplar beilag. Man kann sich stattdessen aber auch sein ganz persönliches Exemplar aus Gehäusegröße, -material und Armband zusammenstellen, sowohl im Onlineshop als auch im Laden. Die Preise starten, wie bisher, bei 449 Euro, die teuerste Variante kommt auf 1849 Euro.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr gutes Always-On-Display

Umfangreiche Funktionen

Wasserdicht

Viele Apps verfügbar

Funktioniert nur mit iPhones

Kein Wunder, dass Apple die Series 4 nicht mehr anbietet. Schlechter als die neue Apple Watch Series 5 war die nicht, sie hatte halt nur keinen Kompass und kein Always-on-Display. Nach vier Wochen mit Letzterem würde ich darauf zwar nicht mehr verzichten wollen, aber ein Grund, eine Series 4 durch eine Series 5 zu ersetzen, ist es nicht.

Denn was Apples Uhren so gut macht, ist ihre Software. Und selbst das neue Betriebssystem watchOS 6 läuft auf allen alten Modellen, außer auf der Ur-Apple-Watch von 2014. Wer nur die Grundfunktionen nutzt, kommt mit einem älteren Modell klar, kann also auch die Series 3 kaufen, die man schon ab 229 Euro bekommt. Auf nützliche Extras wie den Sturzsensor, die EKG-Funktion und das viel schönere, weil größere und hellere Display der Series 4 und 5 muss man dann allerdings verzichten.

Die EKG-Funktion der Apple Watch erklärt
Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
Jacky Thrilla 17.10.2019
1. Akkulaufzeit
Meine Series 3 Watch hielt anfangs drei bis vier Tage ohne Aufladung durch, allerdings benutze ich meine Elektronikspielzeuge (Smartphone u.a. Gadgets) nicht sehr intensiv, also wenigstens spiele ich nicht in jeder freien Sekunde daran herum. Nach etwas mehr als zwei Jahren hält meine Applewatch noch zwei Tage durch. Das fängt schon dezent an zu nerven, geht aber noch. Wichtig ist mir nur, dass die Uhr noch stundenlanges GPS-Tracking durchhält, denn die wichtigste Funktion ist für mich neben der Anzeige der Uhrzeit, das Tracken meiner sportlichen Aktivitäten. Solange sie das gut durchhält, sehe ich keinen Grund, die Uhr zu wechseln. Dickes Manko für mich ist die Laufzeit der Series 5 Watch, kann man dieses always-on Display abschalten? Mir persönlich ist es nämlich wurscht, was andere über meine Smartwatch denken oder sagen ...
Humanfaktor 17.10.2019
2. Das ist keine Uhr...
... sondern ein Gimmick, das unter anderem auch die Zeit anzeigen kann. Eine "richtige" Uhr hat ein ordentliches Uhrwerk und ist entsprechend wertig. So ein Kleinstcomputer in Bunt am Arm ist eher ein Spielzeug für Nerds, aber eben keine Uhr. Auch wenn das Spielzeug noch so überteuert daher kommt, weil es vom angebissenen Apfel stammt.
mcx 17.10.2019
3.
Zitat von Humanfaktor... sondern ein Gimmick, das unter anderem auch die Zeit anzeigen kann. Eine "richtige" Uhr hat ein ordentliches Uhrwerk und ist entsprechend wertig. So ein Kleinstcomputer in Bunt am Arm ist eher ein Spielzeug für Nerds, aber eben keine Uhr. Auch wenn das Spielzeug noch so überteuert daher kommt, weil es vom angebissenen Apfel stammt.
" Das ist keine Uhr..." Falsch. "Eine "richtige" Uhr hat ein ordentliches Uhrwerk und ist entsprechend wertig. " Wieder falsch. Das stimmt seit Jahrzehnten nicht. Casio? Swatch? Jede x-beliebige Quarz-Uhr aus dem Kaufhaus? Alles keine "Uhren"? Doch. Vielleicht kein Angeberschmuck, aber definitv Uhren. "Auch wenn das Spielzeug noch so überteuert daher kommt, weil es vom angebissenen Apfel stammt." Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Gewinnspanne bei meiner nach Ihrer Definition "wertigen" Uhr, eine mechanische Uhr mit Handaufzug, größer ist als bei der Apple Watch. Und zwar deutlich. Ihr Beitrag war aber sicher redlich bemüht. Die Reflexe funktionieren.
götzvonberlichingen_2 17.10.2019
4. Pawlowscher Reflex
Zitat von Humanfaktor... sondern ein Gimmick, das unter anderem auch die Zeit anzeigen kann. Eine "richtige" Uhr hat ein ordentliches Uhrwerk und ist entsprechend wertig. So ein Kleinstcomputer in Bunt am Arm ist eher ein Spielzeug für Nerds, aber eben keine Uhr. Auch wenn das Spielzeug noch so überteuert daher kommt, weil es vom angebissenen Apfel stammt.
Schreib etwas mit Apple und irgendwer wird schon einen "geilen" Kommentar liefern... Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Uhr, die nur die Zeit und das Datum anzeigen kann und einem "Gadget", mit dem man die Zeit anzeigen lassen kann, sowie die Herzfrequenz messen/ telefonieren/Musik hören/Erinnerungen, Email, Termine anzeigen/an der Kasse bezahlen kann (etc. etc.), dann nehme ich doch lieber das "Spielzeug". Ihr Kommentar zum iPhone würde mich interessieren - wird nicht gekauft, weil alles andere als ein stationäres Bakelit Telefon von Bell taugt nicht?
mkummer 17.10.2019
5. Ich hab die Watch 5
auch seit mehreren Wochen und kann Herrn Krems Einschätzung durchaus teilen. Das AWo (Always on) Display finde ich sehr angenehm - ich bin Dirigent und da ist das auffällige zur Uhr schauen und dazu den Arm zu heben sehr störend. Mit dem Akku komme ich auch unter dem OS 6.0.1 locker über den Tag - wenn ich nachts um 1.30 die Uhr auf die Ladestation am Nachttisch lege, hat sie meist zwischen 25 - 40% Restakku. Und ich nutze die Uhr wie früher - da hatte die Watch 4 zur selben Zeit ca. 10% mehr - also no big deal.
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